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07.11.2014

15:34 Uhr

Nach Fukushima

Japanische Atomkraftwerke können wieder ans Netz gehen

Die letzte formale Hürde ist genommen: Ein japanischer Gouverneur gab die Genehmigung für den Start eines Atomkraftwerks im Süden Japans. Voraussichtlich Anfang 2015 kann es wieder ans Netz gehen.

Im September hatten erste Reaktoren die seit Fukushima geltenden verschärften Sicherheitstests bestanden. dpa

Im September hatten erste Reaktoren die seit Fukushima geltenden verschärften Sicherheitstests bestanden.

TokioFast vier Jahre nach der verheerenden Katastrophe von Fukushima kann das erste Atomkraftwerk in Japan voraussichtlich Anfang 2015 wieder ans Netz gehen. Der Gouverneur von Kagoshima, Yuichiro Ito, gab dafür am Freitag die Genehmigung. Zwei der Reaktoren im südjapanischen Sendai könnten trotz der Bedenken einiger lokaler Anwohner wieder gestartet werden, sagte er. In der Anlage von Fukushima wurden am Freitag bei einem Unfall drei Arbeiter verletzt.

Seit der Katastrophe von Fukushima am 11. März 2011, die ein Erdbeben und ein anschließender Tsunami ausgelöst hatten, liegen alle 48 Atomkraftwerke des Landes still. Reparaturen und Sicherheitsprüfungen wurden vorgenommen. Ministerpräsident Shinzo Abe will trotz heftiger Proteste in der Bevölkerung als sicher erachtete Anlagen wieder in Betrieb nehmen lassen. Eine verlängerte Stilllegung schade der Wirtschaft, argumentiert seine Regierung.

Im September hatten erste Reaktoren die seitdem geltenden verschärften Sicherheitstests bestanden. Die Atomaufsichtsbehörde des Landes hatte einen entsprechenden Inspektionsbericht über die Atomanlage in Sendai abgesegnet. Damit nahm das von der Firma Kyushu Electric Power betriebene Atomkraftwerk eine wichtige Hürde, um als landesweit erste Anlage wieder ans Netz gehen zu können. Für sie gelten neue, strengere Sicherheitsvorkehrungen.

Fukushima in Zahlen

9,0

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 war das bisher schwerste in der Geschichte Japans.

260

Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

16.000

Beben und Flutwelle töteten rund 16.000 Menschen, 4000 gelten noch immer als vermisst.

130.000

Zehntausende mussten die Region verlassen. Zeitweise lebten 130.000 Menschen in Notquartieren. Zum Jahresende sollen immer noch Zehntausende auf eine Behelfsunterkunft angewiesen sein.

210 Milliarden

Mit einem gesamtwirtschaftlichen Schaden von 210 Milliarden US-Dollar (156 Milliarden Euro) handelt es sich nach Angaben des Rückversicherers Munich Re um die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten.

2,1

Die japanische Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal so stark, dass die Experten ein Minus von 2,1 Prozent für 2011 erwarteten.

5,8 Milliarden

Von April bis September verbuchte der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima einen Verlust von umgerechnet 5,8 Milliarden Euro.

2 Millionen

Mindestens zwei Millionen Menschen sind von den gesundheitlichen Spätfolgen der Atomkatastrophe betroffen.

8,4 Milliarden

Mindestens 8,4 Milliarden Euro will die Regierung dem Betreiber zur Verfügung stellen, um Opfer zu entschädigen.

Die Ankündigung vom Freitag ist der letzte Schritt, bevor die Reaktoren dann voraussichtlich Anfang kommenden Jahres wieder in Betrieb genommen werden können. Einige Einwohner der Stadt Satsumasendai, in der die Anlage liegt, waren mit der Entscheidung nicht einverstanden. Rund 200 Menschen protestierten dagegen. Sie riefen: „Schützt das Leben der Einwohner“ und „Schämt euch“, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

Sie sind vor allem wegen einiger noch aktiver Vulkane rund um die Atomanlage besorgt. Vulkanausbrüche seien nicht vorauszusagen, wie der kürzliche Ausbruch eines Vulkans im Norden Japans gezeigt habe, argumentieren sie. Wirtschaftsminister Yoichi Miyazawa sagte, es sei sehr wichtig, das Verständnis der örtlichen Bewohner zu gewinnen.

In der Anlage von Fukushima wurden am Freitag drei Arbeiter von einem von einem Tank herabstürzenden Stahlgeländer verletzt. In dem Tank soll kontaminiertes Wasser gespeichert werden. Der Kraftwerk-Betreiber, Tokyo Electric Power Co., teilte mit, die Arbeiter seien nicht verstrahlt worden. Einer von ihnen war bewusstlos und wurde mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht.

Japans Vorgängerregierung hatte unter dem Eindruck der Katastrophe in Fukushima die Atomkraft als Energiequelle aufgeben wollen. Damals hatte ein Beben der Stärke 9,0 vor der Küste von Tohoku einen verheerenden Tsunami ausgelöst, der wiederum zu Kernschmelzen in Fukushima führte. In der Atomanlage wurden vier der sechs Reaktoren zerstört, die Umgebung wurde verstrahlt. Zehntausende Anwohner mussten die Gegend vorübergehend verlassen.

Von

ap

Kommentare (2)

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Herr Hermann Paul

07.11.2014, 17:57 Uhr



Wenn man dem Iran den Weg in die Atomtechnik ebnet , warum sollte man dann dem Hochtechnologie land Japan das nicht zugestehen , immerhin haben beide Länder etwas gemeinsam , die seismologischen Aktivitäten !

Recht so Japan !!!!

Herr Teito Klein

07.11.2014, 19:56 Uhr

Japanische Atomkraftwerke können wieder ans Netz gehen
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Verfallen jetzt Merkel und die Grünlinge in Schnappatmung?
Merkel (CDU) hatte doch über Nacht den sofortigen Atomausstieg beschlossen.
Und jetzt sollen bei unseren unmittelbaren Nachbarn, den Japanern, die hochgefährlichen AKWs wieder ans Netz gehen.
In Deutschland herrscht jetzt Alarmstufe rot!

Gut, wir haben die Atomverträge am anderen Ende der Welt (Brasilien) verlängert und liefern auch dem Iran und Russland Technik, aber Japan ist ja nur 50m entfernt.

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