Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2004

08:29 Uhr

Nach öffentlichem Druck

US-Regierung lässt Geheimdienstpannen prüfen

Die US-Regierung beugt sich offenbar dem öffentlichem Druck und gibt ein unabhängiges Gutachten zum Geheimdienstbericht über Waffen in Irak in Auftrag. Das zumindest verlautet aus Regierungskreisen in Washington.

HB BERLIN. Die US-Regierung will nun doch die Pannen des Geheimdienstes bei den Berichten über angebliche irakische ABC-Waffen unabhängig untersuchen lassen. Das berichtete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Regierungskreise in Washington. Die US-Regierung könnte schon in der kommenden Woche eine entsprechende Erklärung abgeben, sagten demnach Gewährsleute, die anonym bleiben wollten.

Präsident George W. Bush hatte bislang zurückhaltend auf Forderungen reagiert, eine Untersuchungskommission einzusetzen. Wenige Monate vor der Präsidentenwahl im November wächst jedoch der öffentliche Druck auf die Regierung nach einer unabhängigen Klärung der Frage, ob die Regierung in Washington bei der Suche nach verbotenen Waffen in Irak falschen Geheimdienstinformationen glaubte.

Die Regierung hatte den Irak-Krieg im vergangenen Jahr vor allem mit der Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen gerechtfertigt. Trotz intensiver Suche wurden aber bislang noch keine solchen Waffen gefunden. Zweifel an der Existenz von Massenvernichtungswaffen vor dem Krieg werden mittlerweile auch in der Regierung geäußert.

Den Gewährsleuten zufolge bespricht Vizepräsident Richard Cheney bereits mit Mitgliedern des Kongresses, ob und wie eine Untersuchungskommission gebildet werden könnte. Bush selbst wollte sich auf Fragen von Journalisten am Freitag nicht konkret äußern. Er sagte lediglich, das amerikanische Volk solle wissen, dass auch er an einer Klärung der Fakten interessiert sei.

Der vor einer Woche zurückgetretene US-Waffeninspekteur David Kay sprach sich am Mittwoch vor einem Senatsausschuss für eine Untersuchung aus. Er sagte erneut, dass es vor Kriegsbeginn in Irak keine Massenvernichtungswaffen gegeben habe. «Wir haben fast alle falsch gelegen, und ich schließe mich dabei mit ein», sagte Kay vor dem Ausschuss. Kay machte für den Irrtum Mängel bei der Informationsbeschaffung der Geheimdienste verantwortlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×