Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.07.2011

10:56 Uhr

Nach Freilassung

Sozialisten hoffen auf DSK-Comeback

Helle Aufregung bei Frankreichs Sozialisten: Die Affäre um den ehemaligen IWF-Chef Strauss-Kahn könnte bald zu den Akten gelegt werden. Aber ist eine Präsidentschaftskandidatur überhaupt realistisch?

Wende im Fall Strauss-Kahn

Video: Wende im Fall Strauss-Kahn

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Monaco/New York ParisIn Frankreich hat sich viel verändert, seit Dominique Strauss-Kahn in Handschellen abgeführt wurde, um sich Vergewaltigungsvorwürfen eines Zimmermädchens zu stellen: Ein blasser Normalo wurde statt des schillernden Strauss-Kahn zum Favoriten der Opposition bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen. Und Präsident Nicolas Sarkozy verlor seine beste Ministerin und Finanzexpertin, Christine Lagarde, die Strauss-Kahn an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) ablöste.

Doch nun die überraschende Wende: Vielleicht war alles gar nicht so, vielleicht wird DSK freigesprochen und tritt am Ende doch noch gegen Sarkozy an. Bei den Sozialisten, bei denen Strauss-Kahn lange als aussichtsreichster Kandidat galt, herrscht helle Aufregung.

Nichts soll Strauss-Kahn an einer Kandidatur hindern

Ex-Parteichef François Hollande sprach als erster aus, was viele denken: „Nichts sollte Dominique Strauss-Kahn hindern, anzutreten“, sagte er. Konkret bedeutet dies, die Frist für die Kandidaten der Vorwahl vom 13. Juli um ein paar Wochen zu verschieben. Nach dem ursprünglichen Plan wollten die Sozialisten im Oktober bestimmen, wer von ihnen den Wahlkampf gegen Sarkozy aufnehmen soll.

Ist eine Kandidatur Strauss-Kahns in Frankreich realistisch? Im Fall eines Freispruchs hätte er zumindest Zeit für einen neuen Job, da sein IWF-Posten bereits an Lagarde vergeben ist. Andererseits: Wollen die Linken einen Kandidaten - und die Franzosen einen Präsidenten - der eine solche Geschichte hinter sich hat? Zumal ja noch niemand weiß, wie diese Affäre tatsächlich endet.

Dass Strauss-Kahns Anwälte versuchen würden, die Anklägerin zu diskreditieren, stand schon früh fest. Falls sie bei ihrem Asylantrag geschummelt hat, bedeutet aber noch lange nicht, dass sie eine Vergewaltigung erfunden hat, meinen auch manche seiner alten Anhänger.

Die Chronologie des Strauss-Kahn-Skandals

Samstag 14. Mai

Strauss-Kahn wird in New York festgenommen. Nach der später veröffentlichten Anklageschrift soll der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) in seiner Hotelsuite versucht haben, ein 32-jähriges Zimmermädchen zu vergewaltigen. Es war zum Aufräumen gekommen.

Sonntag 15. Mai

Die Frau identifiziert Strauss-Kahn, wie Medien berichten.

Montag 16. Mai

Eine New Yorker Richterin entscheidet, dass Strauss-Kahn vorerst in Haft bleibt. Sie begründet dies mit Fluchtgefahr. Eine Kaution von einer Million Dollar lehnt sie ab. Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last: „Sexuelle Belästigung ersten Grades“, dafür drohen 25 Jahre Haft. Hinzu kommt „versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. Ferner geht es zweimal um „sexuellen Missbrauch“, „Freiheitsberaubung“ und „unsittliches Berühren“. Erste Berichte über ein Alibi des 62-Jährigen tauchen auf. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der IWF-Chef zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern traf seine Tochter. Er habe seine Hotel-Rechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sei dann Essen gegangen. Eine regierungsnahe französische Website veröffentlicht angebliche Polizeiprotokolle und diplomatische Berichte. Danach hat die Polizei DNA-Spuren, vermutlich Sperma, sichergestellt. Auf Strauss-Kahns Oberkörper seien Kratzspuren zu sehen gewesen. Die New Yorker Justiz prüft, ob der IWF-Chef schon einmal eine Frau angegriffen hat. Ein früherer Fall außerhalb der USA gleiche in groben Zügen dem aktuellen Vorwurf.

