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01.06.2014

15:44 Uhr

Nach fünf Jahren Geiselhaft

Taliban lassen US-Soldaten frei

Im Tausch gegen afghanische Häftlinge aus Guantanamo lassen die Taliban einen US-Soldaten frei, der fünf Jahre lang in ihrer Gewalt war. Die radikalen Islamisten warnen davor, das als Friedensangebot zu werten.

Die Eltern von Bowe Bergdahl gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama (rechts) bei einer Ansprache kurz nach der Freilassung ihres Sohnes. dpa

Die Eltern von Bowe Bergdahl gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama (rechts) bei einer Ansprache kurz nach der Freilassung ihres Sohnes.

WashingtonFünf Jahre nach seiner Entführung durch die Taliban ist der US-Soldat Bowe Bergdahl wieder frei. Im Gegenzug entließen die USA fünf Taliban-Häftlinge aus dem Gefangenenlager Guantanamo und überstellten sie nach Katar, wie das Weiße Haus am Samstag mitteilte. Bergdahl sollte am Sonntag zunächst nach Deutschland ausgeflogen werden. Präsident Barack Obama betonte, die Sicherheitsinteressen der USA blieben trotz des Deals gewahrt.

Bergdahl war Ende Juni 2009 in der Nähe eines US-Militärstützpunktes in Afghanistan nahe der Grenze zu Pakistan verschwunden. Später teilten die radikalislamischen Taliban mit, sie hätten den Feldwebel entführt. Verhandlungen zur Freilassung des US-Soldaten scheiterten mehrfach, stattdessen tauchte der heute 28-Jährige wiederholt in Propagandavideos der Aufständischen auf.

Obama informierte Bergdahls Eltern persönlich am Telefon über die Freilassung. Am Abend traten die Eltern Bob und Jani gemeinsam mit dem Präsidenten im Weißen Haus vor die Presse. Sie zeigten sich „glücklich und erleichtert“ über die Freilassung ihres Sohnes. „Wir werden für Bowe stark bleiben, während er sich erholt“, sagte die Mutter. Ihr Mann Bob bat die Medien, der Familie Zeit zu geben. Ihr stehe nun eine „beträchtliche Aufgabe“ bevor.

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Obama dankte dem Emir von Katar und der afghanischen Regierung für ihre Hilfe bei der Freilassung Bergdahls, dessen Gesundheitszustand als „gut“ beschrieben wurde. Der entführte Soldat habe „Geburtstage, Urlaube und die einfachen Momente mit Familie und Freunden entbehren müssen, die für uns alle so selbstverständlich sind“, sagte Obama. „Aber vergessen haben wir ihn nie.“

Aus dem Pentagon hieß es, Bergdahl sei am Samstagabend im Osten Afghanistans an US-Spezialeinheiten ausgehändigt und später auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram von Ärzten untersucht worden. Über den US-Stützpunkt Landstuhl bei Kaiserslautern solle er nun in die USA gebracht werden.

In die Freude über Bergdahls Freilassung mischten sich aber auch kritische Stimmen. Der republikanische US-Senator John McCain bezeichnete die freigelassenen Guantanamo-Häftlinge als „hartgesottene Terroristen“ und forderte Vorkehrungen, damit sie „niemals wieder gegen die USA und unsere Verbündeten kämpfen können“. Sein Parteifreund Mike Rogers sprach von einem Präzedenzfall, der Anreize für weitere Entführungen schaffen könnte.

Obama betonte, dass Katar Sicherheitsgarantien abgegeben habe, um die USA vor Racheakten zu schützen. Bei den fünf freigelassenen Häftlingen handelt es sich um ehemals hochrangige Taliban-Mitglieder. Unter ihnen sind der einst als Taliban-Innenminister festgenommene Chairullah Chairchwa sowie ein Vize-Verteidigungsminister und stellvertretender Geheimdienstchef der 2001 gestürzten Taliban-Regierung.

Die afghanische Regierung ihrerseits hofft nun, dass „in naher Zukunft“ Friedensverhandlungen mit den Taliban beginnen können, wie Ismail Kasimyar vom Hohen Friedensrat sagte. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid warnte dagegen vor zu viel Optimismus. Es habe sich lediglich um „einen Austausch von Kriegsgefangenen“ gehandelt und nicht um einen „politischen“ Vorgang. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel reiste noch am Sonntag überraschend nach Afghanistan.

Von

afp

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