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19.12.2016

18:39 Uhr

Nach Lagarde-Urteil

Drohende Führungsdebatte beim IWF

Es geht um die Millionenzahlung an den Geschäftsmann Tapie, die Lagarde als Finanzministerin in Frankreich ermöglicht haben soll. Das Urteil: schuldig, aber keine Strafe. Dem IWF droht jetzt eine Führungsdebatte.

Die IWF-Chefin handelte fahrlässig, bleibt aber straffrei. Ihre Anwälte erwägen aber eine Berufung. dpa

Christine Lagarde

Die IWF-Chefin handelte fahrlässig, bleibt aber straffrei. Ihre Anwälte erwägen aber eine Berufung.

ParisDem Internationalen Währungsfonds IWF droht nach einem Schuldspruch gegen seine Chefin Christine Lagarde eine neue Führungskrise. Mehr als fünf Jahre nach dem Abgang des einstigen IWF-Direktors Dominique Strauss-Kahn wegen eines Sex-Skandals gerät nun auch seine Nachfolgerin in Bedrängnis: Sie wurde am Montag vom Gerichtshof der Republik in Paris für schuldig befunden, in der acht Jahre zurückliegenden Affäre um eine Millionen-Zahlung an den Unternehmer Bernard Tapie als französische Finanzministerin fahrlässig gehandelt zu haben. Die Anwälte Lagardes erwägen eine Berufung. Die Regierung in Paris sprach der IWF-Chefin ihr Vertrauen aus.

Lagarde wurde vom Gericht angekreidet, dass sie nichts unternommen habe, um die Millionen-Auszahlung anzufechten. Die Richter verzichteten zwar darauf, eine Strafe zu verhängen. Doch ein IWF-Sprecher kündigte unmittelbar nach dem Urteil baldige Beratungen des Direktoriums über den Ausgang des Prozesses an. Lagarde hatte das Urteil nicht abgewartet und war noch vor der Verkündung aus Frankreich eilig Richtung Washington abgereist, wo der IWF seinen Sitz hat.

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Die IWF-Chefin hat sich selbst beurlaubt: Sie steht derzeit in Paris wegen rund 400 Millionen Euro vor Gericht, die Ex-Adidas-Chef Tapie erhielt – und kommt dabei in den Genuss einer interessanten Interpretation.

Der Gerichtshof der Republik war eigens dafür geschaffen worden, Prozesse gegen Minister oder Ex-Minister zu verhandeln. Lagarde war erst der fünfte Fall, mit dem sich die aus Juristen und Politikern zusammengesetzte Instanz befassen musste. Es besteht aus drei Berufsrichtern und sechs Parlamentariern. In dem vor dem Gerichtshof verhandelten Fall aus dem Jahr 2008 ging es um die Rolle Lagardes bei der Zahlung von 400 Millionen Euro. Das Geld war Tapie als Schadenersatz zuerkannt worden. Damit sollten Verluste ausgeglichen werden, die ihm 1992 beim Verkauf von Adidas -Anteilen entstanden sein sollen. Nach Tapies Ansicht wurde er von dem heute nicht mehr bestehenden staatlichen Institut Credit Lyonnais dazu gebracht, die Anteile deutlich unter Wert zu verkaufen. Im Dezember 2015 wurde Tapie zur Rückzahlung der Summe verurteilt.

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