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23.06.2012

18:42 Uhr

Nach Kampfjet-Abschuss

Ankara spielt im Syrien-Konflikt auf Zeit

Ein Luftzwischenfall verschärft das gereizte Verhältnis der Türkei zu Syrien. In Ankara wiegelt man ab. Es gibt Vermutungen, der Abschuss der Phantom sei eine Überreaktion auf die Desertion eines syrischen Piloten.

Archivaufnahme eines türkischen F-4 Phantom Kampfflugzeuges. dpa

Archivaufnahme eines türkischen F-4 Phantom Kampfflugzeuges.

Istanbul/KairoDer Abschuss eines türkischen Kampfflugzeugs durch die syrische Luftabwehr über der levantinischen Mittelmeerküste traf den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einem ungelegen Zeitpunkt. Während der Generalstab mit Außenminister Ahmet Davutoglu in Dauersitzungen über die Lage beriet, ruhte sich Erdogan am Samstag von der strapaziösen Rückreise vom Rio+20-Gipfel in Brasilien aus.

Aber vielleicht sollte seine merkwürdige Absenz am Tag danach auch nur signalisieren: Die Türkei hängt die Affäre nicht so hoch und will kein Öl in schwelendes Feuer gießen.

Denn das Verhältnis der Türkei zu Syrien ist längst nicht mehr ungetrübt. Seitdem der syrische Präsident im Frühjahr 2011 damit begann, die damals noch friedlichen Proteste gegen sein Regime niederzuschlagen, hat sich sein erklärter „Freund“ Erdogan zunehmend von ihm entfremdet. Heute äußert Damaskus böse Vorwürfe: Ankara versorge die inzwischen bewaffneten syrischen Aufständischen mit Geld und Waffen.

Syrien schießt türkisches Kampfflugzeug ab

Video: Syrien schießt türkisches Kampfflugzeug ab

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Die Türkei pflegt das zu dementieren. Tatsächlich kommen Geld und Waffen für den Widerstand gegen Assad vor allem aus den arabischen Golfstaaten. Doch es ist ein offenes Geheimnis, dass diese Unterstützung auch über türkisches Gebiet fließt. Die „New York Times“ berichtete kürzlich, dass CIA-Agenten im südanatolischen Grenzgebiet zu Syrien darüber wachen würden, dass die Waffen für den syrischen Aufstand nicht an islamistische Extremisten geraten.

Ankara pocht auf rein humanitäre Motive. Mit der Aufnahme syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge nehme es ohnehin Belastungen in Kauf. 17.000 sind es nach offiziellen Angabe, in Wirklichkeit möglicherweise doppelt so viel. Der Abschuss des türkischen Kampfflugzeugs droht das gereizte Verhältnis zusätzlich gefährlich zu belasten.

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

23.06.2012, 12:19 Uhr

Man mag die Türken mögen oder nicht (so wie ich) ABER eines muss man ihnen lassen...die lassen sich nicht von anderen mal eben verkohlen oder an der Nase herumführen wie es hierzulande üblich ist.

Account gelöscht!

23.06.2012, 12:56 Uhr

Die Frage ist doch, was hat das Flugzeug im syrischen Luftraum zu suchen?
Kann es vielleicht sein, daß Syrien dazu provoziert werden sollte?
Wenn man davon ausgeht, daß sich die syrische Armee im Kampf gegen Terroristen befindet, die von westlicher Seite, u.a. auch der Türkei aktiv unterstützt werden, dann wäre ich auch sehr mißtrauisch, wenn Kampfflugzeuge mit hoher Geschwindigkeit in meinen Luftraum eindringen. Ich würde das wahrscheinlich als einen Angriff werten und dementsprechend reagieren.

PeterPaul

23.06.2012, 12:57 Uhr

Sorry, 'Vertuschung'!? Wer hat denn nun den syrischen Luftraum verletzt. Ist das der, von den Angelsachsen gewünschte, Grund zu 'intervenieren'. Mussten dafür die Türken Piloten und Maschine opfern? Ein Schelm, wer Böses denkt!

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