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08.07.2014

16:52 Uhr

Nach Mord an Jugendlichen

Rassisten entwickeln sich in Israel zu großer Gefahr

Es erinnert an den biblischen Kampf „Auge um Auge“: Auf die Morde an jugendlichen Israelis reagieren Extremisten durch Blutrache an einem Palästinenser. Terroristische Bestrebungen fordern den Geheimdienst und den Staat.

Sie werden zunehmend zur Gefahr für die Öffentlichkeit: rechtsradikale Israelis. Hier wird gerade ein Vertreter auf dem Tempelberg in Israel von der Polizei abtransportiert. dpa

Sie werden zunehmend zur Gefahr für die Öffentlichkeit: rechtsradikale Israelis. Hier wird gerade ein Vertreter auf dem Tempelberg in Israel von der Polizei abtransportiert.

JerusalemIsrael muss sich in diesen Tagen schmerzhaft eingestehen, dass an seinem rechten Rand zunehmend gewaltbereite Rassistenzirkel nisten. Die Verhaftung von sechs jüdischen Extremisten nach der brutalen Ermordung eines palästinensischen Jugendlichen aus Ost-Jerusalem rückt die Existenz von teils nur schwach strukturierten Gruppierungen ins Licht, die ihre anti-arabische Ideologie verbindet.

„Der teuflische Mord an Mohammed Abu Chder ist der Alptraum des Schin Beth“, also des Inlandsgeheimdienstes, kommentiert die Zeitung „Maariv“. „Das ist ein Szenario, in dem der israelische-palästinensische Konflikt zu einem Stammeskrieg wird, nach dem biblischen Motto Auge um Auge.“ Der Geheimdienst hatte nach dem Tod des 16-Jährigen, dessen verbrannter Leichnam am vergangenen Mittwoch kurz nach seiner Entführung gefunden wurde, sechs Tatverdächtige festgenommen, die einer extremistischen jüdischen Gruppe angehören und von denen drei offenbar geständig sind.

Als mögliche politische Heimat der Mörder nennen israelische Medien zwei Gruppierungen: Die eine ist „La Familia“, der rechtsextremistische Fanclub des Fußballvereins „Betar Jerusalem“, der 2013 aus Protest gegen die Verpflichtung zweier muslimischer Profis aus Tschetschenien das Vereinsheim niederbrannte. Nicht minder fanatisch ist die Organisation „Lehava“ (Flamme), die gegen Mischehen, vor allem mit Arabern, zu Felde zieht. In den sozialen Netzwerken sind beide Gruppen stark vertreten. So finden auf Facebook 13.000 Nutzer Gefallen an „La Familia“.

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Möglichst im Verborgenen operieren dagegen die Rechtsextremisten unter den Siedlern im besetzten Westjordanland. Sie kommen aus den Reihen der verharmlosend als „Hügel-Jugend“ bezeichneten Ultranationalisten, die auf Bergspitzen immer wieder neue Außenposten der völkerrechtswidrigen Siedlungen errichten. Sie stehen hinter den meisten der rassistisch motivierten Hasstaten, die seit zwei Jahren als sogenannte Preisschild-Attacken bekannt wurden. Die Täter begründen ihre Vandalenakte und Brandanschläge als Vergeltung für siedlerfeindliche Maßnahmen und hinterlassen die Parole „Zu zahlender Preis“.

Alle drei rechtsextremistischen Strömungen berufen sich ideologisch auf die anti-arabische Rassitenpartei „Kach“, die 1971 von dem verstorbenen Rabbiner Meir Kahane gegründet und 1994 für illegal erklärt wurde. Anlass des Verbots war damals der Amoklauf des Kach-Aktivisten Baruch Goldstein, der an Abrahams Grab in Hebron 29 betende Muslime erschoss. Dass dem Massenmörder ein prächtiges Grabmal am Eingang zur jüdischen Siedlung Kirjat Arba errichtet wurde, zu dem bis heute Kahane-Anhänger pilgern, zeigt wie halbherzig sich Israel bislang mit dem latent wachsenden Rassenhass auseinandergesetzt hat.

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