Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.04.2013

13:43 Uhr

Nach Granatenangriff

Familien fliehen aus syrischer Stadt Aleppo

In Syrien werfen sich Regierung und Rebellen gegenseitig Massaker vor. Nachdem zahlreiche Granaten niedergingen, soll es eine Massenflucht gegeben haben. Auch ARD-Korrespondent Armbruster wurde schwer verletzt.

Nach Granatenangriffen suchen Menschen in Aleppo nach Überlebenden. Reuters

Nach Granatenangriffen suchen Menschen in Aleppo nach Überlebenden.

BeirutHunderte Familien sind aus der umkämpften Stadt Aleppo im Nordwesten Syriens vor Gefechten geflohen. Im Viertel Scheich Makssud habe es eine Massenflucht gegeben, nachdem zahlreiche Granaten niedergegangen und mehrere Häuser zerstört worden seien, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Bei Dreharbeiten in der Stadt wurde der ARD-Fernsehkorrespondent Jörg Armbruster schwer verletzt.

Hunderte Autos mit Familien hätten Scheich Makssud wegen der Kämpfe zwischen Rebellen und Kämpfern der Regierung von Präsident Baschar al-Assad verlassen, sagte der Leiter der in London ansässigen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die Organisation bezieht ihre Informationen über ein breites Netzwerk von Kämpfern und Ärzten in Syrien; von unabhängiger Stelle könne diese nicht überprüft werden.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Scheich Makssud ist ein Viertel mit überwiegend kurdischer Bevölkerung. Die Kämpfe, die dort seit Freitag wüten, konzentrieren sich aber auf den sunnitischen Teil des Viertels. Dieses Gebiet ist strategisch bedeutsam, weil es auf einem Hügel liegt, der Syriens zweitgrößte Stadt überragt. Von dort könne ganz Aleppo überblickt werden, sagte Rahman.

Laut der Beobachtungsstelle will die syrische Armee die Aufständischen daran hindern, den strategisch wichtigen Hügel einzunehmen, von dem aus sie Angriffe auf Viertel unter der Kontrolle der Armee verüben könnten. Seit Freitag seien bei den Gefechten mehr als 40 Zivilisten, Rebellen und Soldaten getötet worden. Landesweit wurden demnach allein am Sonntag 140 Menschen getötet.

Assads Führung und die Rebellen machten sich gegenseitig für ein Massaker im westlichen Tall Kalach verantwortlich. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden in der Stadt an der Grenze zum Libanon in der Nacht zum Sonntag elf Menschen, darunter acht Frauen, "hingerichtet". Wer die Menschen tötete, gab sie nicht an.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×