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26.11.2014

07:35 Uhr

Nach Jury-Entscheid

Proteste weiten sich auf andere US-Städte aus

Die Wut über den Entscheid in Ferguson treibt die Bürger auf die Straße. In mehr als 100 Städten protestierten Menschen gegen das Justizsystem. Der Fall weckt Menschenrechtsfragen – und wird selbst in Moskau kommentiert.

Ferguson-Officer im Interview

Todesschütze: „Ich habe um mein Leben gefürchtet“

Ferguson-Officer im Interview: Todesschütze: „Ich habe um mein Leben gefürchtet“

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WashingtonDer Fall des Polizisten, der in Ferguson einen Schwarzen erschoss, und sich dafür nicht vor Gericht verantworten muss, hat zu landesweiten Protesten geführt. Wie der Sender CNN berichtete, gingen Demonstranten in New York, Los Angeles, San Francisco sowie etwa 170 weiteren Städten auf die Straße. In vielen von ihnen legten die Menschen den Verkehr lahm.

Auslöser der Proteste war die Entscheidung von Geschworenen in Ferguson bei St. Louis im US-Missouri, einen weißen Polizisten nicht vor Gericht zu bringen, der den schwarzen unbewaffneten Teenager Michael Brown erschossen hatte. Der Polizist Darren Wilson hatte Brown im August mit mehreren Schüssen niedergestreckt, weil er sich bedroht fühlte.

Auch in Ferguson kam es in der Nacht auf Mittwoch zu Zwischenfällen. Demonstranten blockierten Straßenkreuzungen und griffen einen Wagen der Polizei an. An der Polizeizentrale des Vorortes von St. Louis versammelte sich eine Menschenmenge. Die Polizei forderte die Demonstranten auf, die Straßen zu räumen, und drohte mit Festnahmen.

Am Dienstagabend meldete sich der Polizist, der die tödlichen Schüsse auf Brown abgegeben hatte, erstmals öffentlich zu Wort. Er bedauere den Tod Browns, würde aber nicht anders handeln, sagte Wilson dem TV-Sender ABC. Er habe im August um sein Leben gefürchtet und nur seinen Job getan. Er habe ein reines Gewissen, sagte Wilson nach Angaben des Senders. Es sei das erste Mal gewesen, dass er seine Waffe benutzt habe.

Bei vielen US-Bürgern hat der Fall Michael Brown Zweifel am Justizsystem der USA aufkommen lassen. Deshalb soll er nun auch bei einer Anhörung im Senat in Washington zur Sprache kommen. Der demokratische Senator Richard Durbin kündigte am Dienstag an, dass sich der Unterausschuss für Verfassung und Bürgerrechte der Kongresskammer am 9. Dezember mit Ungleichbehandlungen im Justizsystem auf Grundlage der Hautfarbe befassen werde. Die Vorgänge in Ferguson würden die Notwendigkeit zeigen, „Polizeipraktiken neu zu bewerten und zu reformieren“.

Nach der Gewalteskalation in Ferguson müssen sich die USA zudem internationale Kritik anhören. Unter anderem macht Russland den USA schwere Vorwürfe. Die Unruhen nach dem Verzicht auf eine Anklage wegen der tödlichen Polizeischüsse auf einen schwarzen Teenager seien „ein weiteres und sehr besorgniserregendes Zeichen“ für die US-Regierung, erklärte das russische Außenministerium am Dienstag.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Es zeige, dass es für Washington „endlich an der Zeit“ sei, die „massiven internen Problemen“ bei der Einhaltung der Menschenrechte anzugehen. Washington täte gut daran, sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu befassen anstatt anderen Ländern „mit Hilfe von Propaganda Moral zu predigen“, heißt es weiter in der Erklärung. Die Beziehungen zwischen den USA und Russland befinden sich gegenwärtig auf einem Tiefpunkt, insbesondere wegen der anhaltenden Krise in der Ukraine.

Kommentare (8)

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Herr Peter Petersen

26.11.2014, 08:25 Uhr

Zu diesem Thema gab es gestern in der ARD eine sehr informative Sendung, gleich nach den 20.00 Uhr Nachrichten. Hätte ich diesem Sender wirklich nicht zugetraut. Aller Achtung! Dort war nichts von einer Hörigkeit gegenüber den USA zu spüren. Fakten, so grausam dargestellt, wie die Wirklichkeit dort nun einmal ist. - Der Todesschütze sagte in einem Fernsehinterview, dass er kein schlechtes Gewissen hätte und das nächste Mal wieder so handeln würde. - Mich würde der IQ dieses jungen Mannes interessieren. In Deutschland hätte er wahrscheinlich im zarten Alter von 18 die dritte Klasse einer Sonderschule vorzeitig beenden müssen und in den USA soll so etwas Recht und Gesetz vertreten - die spinnen, die Amis ;-)

Herr thomas oldendorp

26.11.2014, 08:47 Uhr

DIE USA UND DIE MENSCHENRECHTE
..............................
die Außenpolitik der USA wird immer mit dem Anspruch
geführt, die Menschenrechte zu verteidigen. auch wenn
dieser moralische Grundsatz oftmals nur vorgeschoben
ist, gilt er doch als Legitimation für das handeln.
..
innenpolitisch hat das land nach wie vor demokratie-
und menschenrechtsdefizite.
..
die rassegesetze sind zwar vor 50 jahren aufgehoben
worden, sind aber in den köpfen noch existent.
..
es besteht eine latente rassendiskriminierung, in allen
lebensbereichen und leider auch unter dem ersten schwar-
zem Präsidenten..
..
..

Herr Hans Maiser

26.11.2014, 09:07 Uhr

Das ist doch nur wieder die dauernd gleiche Antiamerikanische Laier.
Im Heute Magazin des ZDF wurde der fallt tatsächlich ausführlich behandelt. Dort wurde aber kein Zweifel bestätigt, dass es sich nicht um Notwehr gehandelt haben könnte.
Der junge Mann hat vorher in brutalster Weise einen Laden überfallen. Sein Verhalten ist von den Überwachungskameras dokumentiert. Was danach geschah leider nicht mehr.
Bei dem ganzen Täterschutz in Deutschland versteht man natürlich nicht, wie ein Polizist es wagen kann sich zu wehren. Aber am Ende bleibt die Tatsache, dass diejenigen die sich wie Gangster aufführen immer mit der Gefahr leben müssen wie Gangster um zu kommen. Das nennt man Berufsrisiko. Und es ist allemal besser, dass die Polizei und Justiz streng bleibt gegenüber kriminellen als wie in Deutschland Leuten Bewährung zu geben die aus Spaß Leute totstiefeln.

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