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17.09.2011

17:35 Uhr

Nach EU-Finanzgipfel

Papandreou sagt USA-Reise ab

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou bleibt in der Heimat. Die Stimmung auf dem EU-Finanzministertreffen hat die griechische Regierung in Alarmstimmung versetzt - es herrscht Sorge um das Rettungspaket.

Keine USA-Reise: Giorgos Papandreou bleibt in Griechenland. dapd

Keine USA-Reise: Giorgos Papandreou bleibt in Griechenland.

BreslauDas Schuldendrama in Griechenland nimmt immer verwirrendere Züge an: Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte am Samstag eine geplante Reise in die USA ab. Die hänge damit zusammen, dass die kommende Woche „sehr kritisch für die Umsetzung der Beschlüsse“ des Gipfeltreffens der EU im Juli sein werde, teilte sein Büro mit. Aus diesem Grund habe Papandreou seine Reise abgesagt.

Zuvor war die eigentlich für Montag erwartete Ankunft der Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) in Athen ein zweites Mal aufgeschoben worden. Die Chefs der sogenannten „Troika“ werden demnach nicht wie ursprünglich erwartet am Montag in Athen sein. Stattdessen solle es lediglich eine Telefonkonferenz des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos mit den drei hohen Funktionären geben, hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums. Die Reise der „Troika“ nach Athen war bereits zuvor einmal verschoben worden.

Griechische Medien berichteten, die Regierung mache sich nun große Sorgen um die nächste Tranche der Finanzhilfe. Finanzminister Evangelos Venizelos habe ein „äußerst negatives Klima“ beim jüngsten Finanzministertreffen der EU in Breslau festgestellt. Papandreou sei bereits auf dem Weg in die USA gewesen und kehre jetzt aus London nach Athen zurück, hieß es weiter.

Ursprünglich wollte sich Papandreou in New York auch mit der IWF-Direktorin Christine Lagarde treffen. Der Regierungschef hatte geplant, ihr zu versichern, dass Griechenland die nötigen Reformen und Sparmaßnahmen in die Wege leiten werde.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

IWF

Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

ESM (Bareinzahlung)

Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

ESM (Bürgschaften)

Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

IWF-Rettungsplan für Griechenland

Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

Gesamt

Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

Nur, wenn die „Troika“ grünes Licht gibt, wird Griechenland die nächste Tranche seiner dringend benötigten Finanzhilfe bekommen. Griechenland hat nach offiziellen Angaben Geld bis Oktober. Kommt die Hilfe nicht, ist das Land pleite.

Im Gegensatz dazu ist trotz Problemen in einzelnen Ländern die Schuldensituation in Europa nach Ansicht des Chefs der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, insgesamt besser als in anderen Industrieländern. Im Ganzen sei die Lage „ermutigend“, sagte der EZB-Chef am Samstag. „Wenn ich die Euro-Zone und die Europäische Union als Ganzes betrachte, ist die Situation durchaus ermutigend“, ergänzte er.

Trichet rechnet nach eigenen Angaben in diesem Jahr mit einem Gesamtdefizit der Euro-Staaten von 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Staatsschulden würden in anderen „großen Wirtschaftsnationen“ rund zehn Prozent höher liegen als in der Euro-Zone. Zwar hätten die Regierungen in einzelnen Ländern Fehler gemacht, doch würden diese nun korrigiert.

Und auch trotz immer neuer Hiobsbotschaften im griechischen Schuldendrama wird die Staatspleite nach Überzeugung der EU-Finanzminister verhindert. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich am Samstag im polnischen Breslau (Wroclaw) zuversichtlich, dass die neuen milliardenschweren Hilfen rechtzeitig unter Dach und Fach kommen.

Kommentare (40)

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Account gelöscht!

17.09.2011, 17:26 Uhr

Das funktioniert in Prortugal, Irland - mag sein. Aber nicht in Griechenland. Wir sind von diesen Menschen betrogen, verarscht und mit Dreck beworfen worden. Allein aus Erziehungstechnischen Gründen, für die Griechen und für die anderen als abschreckendes Beispiel, müssen die Pleite gehen.
Ich will mein Erspartes nicht spenden und dann noch zu hören bekommen: "War nicht genug", oder "hätten die hässlichen Deutschen mal schneller bezahlt". Egal was passiert, wir Deutschen sind die Buhmänner.

Der_Emigrant

17.09.2011, 17:36 Uhr

Taete ich in Trichets Haut stecken, wuerde ich dies auch so zum Besten geben. Was will man schon von einem alten Mann erwarten, der seine baufaellige Dorfkirche vor dem Abriss bewahren will.

aruba

17.09.2011, 17:36 Uhr

Guten Tag,.... Um Gottes Willen,.... Trinkt der Mann ? Gute Nacht

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