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15.04.2012

20:36 Uhr

Nach heftigen Kämpfen

Ägypten vermittelt zwischen Sudan und Südsudan

Der bewaffnete Streit um ein wichtiges Ölfeld bringt den Sudan und Südsudan wieder an den Rand eines Bürgerkriegs. Nun soll der ägyptischer Außenminister als Vermittler die Spannungen zwischen den Staaten eindämmen.

Ägyptens Außenminister Kamel Amr (li.) im Gespräch mit dem sudanesischen Präsident Omar al-Bashir. dpa

Ägyptens Außenminister Kamel Amr (li.) im Gespräch mit dem sudanesischen Präsident Omar al-Bashir.

Khartum/Kairo/JubaAngesichts der neuen Kämpfe zwischen dem Sudan und Südsudan um ein wichtiges Ölfeld hat Ägypten einen Vermittlungsversuch gestartet. Außenminister Mohammed Kamel Amr kam am Sonntag in Khartum an mit dem Ziel, die Spannungen an der Grenze einzudämmen, wie die ägyptische Nachrichtenagentur Mena meldete. Der Sudan ist allerdings erst zu Gesprächen mit dem Nachbarland bereit, wenn sich dessen Streitkräfte aus der umkämpften Heglig-Region zurückziehen. Zuvor werde es keine Verhandlungen geben, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Suna den sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Außenminister.

Der vor neun Monaten unabhängig gewordene Südsudan hatte am Dienstag das Heglig-Ölfeld besetzt. Dort fördert der Sudan normalerweise etwa die Hälfte seiner Tagesproduktion von 150.000 Barrel. Am Samstag warf der Süden dem Sudan dann vor, die Stadt Heglig bombardiert zu haben. Die sudanesische Armee gab ihren Einmarsch in die abgelegene Region bekannt. Ein Sprecher der südsudanesischen Regierung sagte, sudanesische Militärflugzeuge zerbombten die gesamten Ölfeld-Anlagen.

Menschen protestieren in der südsudanesischen Hauptstadt Juba gegen die Gewalt an der Grenze. AFP

Menschen protestieren in der südsudanesischen Hauptstadt Juba gegen die Gewalt an der Grenze.

Bereits am Samstag kamen bei Angriffen der sudanesischen Armee auf die Stadt Bentiu im Grenzstaat Unity nach Behördenangaben mindestens fünf Zivilisten ums Leben, sechs Menschen wurden verletzt. Nach Angaben der UNO verließen zwischen Ende März und dem 8. April rund 10.000 Menschen die umstrittene Grenzregion. Die Menschen hätten sich aus „verschiedenen Orten zurückgezogen, darunter aus der Stadt Heglig und aus anderen Gebieten weiter im Norden“, hieß es am Samstag in einer Erklärung. Die UNO berief sich dabei auf Angaben aus dem Sudan.

Seit der Unabhängigkeitserklärung des Südsudan im Juli 2011 sind die Beziehungen zwischen Khartum und Juba sehr gespannt. Im März kam es zuletzt zu heftigen Auseinandersetzungen, die eine erste Flüchtlingswelle auslösten. Meist machen sich beide Seiten gegenseitig für den Beginn der Angriffe verantwortlich. Die Kämpfe haben zudem die Furcht vor einem Wiederaufflammen des sudanesischen Bürgerkriegs geweckt. Von 1955 bis 2005 kamen in dem Konflikt etwa zwei Millionen Menschen ums Leben. Damit war der Bürgerkrieg einer der längsten in der Geschichte Afrikas.

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