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16.09.2013

13:55 Uhr

Nach politischem Streit

Industriepark Kaesong übertrifft Erwartungen

Die von Nord-und Südkorea gemeinsam betriebene Wirtschaftszone Kaesong ist wieder in Betrieb. Das Gebiet soll künftig von politischen Spannungen verschont bleiben. Trotzdem sind noch viele wichtige Fragen offen.

Manager und Arbeiter aus Südkorea warten vor der Kontrollstation zur Sonderwirtschaftszone Kaesong in Nordkorea. Seit Montag ist das von beiden Ländern betriebe Industrieareal wieder in Betrieb. Reuters

Manager und Arbeiter aus Südkorea warten vor der Kontrollstation zur Sonderwirtschaftszone Kaesong in Nordkorea. Seit Montag ist das von beiden Ländern betriebe Industrieareal wieder in Betrieb.

Seoul/PajuDer innerkoreanische Industriepark Kaesong hat bei seiner Wiederinbetriebnahme nach fünfmonatiger Zwangspause am Montag alle Erwartungen übertroffen. 739 Südkoreaner in insgesamt 465 Fahrzeugen fuhren am ersten Tag von Süd- nach Nordkorea in den wiedereröffneten Industriekomplex Kaesong. Insgesamt 90 Unternehmen begannen am Montag wieder mit der Produktion begonnen. „Einige laufen im Testbetrieb, andere haben bereits wieder mit dem Normalbetrieb begonnen“, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums für Wiedervereinigung in Seoul.

Der Vizepräsident der Kaesong Unternehmervereinigung, Ok Seong Seok, hatte am Morgen noch erklärt, es werde ein Jahr dauern, bis der Regelbetrieb im Industriepark wieder hergestellt sei.

Parallel zur Wiedereröffnung begannen in Kaesong erneut Verhandlungen des gemeinsamen Verwaltungskomitees. Das Komitee setzt sich gleichberechtigt aus Vertretern Nord- und Südkoreas zusammen. Am Freitag hatten die Verhandlungen Erfolge beim Zugang zum Industriekomplex gezeigt, bestätigte das Vereinigungsministerium. Details zur Sicherheit südkoreanischen Personals, dem Zugang zu Internet und Mobiltelefonen und der Einführung von Funkchips seien jedoch nach wie vor ungeklärt und müssten weiter diskutiert werden.

„Ich hoffe, dass wir wieder gut zusammenarbeiten können, genauso wie vorher“, sagte ein 50-jähriger südkoreanischer Manager, der nicht namentlich genannt werden wollte. „Ich bin ein bisschen beunruhigt, weil man nie wissen kann, ob der Norden seine Meinung in Zukunft wieder ändert.“ Nach zahlreichen Verhandlungsrunden hatten Nord- und Südkorea bereits Mitte August ein Grundsatzabkommen zu der Sonderwirtschaftszone geschlossen. Sie verpflichteten sich darin, schnellstmöglich für die Rückkehr zum normalen Betrieb zu sorgen und Kaesong nicht noch einmal zum Opfer politischer Spannungen werden zu lassen.

Die südkoreanische Seite konnte bei den Verhandlungen einige Bedingungen durchsetzen. So soll der Industriepark für ausländische Investoren geöffnet werden. Davon erhofft sich Seoul, dass der Norden nicht erneut zu derart drastischen Maßnahmen wie einer Schließung greifen wird. Dafür müssen allerdings erst die Voraussetzungen geschaffen werden. „Die Unternehmen, die wir im Blick haben, müssen bereits eine Dependance in Südkorea besitzen“, sagte die Sprecherin des Wiedervereinigungsministeriums. Kim Yeon Chul, Professor für Vereinigungsstudien an der Inje Universität in Südkorea hält die Pläne für schwer umsetzbar. „Das wird kompliziert, solange Sanktionen Investitionen westlicher Unternehmen verhindern“, sagte er. Bisher unterliegen Produkte aus Kaesong in vielen Ländern Importrestriktionen für nordkoreanische Waren.

Kaesong liegt etwa zehn Kilometer hinter der Grenze auf nordkoreanischem Gebiet und ist eine wichtige Devisenquelle für Pjöngjang. Der Industriekomplex war am Montagmorgen nach rund fünf Monaten wiedereröffnet worden. Bereits um kurz nach 08.30 Uhr Ortszeit (01.30 MESZ) überquerten erste südkoreanische Manager, Autos und Lastwagen die innerkoreanische Grenze. Mehr als die Hälfte der in Nordkorea produzierenden südkoreanischen Unternehmen hätten ihre nordkoreanischen Arbeiter in die Fabriken beordert, meldete Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap.

Kaesong wurde im April auf dem Höhepunkt politischer Streitigkeiten zwischen dem kommunistischen Nordkorea und dem von den USA unterstützten Südkorea geschlossen: Nordkorea zog unter Verweis auf ein gemeinsames Militärmanöver Südkoreas und der USA seine 53.000 Arbeiter aus dem 2004 gegründeten Industriegebiet ab.

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