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18.01.2015

21:56 Uhr

Nach Festnahmen in Griechenland

Belgien will Auslieferung von Extremisten fordern

Zunächst hieß es, es könne zwischen den in Griechenland gefassten mutmaßlichen Islamisten und den Anschlägen in Belgien keine Verbindung gezogen werden. Doch dies müssen die belgischen Behörden nun offenbar revidieren.

Staatsanwalt Thierry Werts muss nun erste Aussagen über Zusammenhänge zwischen den Anschlägen in seinem Land und den Festnahmen in Griechenland revidieren. dpa

Staatsanwalt Thierry Werts muss nun erste Aussagen über Zusammenhänge zwischen den Anschlägen in seinem Land und den Festnahmen in Griechenland revidieren.

AthenDie belgischen Behörden suchen mit Hochdruck nach möglichen Hintermännern des vereitelten Terroranschlags gegen Polizisten. Anders als zunächst vermutet könnten die jüngsten Festnahmen in Griechenland nach Angaben der Ermittler doch in Zusammenhang mit den Anschlagsplänen im ostbelgischen Vervier stehen. Dies habe eine gründliche Prüfung aller Indizien ergeben, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Sonntag laut Nachrichtenagentur Belga. Gegenüber dem Sender RTL sagte der Sprecher der belgischen Staatsanwaltschaft, Thierry Werts, einer der am Samstag in Athen gefassten Männer „könnte eine Verbindung“ zu der belgischen Islamistenzelle haben. Es gebe „ausreichende Hinweise, um seine Auslieferung zu fordern“.

Am Samstagabend hatte es seitens der belgischen Ermittler zunächst geheißen, beide Fälle hätten nichts miteinander zu tun.

In Belgien herrscht Alarmzustand, seitdem die Behörden nach eigenen Angaben einen größeren Anschlag von Islamisten auf Polizeibeamte in letzter Minute vereitelten. Bei einem Anti-Terror-Einsatz im ostbelgischen Verviers waren am Donnerstag zwei gesuchte Extremisten ums Leben gekommen. Sie stammten offenbar aus Brüssel. Direkt danach wurden 15 Personen festgenommen, davon zwei in Frankreich.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

In Athen gingen den Fahndern laut griechischer Nachrichtenagentur ANA-MPA am Samstag nach einem belgischen Amtshilfeersuchen zwei algerische Staatsbürger ins Netz. Griechische Sicherheitsbehörden seien von Anfang an davon ausgegangen, dass der richtige Mann nicht dabei gewesen sei.

Zunächst hatten griechische Medien berichtet, es seien vier Verdächtige festgenommen worden, unter ihnen auch der angebliche Anführer der Terrorzelle. Der aus Marokko stammende Extremist Abdelhamid A., der seinen Wohnsitz in Brüssel hatte, war demnach zum Kampf für die Terrormiliz Islamischer Staat nach Syrien aufgebrochen.

Der belgische Justizminister Koen Geens sagte, der mutmaßliche Anführer sei noch nicht gefasst. „Aber es wird gegen ihn ermittelt, und ich nehme an, dass er gefunden werden wird“, sagte Geens dem Sender VRT. Am Sonntag gab es in Brüssel zwei neue Hausdurchsuchungen.

In der Hauptstadt bewachten Soldaten das Jüdische Museum, wo ein Attentäter vergangenen Mai vier Menschen ermordet hatte. Militär unterstützte die Polizei auch in Antwerpen. Die Regierung hatte angekündigt, bis zu 300 Soldaten in den großen Städten einzusetzen.

Drei im Zuge der verschärften Terrorfahndung festgenommene Männer wurden wieder freigelassen. Sie hatten Polizisten bedroht.

In Frankreich wurden zwei der drei getöteten Terroristen am Wochenende anonym beigesetzt. Einer der Attentäter auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, Chérif Kouachi, wurde am Samstag in Gennevilliers im Norden von Paris beerdigt. Sein Bruder Saïd war bereits am Freitag in Reims begraben worden. Die Beisetzungen erfolgten an nicht markierten Orten, um keine Pilgerorte für Fanatiker zu schaffen.

Von

rtr

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