Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.12.2014

11:35 Uhr

Nach Isaf-Einsatz

Afghanische Helfer hoffen auf Deutschland

Viele Bundeswehr-Mitarbeiter aus Afghanistan sind gefährdet und hoffen, nach Deutschland ausreisen zu dürfen. Auch Omid S. träumt vom „Königreich Deutschland“. Doch niemand bereitet die Ortskräfte auf die Realität vor.

Die afghanische Ortskraft Omid S. (l) im Gespräch mit Fregattenkapitän Frank Martin im Camp Marmal in Masar-i-Scharif. dpa

Die afghanische Ortskraft Omid S. (l) im Gespräch mit Fregattenkapitän Frank Martin im Camp Marmal in Masar-i-Scharif.

Masar-i-ScharifOmid S. hat sein Ziel erreicht: Er darf mit seiner Ehefrau und den beiden kleinen Kindern nach Deutschland ausreisen. Seit 2012 arbeitet der 28-Jährige unter anderem als Übersetzer bei der Bundeswehr in Nordafghanistan. Er gehört zu den bislang mehr als 440 Ortskräften der Truppe, die die Bundeswehr davon überzeugen konnten, dass sie in Afghanistan gefährdet sind.

Vorbereitet auf ihre neue Heimat werden die Afghanen nicht. Omid S. dürfte nicht der einzige sein, der mit falschen Vorstellungen nach Deutschland kommt – und dem Enttäuschungen drohen. Omid S. will eine angebliche „alte deutsche Redensart“ gehört haben, die er so wiedergibt: „Wenn Du das Leben in einem Königreich sehen willst, komme nach Deutschland.“

Der Afghane hat auch gehört, dass in Deutschland jeder „390 Euro oder Dollar pro Person“ bekommt. Das trifft fast genau den Hartz-IV-Satz von 391 Euro für Alleinstehende. Tatsächlich haben die afghanischen Ortskräfte von ihrer Ankunft an dieselben Ansprüche auf Sozialhilfeleistungen wie Deutsche.

Ortskräfte bei der Bundeswehr verdienen in der Regel zwischen 350 und 500 Euro im Monat, was in einem der ärmsten Länder der Welt viel Geld ist. Dass Hartz IV in Frankfurt am Main – wohin Omid S. am liebsten ausreisen würde, weil er Freunde in Gießen hat – gerade einmal genug zum Überleben ist, scheint ihm nicht klar zu sein.

Wenn frühere Ortskräfte eine Aufnahmezusage haben, hat die Bundeswehr keine Verantwortung mehr für sie. Einen zentralen Ansprechpartner oder eine systematische Vorbereitung auf Deutschland gibt es nicht. Später sind die Kommunen zuständig, denen die Afghanen zugewiesen werden.

„Jeder will gerne ein besseres Leben haben“, sagt der Übersetzer. Sein Englisch ist nach afghanischen Maßstäben in Ordnung, in Deutschland würde er damit aber durch jede Abiturprüfung rasseln. Deutsch kann er nicht.

Von der Gesellschaft in der Bundesrepublik weiß er nach eigenem Bekunden ebenfalls nichts. Sein Traum ist es, irgendwann einmal als Anwalt zu arbeiten. Er sagt, seine Familie freue sich auf die Ausreise, „weil es Deutschland ist“.

Omid S. glaubt, dass die rückläufige Bevölkerungszahl in Deutschland ein Grund dafür ist, dass die – für den deutschen Arbeitsmarkt in aller Regel unqualifizierten – Ortskräfte aufgenommen werden. „Weil, wissen Sie, Deutschland braucht mehr Menschen, mehr Bevölkerung.“

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Jens Muche

30.12.2014, 12:37 Uhr

Die Bundeswehr hat sich im Rahmen dieses völkerrechtswidrigen Einsatzes in Afg dieser Leute für ihre Zwecke bedient. Jeder weiß oder kann es wissen, daß diese Leute in den Augen der Taliban Verräter am Islam sind und somit den Tod verdient haben, ebenfalls deren Familien. Von daher ist es in meinen Augen die Pflicht der Bundesregierung, die diesen Einsatz der BW dort verursacht hat, sich um diese Leute zu kümmern, ihnen einen Aufenthaltsstatus anzubieten (andere, die ungebeten hierher kommen, bekommen den ja auch) und sie darüber aufzuklären, wie weit man in D mit 391€ im Monat kommt. Man sollte ihnen ebenfalls sagen, daß D ein christlich geprägtes Land ist und der Islam keine Rolle wie in Afg spielt, daß sie hier, als unausgebildetet Kraft und des Deutschen nicht mächtig, nirgendwo eine Anstellung bekommen, um sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Dann können diese Menschen sich entscheiden ob sie kommen wollen oder lieber in Afg untertauchen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×