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08.01.2016

18:29 Uhr

Nach Hinrichtung von al-Nimr

Erneute Massenproteste gegen Saudi-Arabien

Die Hinrichtung des Geistlichen Nimr al-Nimr durch Saudi-Arabien hält die schiitische Welt in Atem. Nach dem Freitagsgebet protestieren erneut Tausende Schiiten in Teheran und Bahrain gegen Riad – und dessen Verbündete.

Nicht nur das Königshaus Saud steht im Sog der schiitischen Kritik. Auch gegen die verbündeten USA formierte sich Protest. dpa

Saudi-Arabiens Verbündete

Nicht nur das Königshaus Saud steht im Sog der schiitischen Kritik. Auch gegen die verbündeten USA formierte sich Protest.

TeheranNach den Freitagsgebeten haben Tausende Schiiten am Persischen Golf gegen Saudi-Arabien protestiert. In Irans Hauptstadt Teheran strömten Tausende zu einer Kundgebung an der Mosalla-Moschee. Sie trugen Bilder des vor knapp einer Woche in Saudi-Arabien hingerichteten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr bei sich und riefen „Tod den Saudis“, „Nieder mit den USA“ und „Tod dem Staat Israel“. Nach iranischen Medienberichten gab es ähnliche Proteste auch in anderen Städten.

In Bahrain verurteilten Hunderte Schiiten die Hinrichtung Al-Nimrs. Sie gingen nach dem Freitagsgebet in der Stadt Sitra mit Postern des Geistlichen auf die Straße. Die Demonstranten riefen auch Sprechchöre gegen ihre eigene Regierung, die mit Saudi-Arabien verbündet ist. Sie bewarfen Polizisten mit Brandbomben, um sich zu einer Hauptstraße durchzukämpfen. Die Beamten antworteten mit Tränengas und Schrotschüssen.

Die Spaltung der Schiiten und Sunniten

Frühe Spaltung

Nach dem Tod des Propheten Mohammed im Jahr 632 traten die Sunniten dafür ein, dass dessen Nachfolger als Anführer der Muslime durch die Gemeinschaft der Gläubigen gewählt wird. Die Schiiten dagegen beharrten darauf, dass nur Mohammeds Nachfahren zur Führung der Muslime berechtigt seien. Der Konflikt führte im Jahr 680 zur Schlacht bei Kerbela, in welcher der sunnitische Kalif Jasid den Propheten-Enkel Hussein und dessen Anhänger töten ließ. Seitdem gehört das Gefühl der Verfolgung zur Identität der Schiiten, die Verehrung der Märtyrer und ihrer Grabmäler ist ein fester Bestandteil ihrer Religion.

Religiöse Unterschiede

Viele Bräuche wie das fünfmalige Beten pro Tag und die Pilgerreise nach Mekka einmal im Leben werden von Sunniten und Schiiten befolgt. Für Schiiten gibt es allerdings noch mehrere weitere Wallfahrtsorte und zudem andere Feiertage, die der Verehrung von Nachfahren des Propheten gewidmet sind. Unterschiede gibt es auch bei Rechtsvorstellungen und der Rolle des Klerus, der bei den Schiiten eine strengere Hierarchie aufweist. Radikale Sunniten wie die Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat betrachten die Schiiten als Ketzer und wollen deren Heiligtümer zerstören.

Zahlenmäßige Diskrepanz

Einer Studie des US-Instituts Pew aus dem vergangenen Jahr zufolge gibt es weltweit knapp 1,6 Milliarden Muslime, von denen etwa 90 Prozent den Sunniten und die übrigen zehn Prozent diversen schiitischen Strömungen zugerechnet werden. Im Nahen Osten und in der Golfregion driftet das Verhältnis jedoch weniger stark auseinander – im Iran, im Irak und in Bahrain stellen Schiiten die Mehrheit. Als sunnitisches Machtzentrum gilt Saudi-Arabien, wo sich die Pilgerorte Mekka und Medina befinden. Als oberste religiöse Instanz der Sunniten wird die Al-Ashar-Universität in Ägypten angesehen.

Seit der Hinrichtung Al-Nimrs haben sich die Beziehungen zwischen den Regionalmächten Saudi-Arabien und Iran rapide verschlechtert. Eine aufgebrachte Menge stürmte die saudische Botschaft in Teheran. Saudi-Arabien brach die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Bahrain, Sudan und Somalia folgten diesem Beispiel. Andere sunnitisch geführte Staaten fuhren ihre Verbindungen zu Teheran zurück.

Von

ap

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