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10.09.2014

10:08 Uhr

Nach Fukushima

Japan erklärt Atomreaktoren für sicher

Seit einem Jahr stehen in Japan sämtliche Atommeiler still. Doch die Regierung will dreieinhalb Jahre nach Fukushima zur Atomenergie zurück. Jetzt hat sie Rückendeckung bekommen – gegen den Willen vieler Bürger.

Ein Bild des zerstörten Atomkraftwerks in Fukushima: Hat Japan nichts daraus gelernt? AFP

Ein Bild des zerstörten Atomkraftwerks in Fukushima: Hat Japan nichts daraus gelernt?

TokioErstmals seit Beginn der Atomkatastrophe in Fukushima vor dreieinhalb Jahren hat die japanische Atomaufsicht zwei Reaktoren für sicher erklärt. Damit ist die seit einem Jahr atomfreie Wirtschaftsmacht der Rückkehr zur Kernenergie einen entscheidenden Schritt näher gekommen.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA bescheinigte dem Betreiber Kyushu Electric Power am Mittwoch, dass die beiden Meiler im AKW Sendai in der südwestlichen Provinz Kagoshima den neuen Sicherheitsvorschriften für ein Wiederanfahren genügen. Diese waren nach der Fukushima-Katastrophe vom 11. März 2011 verschärft worden. Die Sendai-Reaktoren werden aber wegen des langwierigen Prozesses wahrscheinlich nicht vor Dezember ans Netz gehen. Denn unter anderem müssen erst noch die lokalen Behörden ihre Zustimmung geben.

Derzeit stehen sämtliche 48 kommerziellen Reaktoren in Japan still. Sie gingen nach dem Super-Gau in Fukushima Schritt für Schritt vom Netz. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe hatte in ihrer im April vorgelegten Energie-Strategie jedoch deutlich gemacht, dass sie zur Atomkraft zurückkehren will. Diese sei neben der Wasserkraft und Kohle eine wichtige Quelle zur Grunddeckung des Energiebedarfs. Damit setzt die Regierung sich über Widerstand in der Bevölkerung hinweg.

Fukushima in Zahlen

9,0

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 war das bisher schwerste in der Geschichte Japans.

260

Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

16.000

Beben und Flutwelle töteten rund 16.000 Menschen, 4000 gelten noch immer als vermisst.

130.000

Zehntausende mussten die Region verlassen. Zeitweise lebten 130.000 Menschen in Notquartieren. Zum Jahresende sollen immer noch Zehntausende auf eine Behelfsunterkunft angewiesen sein.

210 Milliarden

Mit einem gesamtwirtschaftlichen Schaden von 210 Milliarden US-Dollar (156 Milliarden Euro) handelt es sich nach Angaben des Rückversicherers Munich Re um die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten.

2,1

Die japanische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal so stark, dass die Experten ein Minus von 2,1 Prozent für 2011 erwarteten.

5,8 Milliarden

Von April bis September verbuchte der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima einen Verlust von umgerechnet 5,8 Milliarden Euro.

2 Millionen

Mindestens zwei Millionen Menschen sind von den gesundheitlichen Spätfolgen der Atomkatastrophe betroffen.

8,4 Milliarden

Mindestens 8,4 Milliarden Euro will die Regierung dem Betreiber zur Verfügung stellen, um Opfer zu entschädigen.

In Umfragen spricht sich eine Mehrheit der Bürger immer wieder gegen eine Rückkehr zur Atomkraft aus. Im Mai hatten die Atomkraftgegner vor einem lokalen Gericht einen viel beachteten Sieg errungen. Das Bezirksgericht in der Provinz Fukui entschied, dass zwei Reaktoren des AKW Oi nicht wieder angefahren werden dürfen. Es sei unmöglich, die Wahrscheinlichkeit und die Stärke von Erdbeben vorherzusagen. Dennoch drängt die Regierung auf das Wiederanfahren von Meilern. Die Betreiberkonzerne müssen den Strombedarf als Ersatz für die Atomreaktoren mit Wärmekraftwerken abdecken. Wegen des teuren Imports von Öl und Gas ist Japans Handelsbilanz seit fast zwei Jahren rot.

Dass die beiden Reaktoren von Sendai als erste im Land nun von der NRA grünes Licht erhielten, gilt denn auch als Präzedenzfall. Sie haben zusammen eine Kapazität von 1,8 Gigawatt, was etwa fünf Prozent der Stromleistung entspricht, den Japans Meiler vor der Atomkatastrophe in Fukushima erzeugten. Damals deckten Atommeiler etwa ein Drittel des Strombedarfs des Landes ab.

So hoch wird der Anteil der Atomenergie nach Ansicht von Experten jedoch kaum wieder steigen. Es wird geschätzt, dass mehr als die Hälfte der bestehenden Reaktoren den verschärften Sicherheitsvorschriften nicht genügen. Über 40 Jahre alte Meiler werden ohnehin voraussichtlich stillgelegt. Zugleich schloss die neue Ministerin für Handel und Industrie, Yuko Obuchi, kürzlich den Bau neuer AKW zumindest auf absehbare Zeit aus.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Teito Klein

10.09.2014, 09:11 Uhr

Japan lässt AKWs wieder anlaufen
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Hybris oder kalte Berechnung: Japan hat nach der Atomkatastrophe in Fukushima 2011 erstmals zwei Atomreaktoren für sicher erklärt. Dies entspricht den Regierungsplänen, die stillgelegten Reaktoren wieder ans Netz bringen.

Japan will so von Energieimporten unabhängiger werden. Und das ist auch richtig so!

Deutschland ist vom russischen Gas abhängig, sucht aber keine Alternativen dazu, obwohl es viele gibt.
Sollte Russland, wie es bereits angekündigt hat, die Gaslieferungen reduzieren oder gar stoppen, könnten auch wir unsere AKWs wieder anlaufen lassen. Dann würden aber die Grünlinge aufschreien.

Herr Riesener Jr.

10.09.2014, 11:02 Uhr

Gestern wurde ein "Letter of Interest" von Rumänien und China unterschrieben, dass zwei neue chinesische Kernkraftwerke in Rumänien gebaut werden.

Was hat also die unsachliche Anti-Atom-Propaganda der deutschen Journalisten genützt?? (siehe Artikel, z.B. "Hat Japan denn nichts gelernt?")

Moderne Kernenergie wird weltweit eine wichtige Säule der Energieversorgung sein. Daran wird das Geschrei in Deutschland nichts ändern. Der Zug fährt halt nur ohne uns - mit allen Nachteilen für uns. Zum Beispiel hätte Deutschland die Reaktoren in Rumänien bauen können. Hätte hochwertige Arbeitsplätze gesichert. Statt dessen werfen wir für Erneuerbare mit dem Geld nur so um uns. Blöd nur, dass trotz der Geldschwemme unser CO2 Ausstoß nicht sinkt.

Ein bisserl viel falsch gemacht - Dank solcher Artikel über Japan.

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