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24.02.2006

08:36 Uhr

Nach Gewalteskalation

Irakische Regierung verhängt Ausgangssperre

Mit einer verlängerten Ausgangssperre will die irakische Regierung die ausufernde Gewalt eindämmen. Sie gilt auch für Gläubige, die zum Freitagsgebet wollen. Bei Protesten gegen die Zerstörung der Goldenen Moschee in Samarra wurden bislang landesweit mehr als 130 Menschen getötet, die meisten davon Sunniten.

Ein irakischer Polizist überwacht die Ausgangssperre in Bagdad. Die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten ist eskaliert. Foto: ap

Ein irakischer Polizist überwacht die Ausgangssperre in Bagdad. Die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten ist eskaliert. Foto: ap

BAGDAD. Nach US-Medienangaben gilt die außergewöhnliche Maßnahme in Bagdad und den Provinzen Dijala, Babil und Salahaddin von Donnerstagabend bis Freitag 16.00 Uhr (14.00 Uhr MEZ). Wer sich davor auf der Straße befinde, werde umgehend festgenommen, sagte ein Regierungsvertreter. Das gelte auch für Gläubige, die auf dem Weg zu den Freitagsgebeten in die Moscheen seien. Für Soldaten und Polizisten sei zudem eine Urlaubssperre verhängt worden. Die Ausgangssperre war zuletzt bereits auf 20.00 Uhr abends bis 6.00 Uhr morgens verlängert worden. Zuvor galt sie von 23.00 Uhr bis 5.00 Uhr. Nach dem Anschlag auf eine der wichtigsten schiitischen Stätten im Irak in Samarra war es in den vergangenen zwei Tagen zu schweren Zusammenstößen von Sunniten und Schiiten gekommen.

Bis zum Donnerstagnachmittag wurden landesweit mehr als 100 erschossene Zivilisten gefunden, die vermutlich Opfer von Vergeltungsaktionen waren. In der Nacht zum Donnerstag gingen zahlreiche sunnitische Moscheen in Flammen auf. Angesichts der eskalierenden Gewalt zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und den Sunniten warnte Übergangspräsident Dschalal Talabani, ein Kurde, vor dem Ausbruch eines Bürgerkriegs. „Wir müssen jetzt alle zusammenstehen, um einen Bürgerkrieg abzuwenden“, mahnte er.

Wie das US-Militär am Donnerstag bestätigte, kamen bei Bombenanschlägen auf US-Streifen am Vortag im Irak sieben Soldaten ums Leben. Vier GIs wurden bei Howeidscha, 50 Kilometer westlich von Kirkuk, von einem Sprengsatz getötet, drei bei Balad, 60 Kilometer nördlich von Bagdad.

Aus Protest gegen die Brandanschläge auf Sunniten-Moscheen setzte die Irakische Konsensfront, das stärkste sunnitische Parteienbündnis im Irak, ihre Beteiligung an den Gesprächen zur Bildung einer neuen Regierung der nationalen Einheit aus. Das Bündnis werde den Gesprächen fernbleiben, so lange die Gewalt gegen sunnitische Moscheen nicht untersucht werde, sagte der Vorsitzende der zur Konsensfront gehörigen Irakischen Islam-Partei (IIP), Tarik al- Haschemi, in Bagdad.

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