Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2011

00:57 Uhr

Nach PKK-Angriff

Türkei fliegt Luftangriff im Nordirak

Der Konflikt zwischen Türken und Kurden hat erneut zu Gewalt auf beiden Seiten geführt. Der türkische Regierungschef hatte erst kurz zuvor eine Verschärfung der Reaktionen auf die PKK angekündigt. Schon gibt es Tote.

Sarg eines Mitte Juli getöteten türkischen Soldaten. Quelle: AFP

Sarg eines Mitte Juli getöteten türkischen Soldaten.

Ankara/IstanbulAls Reaktion auf den Tod von neun Mitgliedern der türkischen Sicherheitskräfte bei einem PKK-Angriff hat die türkische Luftwaffe einem Medienbericht zufolge Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans im Irak angegriffen. An den Luftschlägen am Mittwochabend seien 13 türkische Kampfflieger beteiligt gewesen, berichtete die pro-kurdische Nachrichtenagentur Firat unter Berufung auf PKK-Kämpfer in der Region.

Es seien mindestens fünf Ziele in der Bergregion im Norden Iraks angegriffen worden, in der die PKK mehrere Lager eingerichtet hat. Angaben über mögliche Verletzte oder Tote machte die Agentur nicht.

Die PKK hatte am Mittwochmorgen in der Provinz Hakkari im äußersten Südosten der Türkei einen Militärkonvoi mit der Zündung einer Panzermine gestoppt und das Feuer eröffnet. Dabei wurden elf türkische Soldaten und ein so genannter Dorfschützer getötet. Die Angreifer aus den Reihen der PKK hätten mehreren Minen gelegt und den Konvoi nach den Explosionen beschossen, teilten türkische Behörden mit.

Kurz zuvor hatte Regierungschef Recep Tayyip Erdogan bei einem Essen mit Angehörigen getöteter Soldaten angekündigt, nach dem Ende des Fastenmonats Ramadan wolle er andere Saiten im Umgang mit der PKK aufziehen. Mitte Juli hatte die PKK beim schwersten Rebellenangriff seit drei Jahren 13 Soldaten getötet. Am vergangenen Wochenende wurden wieder drei Soldaten erschossen.

Im Februar hatte die PKK eine einseitig ausgerufene Waffenruhe aufgekündigt. Die Forderung nach einer Beteiligung ihres inhaftierten Chefs Abdullah Öcalan an Verhandlungen hat Ankara mehrfach abgelehnt. Von der „kurdischen Öffnung“, mit der Erdogans Regierung der Volksgruppe mehr demokratische Rechte versprochen hat, ist kaum noch die Rede.

AKP-Politiker beschreiben die Kurdenfrage jetzt als wirtschaftliches Problem, das mit Arbeitsplätzen und Wohlstand zu lösen sei. Seit einigen Wochen wird in der Öffentlichkeit auch wieder mehr über Einsatzpläne, Sondereinheiten und spezielles Kampftraining für Polizeikräfte gesprochen. Einige Hoffnung setzt Ankara auch auf eine Zusammenarbeit mit dem benachbarten Iran.

Berichte über eine Festnahme des faktischen Anführers der PKK, Murat Karayilan, durch iranische Revolutionsgarden ließen Ankara am Wochenende aufhorchen, stellten sich aber bald darauf als falsch heraus. Die von Erdogan versprochene politische Lösung scheint in weite Ferne gerückt. In einem Streit um die Inhaftierung von Abgeordneten boykottiert die Kurdenpartei BDP das neu gewählte Parlament. Erdogans Gesprächsbereitschaft ist nach den neuen Angriffen noch geringer geworden. „Von jetzt an keine Worte mehr, Taten“, sagte er am Mittwoch.

Die PKK wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Die Arbeiterpartei Kurdistans kämpft seit 1984 gegen den türkischen Staat. Seitdem starben bei dem Konflikt mehrere zehntausend Menschen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Aufklaerung

18.08.2011, 03:15 Uhr

Kurden bekommen in Deutschland Asyl, denn Sie gelten als politisch verfolgt.
Wie passt das mit Anschlägen gegen das türkische Militär zusammen?

Könnte das HB mal aufklären?

wolf

18.08.2011, 05:55 Uhr

Erdogan zeigt einmal mehr, dass die Türkei nichts in der EU verloren hat.

Thomas-Melber-Stuttgart

18.08.2011, 07:19 Uhr

Was ist eigentlich mit dem türkischen Ultimatum an Syrien?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×