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06.10.2013

22:44 Uhr

Nach Kundgebungen

Ein neuer Gewaltausbruch erschüttert Ägypten

Mehr als 40 Menschen sind bei Straßenschlachten zwischen Islamisten und ihren Gegnern ums Leben gekommen. Sicherheitskräfte gingen gegen Unterstützer der Muslimbruderschaft vor. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Gewalt am Nil

Dutzende Tote bei Protesten in Ägypten

Gewalt am Nil: Dutzende Tote bei Protesten in Ägypten

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Istanbul/KairoBei Zusammenstößen von Islamisten, deren Gegnern und Sicherheitskräften sind am Sonntag mindestens 44 Menschen in Ägypten ums Leben gekommen. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf das Gesundheitsministerium meldete. Mehr als 240 Menschen wurden demnach verletzt.

Anhänger des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi, der aus der islamistischen Muslimbruderschaft kommt, sowie Unterstützer der Armee, die Mursi im Sommer gestürzt hatte, hatten zu Kundgebungen auf dem Tahrir-Platz aufgerufen. Anlass war der 40. Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges mit Israel.

Auf dem zentralen Platz in Kairo versammelten sich die Islamisten, aber auch die Anhänger des Militärs, die ägyptische Flaggen schwenkten. Sie trugen Plakate bei sich, auf denen Armeechef Abdel-Fattah al-Sisi zu sehen war, der Mursi Anfang Juli abgesetzt hatte. Sicherheitskräfte stellten sich zwischen die politischen Lager – es kam zum Zusammenstoß.

Fragen und Antworten zur Reise nach Ägypten

Was sagt das Auswärtige Amt?

Das Auswärtige Amt in Berlin hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten entschärft. Es rät seit Ende September nicht mehr grundsätzlich von Reisen dorthin ab. Touristen sollten aber im ganzen Land – ausdrücklich auch in den Badeorten am Roten Meer – besonders vorsichtig sein, rät das Ministerium.

Von Reisen nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nil-Kreuzfahrten) und in das Nildelta wird abgeraten. Auch in die anderen Gebiete wie die Touristen-Hochburgen am Roten Meer sollten Deutsche derzeit aber nicht fahren. Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere vor religiösen Stätten sollten unbedingt gemieden werden.

Das Auswärtige Amt rät außerdem von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara eindringlich ab. Dies gilt insbesondere für die Grenzregionen zu Libyen und zum Sudan.

Kann ich meine Reise jetzt kostenlos stornieren?

Da unterscheiden sich die Meinungen. Zahlreiche Reiseveranstalter akzeptieren kostenlose Stornierungen nur bei einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, wie sie für den Nordsinai und das Grenzgebiet zu Israel gilt. Der Reiserechtler Paul Degott sagt aber, eine Kündigung sei immer in einer Situation höherer Gewalt möglich, wenn diese die Reise konkret betreffe und so zum Beispiel „der planmäßige Erholungsurlaub nicht mehr möglich ist“. Dies sei in Ägypten mittlerweile der Fall. Die Anbieter müssten bei Stornierung also den gesamten Reisepreis zurückzahlen. Bei vorzeitiger Abreise müsse vom Verbraucher nur der erbrachte Teil der Reise und die Rückreise bezahlt werden.

Wie reagieren die Anbieter in der aktuellen Situation?

Zahlreiche Anbieter haben ihre Reisen für die kommenden Wochen komplett abgesagt. Andere bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen, wollen aber keine Stornierungen akzeptieren. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass Verbraucher eine Umbuchung durch ihren Reiseveranstalter nicht akzeptieren müssen.

Was sollten Touristen tun, die schon vor Ort sind?

Das Auswärtige Amt hält die Lage in den Touristenorten am Roten Meer noch für „ruhig“. Nach Angaben von TUI und Thomas Cook können Urlauber, die bereits in Ägypten sind, ihre Reise fortsetzen. Sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der örtlichen Reiseleitungen halten und wie gebucht zurückfliegen. In Hurghada ist das Auswärtige Amt bereits durch einen Honorarkonsul vertreten, auch in andere Reiseorte soll Botschaftspersonal entsandt werden, das für Fragen zur Verfügung steht.

