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18.06.2014

04:53 Uhr

Nach Isis-Vormarsch

Maliki feuert ranghohe Militärs

Nach dem rasanten Vormarsch von Islamisten in Irak zieht Ministerpräsident Maliki Militärs zur Verantwortung. Die Begründung: Sie hätten versagt. Die Isis-Kämpfer wollen die Hauptstadt erobern.

Heftige Gefechte

Kämpfe im Irak dauern an

Heftige Gefechte: Kämpfe im Irak dauern an

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Bagdad/WashingtonRund eine Woche nach Beginn des Islamistenvormarsches hat der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ranghohe Militärs von deren Aufgaben entbunden. Diese hätten versagt, ihre Stellungen verlassen und ihre Pflicht nicht erfüllt, meldete die Nachrichtenagentur Nina am späten Dienstagabend unter Berufung auf eine Mitteilung des Regierungschefs.

Zu den Abberufenen zählt auch der für die Region Ninive verantwortliche Generalleutnant Mahdi al-Gharrawi. Dort liegt die Millionenmetropole Mossul, die die Extremisten nahezu kampflos überrannt hatten.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

Die Kämpfer der Sunnitenmiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) versuchen nun offenbar mit aller Gewalt, zur Hauptstadt vorzudringen. Unterstützt werden sie dabei von anderen sunnitischen Gruppen, darunter Anhänger des ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Inzwischen kämpfen Soldaten in großen Teilen des Landes gegen Extremisten - auch wenige Dutzend Kilometer nördlich von Bagdad.

Viele Schiiten meldeten sich zum Dienst an der Waffe gegen die Dschihadisten. Die Eskalation dürfte die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten im Irak noch weiter vorantreiben. Hilfsorganisationen warnen vor einer Flüchtlingstragödie.

Internationale Gegenwehr

Die Gegenwehr wächst inzwischen auch international. Nach mehreren Kriegsschiffen entsendet die US-Regierung eine 275 Mann starke Spezialeinheit in das Land, die wenn nötig auch zum Kampfeinsatz bereit ist. Die USA sorgen sich um die Stabilität der Region und befürchten einen Zerfall des irakischen Staates. Washington behält sich ein militärisches Eingreifen vor. Als Optionen gelten Luftangriffe sowie eine umfassendere Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte. Der Einsatz von US-Bodentruppen wurde mehrfach ausgeschlossen.

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