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26.12.2014

20:44 Uhr

Nach geplatzter Friedensverhandlung

Ukraine und Rebellen tauschen Gefangene aus

Nachdem die jüngste Runde der Friedensverhandlungen um die Ostukraine geplatzt ist, funktioniert zumindest ein Gefangenenaustausch. Die Ukraine stellt ihren Zug- und Busverkehr auf die Krim aus Sicherheitsgründen ein.

Austausch der Gefangenen: Das ukrainische Militär und prorussische Rebellen ließen mehrere hundert Personen frei. AFP

Austausch der Gefangenen: Das ukrainische Militär und prorussische Rebellen ließen mehrere hundert Personen frei.

DonezkDas ukrainische Militär und prorussische Rebellen haben 367 Gefangene ausgetauscht. Die ukrainische Seite habe 222 Personen freigelassen, die Rebellen 145, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax kamen 146 Ukrainer frei. Vier weitere sollten am Samstag freikommen, zitierte die Agentur den Sprecher des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, Swjatoslaw Zegolko.

Das russische Staatsfernsehen zeigte Bilder von ukrainischen Gefangenen, die in der Rebellenhochburg Donezk Busse bestiegen und zu einem Ort im Norden der Stadt gefahren wurden. Dort wurden jeweils zehn Gefangene aufgerufen und von Abgesandten beider Seiten überprüft. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Tass die Ombudsfrau der Rebellen, Darja Morosowa, mit den Worten zitiert, der Austausch finde erst am Samstag statt.

Der Austausch war ursprünglich schon für einen früheren Zeitpunkt in dieser Woche geplant gewesen. Am Freitag wurde dann eine weitere Runde der Friedensgespräche im weißrussischen Minsk ohne Angabe von Gründen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die erste Verhandlungsrunde in Minsk hatte am Mittwoch stattgefunden, einen Tag nach der Erklärung des Parlaments in Kiew, den Status der Ukraine als blockfreies Land aufzugeben. Das brachte ein neues Element der Spannung in die Versuche, den Konflikt zwischen der Nato-affinen Regierung in Kiew und prorussischen Separatisten im Osten des Landes zu lösen. An den Verhandlungen nahmen Delegationen der Ukraine, Russlands, der prorussischen Rebellen und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) teil.

Die Mauer zwischen Russland und der Ukraine

2300 Kilometer...

... lang soll die Mauer zwischen Russland und der Ukraine nach dem Willen der ukrainischen Führung werden. Damit möchte die Führung in Kiew verhindern, dass heimlich Waffen und Kämpfer zur Verstärkung der moskautreuen Separatisten in die Ex-Sowjetrepublik gelangen. Die Ukraine wirft Russland vor, die Aufständischen auszurüsten. Moskau weist dies zurück und kritisiert die geplante Mauer.

Rund 400 Kilometer...

...Grenze sind aber derzeit nicht in der Hand der ukrainischen Behörden. Dort haben die Aufständischen die Kontrolle. In diesen Gebieten soll den Plänen Kiews zufolge erst in einer zweiten Phase gebaut werden. In einer ersten Phase soll in den Gebieten mit dem Bau begonnen werden, die der ukrainische Grenzschutz kontrolliert: in Tschernigow, Sumy und Charkow sowie im Norden des Raums Lugansk.

Provisorische Befestigungen...

... sind an der Grenze zu der von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim geplant.

Herzstück des Mauerprojekts...

... sind ein Erdwall und ein mindestens vier Meter breiter und zwei Meter tiefer Graben. Ein fünf Meter breiter Sandstreifen soll Spuren von möglichen Grenzverletzungen zeigen. Alle 20 Kilometer ist ein Wachturm geplant.

Ein Zaun statt einer Mauer...

... ist für die weitgehend von den Aufständischen kontrollierten Gebiete Donezk und Lugansk. Alle 100 Meter sollen dort Kameras Grenzverstöße aufdecken helfen.

Rund 100 Millionen Euro...

... soll die Grenzbefestigung ersten Schätzungen zufolge kosten. Experten gehen von weitaus höheren Kosten aus. Der Bau soll in einem halben Jahr abgeschlossen sein.

Die Ukraine kündigte am Freitag an, aus Sicherheitsgründen die Zug- und Busverbindungen auf die im März von Russland annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim einzustellen. Züge mit Fahrtziel Simferopol oder Sewastopol würden von Samstag an nur noch bis zu Bahnhöfen auf von der Ukraine kontrolliertem Gebiet fahren, teilte die staatliche Bahngesellschaft mit. Dies sei nötig, um die „Verkehrssicherheit“ zu garantieren. Die Busse stellten bereits am Freitag ihre Fahrten auf die Krim ein.

Bei den Verhandlungen in Minsk ging es um eine Stabilisierung der immer wieder gebrochenen Waffenruhe, die im September vereinbart wurde. Zudem sollten Details über den Abzug schwerer Waffen und den Austausch von Kriegsgefangenen geklärt werden.

Seit Ausbruch des Konflikts als Folge des politischen Umbruchs in der Ukraine sind mehr als 4700 Menschen ums Leben gekommen. Die Kämpfe zwischen beiden Seiten nahmen in den vergangenen Wochen inmitten neuer Friedensbemühungen ab, doch beide Seiten beäugen sich mit größtem Misstrauen.

Von

ap

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