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25.04.2015

14:39 Uhr

Nach Mord an Afroamerikaner

US-Polizei übt Selbstkritik in Baltimore

Deutlicher denn je übt die Polizei von Baltimore Selbstkritik wegen der Festnahme des Schwarzen Freddie Gray. Die Demonstrationen gegen Polizeigewalt sollen am Samstag die Stadt lahmlegen, drohen die Protestierenden.

Nach dem Tod von Freddie Gray: Protest vor dem Rathaus von Baltimore. ap

Baltimore

Nach dem Tod von Freddie Gray: Protest vor dem Rathaus von Baltimore.

BaltimoreDer unter mysteriösen Umständen gestorbene Afroamerikaner Freddie Gray hätte bei seiner Festnahme durch Polizeibeamte in der US-Stadt Baltimore medizinische Hilfe bekommen müssen.

Die Polizei erklärte, der 25-Jährige hätte ärztlich untersucht werden müssen, bevor er in einen Polizei-Van gebracht worden sei. Kurz danach kam er mit einer Rückenmarkverletzung in ein Krankenhaus, wo er starb. Für (den heutigen) Samstag kündigten die Demonstranten ihren bislang größten Protestmarsch an.

Dieser werde die Stadt „lahmlegen“, sagten sie. In Baltimore gibt es seit fast einer Woche täglich Proteste. Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake dankte den Demonstranten, dass diese bislang friedlich geblieben seien. „Ich kann nicht abstreiten, dass wir hier in Baltimore eine lange und komplizierte Geschichte mit Themen wie diesem haben“, sagte sie.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

„Aber es ist wichtig, dass wir eine genauso lange Geschichte friedlicher und legaler Proteste haben.“ Sie erwarte, dass die Ergebnisse der Ermittlungen in einer Woche an die Staatsanwaltschaft gegeben würden. Diese würde entscheiden, ob Anklage erhoben werde.

Die Polizei teilte in ihrem bislang deutlichsten Eingeständnis mit, die Beamten hätten „mehrere“ Gelegenheiten versäumt, dass sich ein Arzt um Gray kümmerte. Dieser habe mehrmals darum gebeten. In dem Van hätte der Festgenommene dann angeschnallt werden müssen, wie die Behörde nach einer Woche intensiver Untersuchungen bekanntgab.

Auch die seit dem Polizeischüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown in der Kleinstadt Ferguson im August 2014 anhaltende Debatte über übermäßige Gewalt der Vollzugsbehörden gegen Schwarze hatte durch den Fall neue Nahrung erhalten.

Gray war am 12. April in Gewahrsam genommen worden und erlitt zu einem bestimmten Zeitpunkt - entweder bei seiner Festnahme oder in den Van - eine Verletzung am Rücken. Die Behörden haben bislang nicht erklärt, wie es dazu kommen konnte. Sechs Polizisten wurden im Zuge des Vorfalls beurlaubt.

Tödliche Schüsse: Amerika zweifelt an seinen Polizisten

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Der Fall des Afroamerikaners Walter Scott, der durch die Schüsse eines weißen US-Polizisten getötet wurde, paralysiert die US-Gesellschaft. Videoaufnahmen belasten den Cop schwer. Das Vertrauen in die Polizei schwindet.

Gray hatte sich zusammen mit einem anderen Mann in einer wegen Drogenkriminalität berüchtigten Gegend in Baltimore aufgehalten. Als die Beamten „Blickkontakt“ mit ihm aufgenommen hätten, rannten er und der andere Verdächtige laut Polizeiangaben weg.

Doch hätten die Polizisten den 25-Jährigen zu fassen bekommen, ihm Handschellen angelegt und ihn in einen Transporter gebracht. Während der knapp halbstündigen Fahrt hielt der Wagen an. Weil Gray hinten „renitent“ geworden sei, seien ihm die Beine zusammengebunden worden.

Kommissar Anthony Batts sagte, es sei möglich, dass Gray bereits vor der Fahrt mit dem Van verletzt worden sei. Vielleicht sei es aber auch während der „rauen Fahrt“ geschehen. Es komme vor, dass die Beamten plötzlich bremsten oder die Kurven besonders scharf nähmen, um die Verdächtigen im Wagen zu verletzen.

Von

ap

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