Dienstag 17. Mai

Strauss-Kahn soll nach Angaben eines New Yorker Boulevardblattes die Möglichkeit von „einvernehmlichem Sex“ eingeräumt haben. Er genießt nach Angaben des IWF keine diplomatische Immunität. Das Zimmermädchen will gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds aussagen, sagt ihr Anwalt dem Sender CNN. Sie arbeite bereits mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. In seiner Gefängniszelle bleibt der IWF-Chef wegen angeblicher Selbstmordgefahr rund um die Uhr unter Beobachtung.

Mittwoch 18. Mai

Die Lage für Strauss-Kahn wird immer prekärer. US-Finanzminister Geithner fordert offen eine Übergangslösung für die Führung des Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor der Grand Jury aus. Der Fernsehsender CNN berichtet, dass die 32-Jährige abgeschirmt in New York vernommen wird. Die Grand Jury hat letztlich zu entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Die „New York Post“ meldet, Strauss-Kahns mutmaßliches Opfer habe möglicherweise Aids.

Donnerstag 19. Mai

Strauss-Kahn zieht die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Außerdem kommt er gegen eine Kaution von rund einer Millionen Dollar in bar frei. Er bleibt unter Hausarrest und muss eine elektronische Fußfessel tragen.

Montag, 23. Mai

Strauss-Kahn streitet in einer E-Mail an seine ehemaligen IWF-Kollegen alle Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung vehement ab. "Ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird und ich entlastet werde", schreibt er in dem veröffentlichten Brief. Gleichzeitig kommen neue Indizien ans Licht. Auf der Kleidung des Zimmermädchens und dem Teppich des Hotelzimmers befanden sich Spermaspuren.

Dienstag, 24. Mai

Die Spermaspuren auf dem Kleid des Zimmermädchen stimmen mit der DNA von Strauss-Kahn überein, berichten mehrere Medien. Die Anwälte des Ex-IWF Chefs äußern sich zunächst nicht dazu.

Donnerstag, 26. Mai

Strauss-Kahn hat eine neue Bleibe in New-York: Das Apartment soll im Stadtteil Tribeca liegen. Dort steht er bis zum Beginn des Prozess unter Hausarrest.

Freitag, 1. Juli

Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Offensichtlich ist die Glaubwürdigkeit der Frau, die dem ehemaligen IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vorwirft, erschüttert. Nach Haft und verschärftem Hausarrest ist Strauss-Kahn wieder auf freiem Fuß. Doch er darf die USA vorerst nicht verlassen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rainer_J

02.07.2011, 12:37 Uhr

Offenbar wird mit hohem Aufwand versucht, die Klägerin unglaubwürdig zu machen, indem man ihr gesamtes Leben akribisch scant und nach Schwächen sucht.

Das die Klägerin im privaten Kreis nach der Tat eine Entschädigungsklage errötert hat, sehe ich als ganz normal an. Jeder würde das machen. Die anderen Sachen sind auch nur Bagatelldelikte, die aufgebauscht und übertrieben werden. Diese billigen Versuche mit Hilfe der linken Presse diesen Fall zu drehen sind viel zu offensichtlich.

Die Beweise sind immer noch eindeutig. Kratzspuren, beschädigte Kleidung, Verletzung im Intimbereich und ein gescheiterter Alibiversuch (er war zu dieser Zeit Essen - bis sich das anhand von Spermaspuren auf der Kleidung nicht mehr halten ließ - dann war es plötzlich freiwilliger Sex).

Einigen Überschriften zu diesem Fall mangelt es stark an Objektivität und es sieht nach einer Kampagne aus.

Account gelöscht!

02.07.2011, 12:53 Uhr

Ich hielte eine neue Kandidatur nicht für gut und wohl auch nicht aussichtsreich.
Die Sache mit dem zimmermädchen mag so nicht ganz stimmen, aber auch in frankreich hat er diesbezüglich ja genug Dreck am Stecken.
Hätte Strauss-Kahn Charakter würde er an eine Kandidatur gar nicht denken und sich erst einmal völlig aus der Öffentlichkeit zurück ziehen

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×