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18.10.2013

16:59 Uhr

Nach Finanz-Drama

US-Verwaltung geht zurück an die Arbeit

Alles auf Anfang: Nach einer Nervenschlacht um den US-Haushalt atmen die USA auf. Hunderttausende kehren in den Arbeitsalltag zurück. Von Washington bis Kalifornien macht sich das Ende des Streits bemerkbar.

US-Justizminister Eric Holder begrüßte die Rückkehrer mit einem Brief. AFP

US-Justizminister Eric Holder begrüßte die Rückkehrer mit einem Brief.

WashingtonNach einem wochenlangen Nervenkrieg um den US-Haushalt sind Hunderttausende Amerikaner in die Normalität zurückgekehrt. Behörden, Nationalparks und Museen öffneten wieder ihre Pforten, nachdem Staatsbedienstete zurück an die Arbeit gerufen wurden. Nach einem 16 Tage dauernden Zwangsurlaub sollen sie rückwirkend bezahlt werden. Unzählige Familien hatten zunächst um die Gehaltschecks bangen müssen. Viele Amerikaner atmen nun auf.

„Die Amerikaner sind die größten Verlierer“, sagte die Republikanerin Diane Black im Sender CNN am Donnerstagabend (Ortszeit). Sie bereue aber nicht, im Abgeordnetenhaus gegen den Finanzkompromiss gestimmt zu haben, der dem Finanz-Drama schließlich ein Ende bereitete. Denn er stelle US-Präsident Barack Obama einen „Blankoscheck“ aus, anstatt die ausufernden Ausgaben zu senken.

Die Mitarbeiter des Nationalparks in Washington sammelten Müll ein, der sich über die zwei Wochen in Parkanlagen angehäuft hatte. Vor dem berühmten Luft- und Raumfahrtmuseum standen Touristen in der US-Hauptstadt Schlange. Das Tauziehen um den Haushalt hatte die Pläne etlicher Besucher durchkreuzt, denen der Zugang zu bekannten Sehenswürdigkeiten wegen des „Shutdown“ verwehrt blieb. Weil in Washington viele Ministerien und Ämter ihren Sitz haben, waren dort besonders viele Menschen von dem Etatstreit betroffen.

Nach der Krise ist vor der Krise

Wie geht es an den Börsen weiter?

Anleger haben den Haushaltsstreit abgehakt – vorerst. Trotz der Freude über die Übergangslösung in letzter Minute hätten viele Anleger bereits die künftige Entwicklung im Blick, erklärt Experte Desmond Chua von CMC Markets: „Der Kompromiss bringt nur wenig Zeit, bevor es erneut zu einem Debakel kommen kann.“ Das fröhliche Treiben an den Börsen werde fortgesetzt, die Probleme ausgeblendet, meint Analyst Sebastian Sachs vom Bankhaus Metzler. Die Frage ist nur, wie lange noch. Aus Sicht des Ökonomen Torsten Schmidt vom Essener Forschungsinstitut RWI sind Verbraucher und Investoren bereits nachhaltig verunsichert.

Sind die Probleme gelöst?

Der Kompromiss zur Entschärfung des US-Finanzstreits ist keine Dauerlösung. Die Erhöhung der gesetzlichen Schuldengrenze, ohne die der Supermacht das Geld ausgegangen wäre, stellt die Finanzierung nur bis zum 7. Februar sicher. Der Übergangshaushalt, der die öffentliche Verwaltung am Laufen hält, ist sogar nur bis zum 15. Januar gültig. Dann droht erneut der Stillstand. Das heißt: Schon in den nächsten Wochen müssen sich Republikaner und Demokraten auf eine längerfristige Lösung einigen. Die Fronten bleiben jedoch verhärtet, so dass der Stress für die Anleger schon bald wieder losgehen wird.

Wie lange reicht die Geduld der Investoren?

Trotz Einigung in letzter Minute – die Supermacht ist angezählt. „Der Schaden für die USA und ihre Glaubwürdigkeit ist beträchtlich“, meint Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. „In den kommenden Tagen und Wochen wird die Diskussion aufkommen, ob die USA noch uneingeschränkt als Hort der Sicherheit einzuschätzen sind – und das zu Recht“, sagt auch Metzler-Experte Sachs. Sollte das Vertrauen in amerikanische Anlagen schwinden, hätte das auch erhebliche Folgen für deutsche Sparer.

Was bedeutet das für Lebensversicherungen?

Das Geld der Lebensversicherungen steckt vor allem in festverzinslichen Wertpapieren mit guter Bonität, beispielsweise deutschen Staatsanleihen oder US-Bonds. Sollten ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA aufkommen, müssten sich die Lebensversicherer von den US-Anleihen trennen. Bei einer Flucht der Investoren in Bundesanleihen würden deren ohnehin schon mickrigen Renditen aber noch weiter sinken. Das dürfte den Druck auf die Lebensversicherer weiter verstärken. Viele Anleger erhalten bereits heute weit weniger Geld als sie sich ursprünglich beim Abschluss ihres Vertrages erhofft hatten.

Was steht Sparern bevor ?

Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, weil die Notenbanken die Zinsen auf Rekordtiefstände gesenkt haben. Mit ihrer Geldflut wollen die Währungshüter die Konjunktur ankurbeln. Ein rascher Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes ist angesichts der schwachen Konjunktur in Europa kein Thema. Bei der US-Notenbank könnte sich der geplante Anfang vom Ende des Billiggelds wegen der Folgen des Haushaltsstreits verzögern. „Die Fed muss nun erst einmal abwarten. Das wird für neue Unsicherheit an den Weltmärkten sorgen“, meint Henrik Enderlein von der Hertie School of Governance. Die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) schätzt den ökonomischen Schaden durch den zweiwöchigen Zwangsurlaub in der öffentlichen Verwaltung auf 24 Milliarden Dollar. Erste Ökonomen haben bereits die Konjunktur-Prognosen für die USA gesenkt.

Auch die beliebte Webcam des Nationalzoos, die rund um die Uhr ein Panda-Baby und dessen Mutter filmt, ging wieder auf Sendung. Innerhalb von zehn Minuten hatte die Kamera die Höchstgrenze von 850 Verbindungen erreicht, sagte eine Zoo-Sprecherin nach einem Bericht der „New York Times“. Fans des tapsigen Jungtiers machten ihrer Begeisterung im Internet Luft.

Im Westen der USA nahmen Mitarbeiter der Parkbehörde ihre Arbeit sofort wieder auf. In der Bucht von San Francisco setzten erstmals seit Wochen Fähren auf die berühmte frühere Gefängnisinsel Alcatraz über. In der Sierra Nevada nutzten Tausende Touristen die erste Gelegenheit, den Yosemite-Park zu besuchen. „Wir sind begeistert davon, wieder zu eröffnen und heißen die Besucher in Yosemite willkommen zurück“, sagte Park-Leiter Don Neubacher in einer Mitteilung.

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