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26.09.2011

18:50 Uhr

Nach Medwedew-Kritik

Russischer Finanzminister tritt zurück

Der dienstälteste G8-Finanzminister hatte die für März geplante Ämterrochade von Präsident Medwedew und Premier Putin deutlich kritisiert. Nach hitzigen Wortgefechten mit dem Präsidenten trat er nun zurück.

Dimitri Medwedew hatte Finanzminister Alexej Kudrin den Rücktritt nahegelegt, nachdem der ihn kritisiert hatte. dpa

Dimitri Medwedew hatte Finanzminister Alexej Kudrin den Rücktritt nahegelegt, nachdem der ihn kritisiert hatte.

ParisDie geplante Rochade an der Spitze des russischen Staates hat mit dem langjährigen Finanzminister Alexej Kudrin ihr erstes Opfer gefunden. Der seit mehr als zehn Jahren amtierende Ressortchef verlor am Montag auf Betreiben von Präsident Dmitri Medwedew seinen Posten.

Hintergrund ist die Absicht von Medwedew und Ministerpräsident Wladimir Putin, im kommenden Jahr ihre Ämter zu tauschen. Kudrin hatte erklärt, er wolle nicht unter einem Ministerpräsidenten Medwedew arbeiten.   „Ich bin zurückgetreten. Mein Rücktritt wurde angenommen“, sagte Kudrin. Ein Sprecherin des Präsidialamtes erklärte, Medwedew habe die Entlassungsurkunde unterzeichnet. Der dienstälteste G8-Finanzminister folgte mit seinem Schritt einer Aufforderung Medwedews, der bei der Präsidentenwahl im kommenden März nicht wieder antritt und seinem Vorgänger Putin Platz macht.  

Medwedew reagierte sichtlich verärgert und wütend auf Kudrins Äußerungen. Dem 50 Jahre alten Minister waren allerdings auch Ambitionen auf das Amt des Ministerpräsidenten nachgesagt worden. Die Äußerungen Kudrins seien in keiner Weise gerechtfertigt gewesen, kritisierte Medwedew. Im zentralrussischen Wolgograd, dem früheren Stalingrad, kam es am Montag vor der Demission zu einem hitzigen Wortgefecht zwischen Präsident und Finanzminister: „Niemand darf Disziplin und Unterordnung aufkündigen“, fuhr Medwedew Kudrin an. „Wenn Sie, Alexej Leonidowitsch, mit dem Kurs des Präsidenten nicht einverstanden sind, gibt es nur eine Entscheidung, und die kennen Sie: zurückzutreten.“

Kudrin bezeichnete es daraufhin als korrekt, dass er Meinungsverschiedenheiten mit Medwedew habe. „Ich werde über Ihren Vorschlag entscheiden und mich mit dem Ministerpräsidenten beraten.“ Nach der Verfassung kann der Präsident Minister nicht direkt entlassen. Er kann dies aber auf Vorschlag des Regierungschefs tun. Der Präsident kann allerdings die Regierung als Ganzes absetzen.

Die Börse reagierte nach dem Rücktritt mit Verlusten. Der russische Leitindex RTS-Interfax-Index des Computerhandels in Moskau schloss knapp behauptet mit minus 0,05 Prozent bei 1.315 Punkten.

Von

rtr

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