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26.05.2014

09:27 Uhr

Nach Mursi-Sturz

Präsidentenwahl in Ägypten beginnt

Ägypten wählt einen Nachfolger für den vom Militär gestürzten Islamisten Mohammed Mursi. Bei den Präsidentenwahl gilt der hemaligen Militärchefs Abdel Fattah al-Sisi als Favorit. Die Muslimbrüder boykottieren die Wahl.

Soldaten bewachen ein Wahllokal in Kairo. Im ganzen Land sind die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden. dpa

Soldaten bewachen ein Wahllokal in Kairo. Im ganzen Land sind die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt worden.

KairoIn Ägypten hat am Montag die Präsidentenwahl begonnen. Voller Enthusiasmus stellten sich am Morgen vor allem die Anhänger des ehemaligen Militärchefs Abdel Fattah al-Sisi vor den Wahllokalen an. Der Feldmarschall hatte im vergangenen Sommer den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt. Al-Sisi gilt als Favorit. Sein einziger Herausforderer ist der Linkspolitiker Hamdien Sabahi. Drei Jahre nach der Revolution gegen den Autokraten Husni Mubarak greift das Militär damit nach dem höchsten politischen Amt des nordafrikanischen Landes.

Al-Sisi gehörte zu den ersten Wählern, die im Kairoer Stadtteil Heliopolis zur Stimmabgabe erschienen. Für ihn war es die erste Wahl. Denn als Armeeangehöriger hatte er bislang nicht wählen dürfen. Unter den Wählern, die sich noch vor Öffnung der Wahllokale in die Warteschlangen einreihten, waren besonders viele Frauen.

Ägypten als Machtfaktor im Nahen Osten

Bevölkerung

Mit rund 85 Millionen Einwohnern ist der Staat das bevölkerungsreichste arabische Land. Niltal und Nildelta zählen mit mehr als 1100 Menschen pro Quadratkilometer zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt.

Wirtschaftskraft

Bei der Wirtschaftsleistung gab es 2012 im Vergleich zum Vorjahr einen prognostizierten Zuwachs von zwei, für 2013 von drei Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sich 2013 auf geschätzt knapp 276 Milliarden Dollar summieren.

Suezkanal

Kairo kontrolliert mit dem 1956 verstaatlichten Kanal eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Besondere Bedeutung haben die vielen Tanker, die Öl vom Golf nach Europa transportieren. Die Kanalgebühren sind eine tragende Säule des ägyptischen Staatshaushalts.

Tourismus

Die Branche ist einer der wichtigsten Devisenbringer des Landes. Nach einem Einbruch im Revolutionsjahr 2011 mit 9,8 Millionen Touristen (2010: 14,7 Millionen) kamen 2012 bis November 9,5 Millionen. Die Zahl der deutschen Urlauber stieg in den ersten neun Monaten 2012 im Vergleich zu 2011 um gut 29 Prozent auf rund 830 000.

Nahostfrieden

Für die EU und die USA ist Ägypten seit langem ein verlässlicher Vermittlungs- und Verhandlungspartner. Auf die palästinensische Seite wirkte Kairo oft mäßigend ein. Ägypten war das erste arabische Land, das Israel anerkannte. Die Staaten schlossen 1979 einen Friedensvertrag.

Dschihadisten

Präsident Husni Mubarak verfolgte einen harten Kurs gegen Islamisten und präsentierte Ägypten als „Bollwerk gegen Dschihadisten“. Unter seinem Nachfolger Mohammed Mursi konnten militante Islamisten in einigen Bezirken östlich der Stadt Al-Arisch mehr oder weniger unbehelligt von der Staatsmacht schalten und walten. Aus Sicht der Armee waren die Operationen gegen Extremisten mit Nähe zum Terrornetzwerk Al-Kaida in dem Gebiet in dieser Zeit halbherzig.

Die Muslimbrüder und mehrere Revolutionsgruppen haben zum Boykott der zweitägigen Wahl aufgerufen. Viele Anhänger der Islamistenbewegung wurden seit nach dem Umsturz inhaftiert. Mehr als 53,9 Millionen Ägypter sind wahlberechtigt. Mit ersten Ergebnissen wird am Mittwoch gerechnet. Das offizielle Wahlergebnis soll am 5. Juni verkündet werden.

Vor einem Wahllokal in der nördlich von Kairo gelegenen Stadt El-Mahalla El-Kubra Kairo detonierte am Morgen ein Sprengsatz. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht. Seit Beginn des Arabischen Frühlings Anfang 2011 kommt es in Ägypten immer wieder zu Gewalttaten und Unruhen.

Sissi gilt Umfragen zufolge als der starke Mann, dem die meisten Ägypter zutrauen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Daran ändert auch nichts, dass das Militär unter ihm einen harten, auch international kritisierten Kurs zur Niederschlagung der islamistischen Muslimbrüder verfolgt.

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