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27.11.2016

15:33 Uhr

Nach Fidel Castros Tod

Kuba wartet auf Signale von Trump

Nach dem Tod Fidel Castros blicken die Kubaner gebannt nach Amerika: Wird es eine Annäherung unter Trump geben? Seine Reaktion auf den Tod des Staatsoberhauptes lassen keine Rückschlüsse auf die künftige Kuba-Politik zu.

Viele Kubaner beschäftigt die Frage, ob es unter dem künftigen US-Präsidenten eine Annäherung zwischen Kuba und den USA geben wird. AP

Donald Trump

Viele Kubaner beschäftigt die Frage, ob es unter dem künftigen US-Präsidenten eine Annäherung zwischen Kuba und den USA geben wird.

HavannaDie Kubaner schauen nach dem Tod von Revolutionsführer Fidel Castro gebannt auf die USA. Viele beschäftigt vor allem die Frage, ob der frühere Erzfeind unter dem künftigen Präsidenten Donald Trump den Weg der Annäherung fortsetzen oder stoppen wird. Daran hängt nicht zuletzt die wirtschaftliche Zukunft des kommunistischen Inselstaates.

Trumps Reaktion auf Castros Tod ließ am Wochenende keine klaren Rückschlüsse zu. Zwar bezeichnete er das frühere Staatsoberhaupt als „brutalen Diktator, der sein Volk fast sechs Jahrzehnte lang unterdrückte“. Zugleich kündigte Trump an, nach seinem Amtsantritt am 20. Januar alles zu tun, um Freiheit und Wohlstand auf der Karibikinsel zu fördern.

Sein Vorgänger Barack Obama hatte nach jahrzehntelanger Feindschaft eine behutsame Normalisierung der Beziehungen beider Länder angestoßen. Im März wurde Obama von Fidel Castros Bruder und Nachfolger Raul zu einem historischen Treffen in Havanna empfangen. Obama dringt auf engere Handelsbeziehungen und eine Lockerung der Finanzsanktionen gegen den Einparteienstaat. Er konnte den Kongress aber nicht überzeugen, das Wirtschaftsembargo aufzuheben. Den verstorbenen Castro würdigte Obama als „einzigartige Persönlichkeit“ und bekräftigte sein Angebot, den Kubanern „eine Hand der Freundschaft“ zu reichen.

Kuba unter den Castros

1. Januar 1959

Kubas diktatorischer Präsident Fulgencio Batista flieht. Sieben Tage später feiern Fidel Castros Truppen den Einzug in die Hauptstadt Havanna.

16. Februar 1959

Castro erklärt sich zum Ministerpräsidenten Kubas.

17. Mai 1959

Castro unterzeichnet die Agrarreform, die den privaten Landbesitz der Bauern begrenzt und damit Großgrundbesitzer enteignet.

Februar 1960

Kuba unterzeichnet ein erstes Handelsabkommen mit der Sowjetunion.

Juni 1960

Die ersten US-Unternehmen auf Kuba werden verstaatlicht.

15. April 1961

Castro verkündet den „sozialistischen Charakter“ der Kubanischen Revolution. Zwei Tage später beginnt die Invasion der von den USA unterstützten Exilkubaner in der Schweinebucht, die innerhalb von 72 Stunden von den kubanischen Truppen niedergeschlagen wird.

7. Februar 1962

Die USA verhängen ein totales Embargo über den Handel mit Kuba.

Oktober 1962

Die „Kubakrise“ als Konfrontation der Supermächte USA und Sowjetunion bringt die Welt an den Rand eines Atomkriegs.

3. Oktober 1965

Gründung der Kommunistische Partei Kubas. Fidel Castro wird erster Generalsekretär, sein Bruder Raúl Vize.

13. März 1968

Kubas Führung beschließt die Verstaatlichung aller Einrichtungen, die sich noch in kubanischem Privatbesitz befinden.

1972

Kuba schließt sich dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, der internationalen Organisation sozialistischer Staaten an.

1976

Mit einer Verfassungsreform wird Fidel Castro gleichzeitig zum Regierungschef und Staatsoberhaupt Kubas.

1990

Angesichts des zerfallenden Ostblocks setzt Kuba ein wirtschaftliches Notfallprogramm auf.

August 1993

Reformen sollen die Wirtschaftskrise abschwächen. Unter anderem wird die Arbeit auf eigene Rechnung und der Besitz von Dollars als Zahlungsmittel erlaubt.

Juni 2004

Die USA verschärfen ihr Embargo.

31. Juli 2006

Fidel Castro gibt die Führung aus gesundheitlichen Gründen an seinen Bruder und Vize Raúl ab - zunächst nur vorläufig.

18. Februar 2008

Fidel Castro tritt endgültig ab, Raúl wird kurz darauf Staatsoberhaupt und Regierungschef.

Mai 2010

Raúl Castro startet einen Dialog mit der katholischen Kirche, in dessen Folge 124 politische Gefangene freikommen.

11. Juli 2010

Erstmals seit vier Jahren tritt Fidel Castro in Havanna wieder öffentlich auf.

April 2011

Raúl Castro kündigt Wirtschaftsreformen an. Kubaner dürfen künftig kleine Geschäfte betreiben und Arbeitskräfte beschäftigen.

Oktober 2012

Die Regierung kündigt mehr Reisefreiheit an.

24. Februar 2013

Raúl Castro gibt zu Beginn seiner zweiten Amtszeit bekannt, dass er die Präsidentschaft 2018 abgeben wird.

17. Dezember 2014

Kuba und die USA verkünden die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen nach über 50 Jahren Unterbrechung. Die Vereinbarung zwischen Raúl Castro und US-Präsident Barack Obama wird weltweit als Meilenstein gefeiert.

22. März 2016

Als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren besucht US-Präsident Barack Obama Kuba.

20. April 2016

Fidel Castro zeigt sich noch einmal auf dem Kongress der Kommunistischen Partei und sinniert über seinen eigenen Tod: „Wir alle kommen an die Reihe.“

13. August 2016

Fidel Castro wird 90 Jahre alt.

25. November 2016

Fidel Castro stirbt im Alter von 90 Jahren in Havanna.

Trump hatte in den vergangenen Monaten verschiedene Signale ausgesandt. Zunächst bezeichnete er Obamas Vorgehen als grundsätzlich richtig, forderte aber bessere Vereinbarungen mit dem Inselstaat.

Später drohte er im Kampf um die Stimmen von Exil-Kubanern in Florida damit, Obamas Annäherungskurs rückgängig zu machen, wenn die kubanische Führung nicht Religionsfreiheit ermöglicht und politische Gefangene freilässt.

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