Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.11.2014

10:22 Uhr

Nach Enthauptung von Peter Kassig

Obama will Umgang mit Geiselnahmen überprüfen

Nachdem Terroristen des Islamischen Staates (IS) die US-Geisel Peter Kassig enthauptet haben, kündigt US-Präsident Barack Obama nun an, den bisherigen Umgang mit Geiselnahmen überprüfen zu lassen.

Entwicklungshelfer Peter Kassig ist durch Terroristen des IS enthauptet worden. ap

Entwicklungshelfer Peter Kassig ist durch Terroristen des IS enthauptet worden.

WashingtonNach der Tötung einer amerikanischen Geisel durch Terroristen des Islamischen Staats (IS) hat US-Präsident Barack Obama eine Überprüfung des Umgangs mit Geiselnahmen angeordnet. Das berichteten die Zeitung „Wall Street Journal“ und mehrere Fernsehsender am Dienstag unter Berufung auf einen Brief einer führenden Mitarbeiterin des US-Verteidigungsministeriums.

Demnach soll die Zusammenarbeit von Behörden und Ministerien bei Geiselnahmen besser koordiniert werden. Das sei nötig, weil die Zahl der verschleppten US-Bürger im Ausland zugenommen habe.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Das Pentagon wolle alle Möglichkeiten einsetzen, um die Freilassung amerikanischer Geiseln zu erreichen, schrieb Pentagon-Mitarbeiterin Christine Wormuth dem Bericht zufolge. Ob dies auch Lösegeldzahlungen einschließt, blieb zunächst unklar.

Die USA weigern sich bislang, Lösegelder zu zahlen. Die Regierung argumentiert, dass andernfalls der Anreiz größer werde, US-Bürger im Ausland zu entführen. US-Medien kritisierten wiederholt europäische Regierungen, weil diese Lösegeld für die Freilassung von Geiseln gezahlt haben sollen. Ein Vorwurf lautet, dass mit dem Geld die „Kriegskasse“ militanter Organisationen aufgefüllt werde.

Die Familien einiger US-Geiseln hatten zuletzt den Umgang der US-Behörden in Entführungsfällen kritisiert und eine bessere Zusammenarbeit mit Angehörigen gefordert. Am Sonntag wurde die Enthauptung des US-Entwicklungshelfers Peter Kassig bekannt.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

18.11.2014, 14:14 Uhr

Jede Zahlung fordert mehr Geiseln(Tote) Wer übernimmt dafür die verantwortung? 1 Geisel wird freigekauft und dafür werden 10 Neue genommen! Ein glänzender Wirtschaftszweig von uns gewollt!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×