Hilft mir eine Reiserücktritt-Versicherung?

Selbst wer eine Reiserücktritt-Versicherung abgeschlossen hat, ist bei Streit mit dem Reiseveranstalter nicht auf der sicheren Seite. Die Police schließt Ereignisse höherer Gewalt wie Anschläge oder Naturkatastrophen regelmäßig aus. Sie deckt nur persönliche Risiken ab, etwa eine schwere Krankheit oder der Tod eines Angehörigen vor Reiseantritt. Sollte der Anbieter eine kostenlose Stornierung verweigern und wollen Verbraucher dagegen vorgehen, wären sie also auf eine Rechtsschutz-Versicherung angewiesen.

Rund um den Platz lieferten sich Anhänger der Muslimbrüder und Sicherheitskräfte anschließend stundenlang Kämpfe. Die Polizei nahm nach Angaben staatlicher Medien mehr als 400 Anhänger der Muslimbrüder fest. Das Innenministerium warf ihnen unter anderem Randale vor. Die Muslimbruderschaft forderte auf ihrer Internetseite eine internationale Untersuchung der Vorfälle. Das Militär hatte Mursi am 3. Juli nach Massenprotesten abgesetzt. Hunderte Muslimbrüder wurden inhaftiert. Die Islamistenorganisation ist inzwischen verboten.

In Ägypten war es bereits am Samstag zu Gewalt gekommen: Bei einem Feuergefecht zwischen Soldaten und Aufständischen wurden nach Mena-Angaben vier Menschen erschossen. Bewaffnete hatten laut der Meldung einen Armeeposten auf einer Verbindungsstraße zwischen Kairo und der Suezkanal-Stadt Ismailia attackiert. Die Angreifer seien getötet, in ihrem Fahrzeug Sturmgewehre gefunden worden. Am Vortag hatten Unbekannte in der selben Gegend zwei Soldaten erschossen.

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Ägypten kommt nicht zur Ruhe: Auch an diesem Wochenende gibt es wieder blutige Ausschreitungen. Dabei wünschen sich die Einheimischen sehnlichst, dass endlich eine Einnahmequelle wieder sprudelt: der Tourismus.

Kommentare (3)

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Demokratie

07.10.2013, 01:19 Uhr

Hallo Rechner,
[...]
Vielleicht ist dir entgangen, dass man in Ägypten demokratisch gewählt hat und diese Regierung von dem Militär abgesetzt worden ist. Die Leute gehen auf die Straße um die Demokratie wieder zurückzuholen und dabei setzen sie ihr leben ins Spiel.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Kritiker

07.10.2013, 07:16 Uhr

Anscheinend hast du vergessen, daß die so "demokratisch gewählte Regierung" aber unter großem Beifall der Mehrheit der Bevölkerung vom Militär abgesetzt worden ist. Und scheinbar hast du auch vergessen, daß Millionen von Ägyptern auf die Straße gegangen sind und gegen Mursi demonstriert haben, BEVOR das Militär eingegriffen hat.

Account gelöscht!

07.10.2013, 09:06 Uhr

Realistischerweise muss davon ausgegangen werden, dass die Toten mehrheitlich auf das Konto der Islamisten gehen.

Die Islamisten sind an jeder medienwirksamen Negativ-Propaganda interessiert, was auch die vielen Waffen in den Reihen der Islamisten erklärt. Die schrecken nicht davor zurück, Leute aus den eigenen Reihen abzuknallen, nur um eine Schlagzeile zu erhalten!

Wenn Islamisten von Demokratie sprechen meinen sie definitiv etwas anderes, als eine Demokratie i.S.d. freien Welt! Mit deren Bildung ist das auch kein Wunder!

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