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19.06.2014

09:29 Uhr

Nach Hedgefonds-Urteil

Argentinien will Schulden nicht zahlen

Nachdem Argentinien von der US-Justiz zur Zahlung von 1,4 Milliarden Dollar verurteilt wurde, weigert sich Buenos Aires die Zahlungen zu erfüllen. Präsidentin de Kirchner müsste sonst Hedgefonds zuerst bezahlen.

Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner: Argentinien lehnt die Zahlung von Schulden ab. dpa

Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner: Argentinien lehnt die Zahlung von Schulden ab.

Buenos AiresNach der Verurteilung Argentiniens zur Begleichung seiner Altschulden bei zwei US-Hedgefonds hat die Regierung des Landes mitgeteilt, sie könne ihren sonstigen Gläubigern die bis Ende des Monats fälligen Raten nicht zahlen. Das Wirtschaftsministerium in Buenos Aires erklärte am Mittwoch, da die Zahlungen an die anderen Gläubiger über New York liefen, sei es „unmöglich" sie zu tätigen, ohne gleichzeitig bei den beiden Hedgefonds die eingeforderten Schulden von 1,4 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro) zu begleichen. Dies aber lehnt Argentinien strikt ab.

Der Oberste Gerichtshof der USA hatte am Montag eine Berufung Argentiniens gegen ein Urteil einer niedrigeren Instanz zurückgewiesen und damit entschieden, dass das südamerikanische Land bis zum 30. Juni zwei Fonds 1,4 Milliarden Dollar zahlen muss. Die Fonds - von Präsidentin Kirchner "Geierfonds" genannt - hatten sich geweigert, bei Umschuldungen in den Jahren 2005 und 2010 auf Forderungen gegen Argentinien zu verzichten. Sie verlangen den vollen Nennwert der argentinischen Staatsanleihen, die sie zur Zeit der Schuldenkrise 2001 zu Ramschpreisen erworben hatten.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Argentinien hatte mit 93 Prozent der privaten Gläubiger 2005 und 2010 eine Umschuldung vereinbart, bei dem diese auf rund 30 Prozent ihrer Kredite verzichteten. Die Regierung zahlt nun in Raten die Schulden an diese Gläubiger zurück. Die anderen sieben Prozent der Gläubigen, zumeist hochspekulative Fonds, lehnten jedoch die Einigung ab und beharrten weiter auf der Erstattung ihrer vollen Schulden. Zwei der Fonds klagten daher gegen Argentinien, was zu einem jahrelangen Rechtsstreit führte.

Der argentinische Wirtschaftsminister Axel Kicillof erklärte am Dienstag, würde seine Regierung der Forderung der beiden Hegdefonds nachkommen, könnten die anderen Fonds ebenfalls die Erstattung ihrer Schulden einfordern. Diese summierten sich aber auf 15 Milliarden Dollar. Dies könne Argentinien aber nicht zahlen, ohne den Bankrott zu riskieren. Sollte das Land aber seine nächsten Schuldenrate an seine sonstigen Gläubiger nicht zahlen, würde dies offiziell als Zahlungsunfähigkeit gewertet.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

19.06.2014, 11:43 Uhr

Warum soll Argentiebn zahlen. Wie übernehmen alles und unterstützen die vorsätzlichen Schuldenländer. Hr. Gauck sagte doch wir sind ein reiches Land. Also kann Deutschland, nach Meinung Gaucks alle Schulden bezahlen. Dafür erhöhen wir die Renten nicht wirklich, wie mann sie erhöhen müsste wie die Politikerbezahlungen.

Account gelöscht!

19.06.2014, 12:24 Uhr

"Die Fonds - von Präsidentin Kirchner "Geierfonds" genannt - hatten sich geweigert, bei Umschuldungen in den Jahren 2005 und 2010 auf Forderungen gegen Argentinien zu verzichten. Sie verlangen den vollen Nennwert der argentinischen Staatsanleihen, die sie zur Zeit der Schuldenkrise 2001 zu Ramschpreisen erworben hatten."

Werden die Gerichte die Länder der EU anders behandeln und eine Ausnahme machen?

Gott sei es gedankt, dass die betroffenen Länder den ESM haben und das Bundesverfassungsgericht den ESM-Vertrag abgesegnet hat. Deutschland darf dann deren Schulden öinnerhalb von 7 Tagen begleichen.

Langsam muss man an unseren Politikern und deren Sachverstand zweifeln!

Wir brauchen dringend eine Regelung nach der deren Diäten und Pensionen ob deren Alternativlosigkeit/Unfähigkeit wieder "kassiert" werden können.

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