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10.08.2015

21:48 Uhr

Nach Gedenktag für Michael Brown

Ferguson zurück im Ausnahmezustand

Schusswechsel mit der Polizei: Am Gedenktag für den vor einem Jahr erschossenen Jugendlichen Michael Brown ist es in der US-Stadt Ferguson zu heftigen Unruhen gekommen. Die Behörden haben den Ausnahmezustand verhängt.

Gewaltsame Zusammenstöße

Krawalle in Ferguson: Polizei erscheint in Kampfmontur

Gewaltsame Zusammenstöße: Krawalle in Ferguson: Polizei erscheint in Kampfmontur

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FergusonNach den Krawallen am Jahrestag der tödlichen Schüsse eines weißen Polizisten auf den schwarzen Jugendlichen Michael Brown haben die Behörden den Ausnahmezustand über die US-Kleinstadt Ferguson verhängt. Die Anordnung vom Montag galt für den gesamten Bezirk St. Louis im Bundesstaat Missouri. Damit ging die Leitung des Polizeieinsatzes in Ferguson an die Bezirksbehörden über, die „Schaden für Personen und Besitz“ bei weiteren Krawallen befürchteten.

In der Nacht zu Montag war eine friedliche Gedenkfeier für Brown in dem Vorort von St. Louis in Gewalt umgeschlagen. Nach einer Schießerei zwischen zwei Gruppen hatte ein junger Mann auch das Feuer auf Polizisten eröffnet. Die Beamten schossen zurück und verwundeten ihn schwer. Bei dem Schützen handelt es sich nach Behördenangaben um einen 18-Jährigen, gegen den am Montag ein Strafverfahren wegen des Angriffs auf einen Polizeibeamten eingeleitet wurde.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Am Sonntag hatten in Ferguson rund 300 Menschen bei einer Kundgebung an das Schicksal von Michael Brown erinnert. Am Abend heizte sich die Stimmung auf, zwei Geschäfte wurden geplündert. Aus der Menge flogen Gegenstände auf Bereitschaftspolizisten, die eine Hauptstraße abriegelten. Ein Beamter wurde laut Polizei von einem Pflasterstein im Gesicht getroffen und verletzt.

Der Polizeichef des Bezirks St. Louis, Jon Belmar, sagte, die Beteiligten der vorherigen Schießerei seien keine Demonstranten, sondern "Kriminelle" gewesen. Binnen 45 Sekunden seien 40 bis 50 Schüsse gefallen. Einer der Schützen, der 18-jährigen Tyrone H., entfernte sich den Angaben zufolge vom Tatort und stieß auf vier Polizisten in Zivil, zog seine Waffe und traf deren Fahrzeug. Die Beamten hätten zurückgeschossen, den Mann zu Fuß verfolgt und nochmals geschossen. Der Verdächtige sei dabei schwer verletzt worden und schwebe in Lebensgefahr. Gegen ihn wurde am Montag ein Strafverfahren wegen des Angriffs auf einen Polizeibeamten eingeleitet.

Ferguson ein Jahr danach: Die Wut bleibt

Ferguson ein Jahr danach

Die Wut bleibt

Ferguson war ein Fanal. Vor einem Jahr erschoss hier ein weißer Polizist den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown. Der Fall erschütterte die USA. Pünktlich zum Jahrestag kommen Neuigkeiten zum Täter ans Licht.

Die Krawalle waren befürchtet worden. Vor einem Jahr war Michael Brown nach einem Handgemenge von dem weißen Polizisten Darren Wilson mit mehreren Schüssen getötet worden. Wilson wurde nicht angeklagt, obwohl der Jugendliche unbewaffnet war. Browns Tötung und der spätere Verzicht auf einen Strafprozess hatten in Ferguson und zahlreichen anderen Städten der USA zu teils gewalttätigen Protesten geführt. An dem Fall entzündete sich eine landesweite Debatte über Rassismus und Polizeigewalt.

Von

afp

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