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18.05.2011

20:30 Uhr

Nach Kritik an Südländern

Portugiese wirft Merkel „Kolonialismus“ vor

Die Kritik von Kanzlerin Merkel an Regelungen zu Rente und Urlaub in verschuldeten EU-Staaten ruft in Portugal Empörung hervor. Merkel will indes nichts zurücknehmen. Auch der IWF fand deutliche Worte.

Kanzlerin Merkel: "Wir können nicht eine Währung haben, und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig". Quelle: dpa

Kanzlerin Merkel: "Wir können nicht eine Währung haben, und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig".

BerlinEuropa legt den hoch verschuldeten Griechen die Daumenschrauben an: Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte längere Lebensarbeitszeiten in den Schuldenstaaten Europas, Finanzminister Wolfgang Schäuble lehnte eine Transferunion zulasten starker Mitgliedstaaten ab. Künftig sollten auch private Gläubiger in die Haftung genommen werden. Gleichzeitig sprachen sich Volkswirte im Falle Griechenlands für radikale Schritte aus.

Merkel mahnte im westfälischen Meschede, es gehe nicht nur darum, keine Schulden zu machen. "Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen - das ist wichtig."

Die CDU-Vorsitzende kritisierte auch die Urlaubsregelungen in den betreffenden Ländern. "Wir können nicht eine Währung haben, und der eine kriegt ganz viel Urlaub und der andere ganz wenig." Mit dieser Mahnung beruft sich Merkel nach Angaben des stellvertretenden Regierungssprechers Christoph Steegmans auf einen EU-Ratsbeschluss von Ende März. Alle EU-Regierungschefs hätten sich bei ihrem Frühjahrstreffen darauf verständigt, zur Stabilisierung der öffentlichen Finanzen ihre Politik besser abzustimmen

Die Kritik der Bundeskanzlerin hat im pleitebedrohten Portugal Empörung und Proteste ausgelöst. "Das ist Kolonialismus pur", schimpfte etwa der Präsident des Gewerkschaftsdachverbandes CGTP, Manuel Carvalho da Silva, der "jegliche Solidarität" vermisst. Zustimmung erntete Merkel nicht einmal beim Chef der liberal orientierten Partei der Sozialdemokratie (PSD), Pedro Passos Coelho. Eine Vereinheitlichung der sozialen Systeme sei aufgrund der vielen Unterschiede zwischen den EU-Ländern unmöglich, sagte er am Mittwoch in Lissabon.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) schickte eine Warnung an die Adresse der Regierung in Athen: Deren Programm zur Rettung der Finanzen könne "aus der Spur geraten", sollte das Land seine Sparbemühungen nicht verstärken. Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Thomas Mayer, reicht die sich abzeichnende "sanfte" Umschuldung Griechenlands, bei der die Laufzeiten für die bestehenden Hilfskredite gestreckt würden, bei weitem nicht aus. "Wir brauchen einen Schuldenschnitt", sagte er am Mittwoch bei einer Wirtschaftstagung der EU-Kommission in Brüssel. Er geht davon aus, dass etwa die Hälfte aller Verbindlichkeiten Griechenlands gestrichen werden muss, damit Athen wieder auf die Füße kommt.

Kommentare (65)

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Schafweide

18.05.2011, 20:46 Uhr

Und ich werfe ihr korruption und lügen vor.
Meineid geschworen sowieso - sie arbeitet hinterrücks GEGEN das Deutsche Volk.
Sie ist garkeine Kanzlerin, sondern nur Verwalterin der BRD GmbH.
Da gibt es noch viel mehr.....aber die Menschen interessiert das leider eh nicht....
Sie möchten nur weiter naiv auf der Weide vor sich hinleben wie Schafe.....

dann_eben_nicht

18.05.2011, 20:49 Uhr

Okay, okay! Kolonialismus also. Mir wäre es auch lieber, wenn sich unser Verhältnis zu Portugal auf das Niveau netter Nachbarn beschränken würde, die ab und an ein Schwätzchen über den Zaun machen. Wir wollen Euch nicht kolonisieren. Wir wollen einfach nur nicht zahlen müssen. Kapiert?

libertuspoliticus

18.05.2011, 21:07 Uhr

Als uns die Arbeitskräfte in der Bundesrepublik fehlten, um den Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg zu bearbeiten, fuhr mein Vater als Leiter eines Arbeitsamtes nach Italien und Spanien, um Arbeitskräfte anzuwerben. Seine persönlichen Erfahrungen und Berichte haben mich einfürallemal europäische geprägt. Viele Portugiesen, auch Jugoslawen, Italiener vor allem, und andere haben geholfen, die Bundesrepublik zu dem werden zu lassen, wovon wir heute in den Grundstrukturen profitieren. Da blickte die Pfarrerstochter aus der DDR noch nach Moskau - ob mit Wohlwollen oder Abscheu ist dabei wenig interessant.

Allein deshalb sollten wir das Europa, in dem wir leben wollen, unterstützen. Doch es gibt noch viel mehr Gründe, die einer kanzlerbeamtete Naturwissenschaftlerin nicht unbedingt unter die Haut gehen: die gemeinsame Geschichte (in der die DDR in zeitlicher und damit geschichtlicher Dimension (2000 Jahre) gerademal 0,02% einnimmt!), die uns bewegt, geprägt hat und mit dafür sorgt, dass wir - trotz aller aktuellen modernen Konflikte - noch immer in den Wertekategorien denken dürfen und können, die Europa annähernd zum Modell für viele andere Völker und Nationen gemacht hat.

Lesen Sie, liebe Mitdiskutierer, die www.NACHDENKSEITEN.de im Internet. Da wird deutlich, welche beschämende und kleinliche Krämerrolle unsere Kanzlerin einnimmt; es hätte ihr besser gestanden, rechtzeitig die Banken und Finanztrickser an die Kandare zu nehmen, die jetzt unter Griechenlands "Schulden" leiden und sich ihr finanzielles Leid vom deutschen/ europäischen Steuerzahler ausgleichen und lindern lassen wollen. Hat irgendjemand schon gehört, dass Josef Ackermann auf 40% seiner Bezüge als Deutsche-Bank-Chef verzichtet, um Griechenland zu helfen und seine Leistungen in der Gründerzeit der BRD zu würdigen? Der arme Ackermann! So viel Geld für so fauele Miteuropäer!

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