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04.05.2014

20:40 Uhr

Nach Polizeiverhör

Sinn-Fein-Chef Adams wieder frei

Die Mordtaten von einst belasten Nordirland bis heute. „Bis zu 17 Stunden täglich“ wurde der nationalistische Gerry Adams zum Mord an einer zehnfachen Mutter von 1972 befragt. Jetzt ist der Politiker wieder frei.

Chef von Sinn Fein

Nordirland: Gerry Adams wieder frei

Chef von Sinn Fein: Nordirland: Gerry Adams wieder frei

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BelfastDer nordirische Politiker Gerry Adams ist nach intensiver Befragung zu einem vor über 40 Jahren verübten Mord aus der Polizeihaft entlassen worden. Dies teilte die Polizei am Sonntag in Belfast mit. Anklage wurde nicht erhoben. Allerdings wurde seine Akte zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, sagte ein Sprecher der Polizei.

Der 65-Jährige war zu einem Mord auf dem Höhepunkt des Nordirland-Konflikts 1972 befragt worden. Er hatte in den vier Tagen in Polizeigewahrsam stets jede Beteiligung daran bestritten. Adams, Vorsitzender der pro-irischen Partei Sinn Fein, hatte sich am vergangenen Mittwoch freiwillig bei der Polizeistation in der Stadt Antrim gemeldet. Er wurde dort nach BBC-Informationen „bis zu 17 Stunden“ am Tag verhört.

Er wurde kurz vor Ablauf einer bereits einmal verlängerten Frist für seine Befragung freigelassen. Vor der Polizeistation in Antrim fanden sich am Abend Demonstranten ein, die mit Plakaten und britischen Flaggen gegen die Freilassung protestierten und „Gerechtigkeit“ für die Opfer des langjährigen Konflikts forderten.

Iren - Die Nein-Sager in Europa

Bisherige Abstimmungen

Die Iren haben seit der Staatsgründung im Jahr 1937 mehr als ein Dutzend Mal über Verfassungsänderungen und wichtige EU-Verträge abstimmen müssen. Die Verfassung der kleinen Republik will es, dass Regierung und Parlament Irlands wichtige Themen nicht alleine bestimmen. Die Regierung braucht das Volk.

Nizza

Im Jahr 2001 haben die Iren erstmals aufhorchen lassen. Als die Nizza-Verträge zur EU-Erweiterung in Irland zur Abstimmung standen, stimmte eine Mehrheit von 54 Prozent dagegen. Die Wahlbeteiligung war mit 35 Prozent sehr niedrig. Die Regierung um den damaligen Premierminister Bertie Ahern ließ 16 Monate später kurzerhand noch einmal abstimmen - diesmal bekamen die Nizza-Verträge bei erheblich höherer Wahlbeteiligung auch aus Irland das Go.

Lissabon

2008 folgte mit dem Lissabon-Vertrag das zweite Desaster. 53 Prozent sprachen sich bei einem Referendum gegen die Vereinbarungen aus. Premier Brian Cowen lässt sich daraufhin aus Brüssel zusichern, dass das Abtreibungsverbot im katholischen Irland bleiben darf und die Kommission nicht verkleinert wird - was den irischen Einfluss in Brüssel hätte mindern können. Im Oktober 2009 stimmen die Iren schließlich - erneut im zweiten Anlauf - zu.

Fiskalpakt

Beim Fiskalpakt würde ein Nein aus Irland nun keine Veto-Wirkung mehr entfalten. Nur zwölf der 17 Euro-Länder müssen den Pakt ratifizieren, um ihn in Kraft treten lassen zu können. Die Iren würden sich möglicherweise jedoch ins eigene Fleisch schneiden. Sie könnten im Bedarfsfall keine Hilfen mehr aus dem neuen Stabilitätsmechanismus ESM erwarten.

Dagegen hatten am Samstag in Belfast Hunderte Menschen gegen die Festnahme von Adams protestiert. Teilnehmer trugen Plakate, die Adams mit dem verstorbenen früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela zeigten. Auf einem neuen Wandgemälde wurde Adams als „Friedensbringer und Visionär“ gelobt.

Das Vorgehen der Polizei hatte auch einen heftigen politischen Streit ausgelöst. Sinn Fein warf der Polizei vor, ihr Vorgehen, nur wenige Wochen vor der Europawahl, sei „politisch“ motiviert.

Das wies Peter Robinson, der zur Protestantischen Democratic Unionist Party (DUP) gehörende Regierungschef von Nordirland, am Sonntag zurück. Er warf Sinn Fein „Einschüchterungstaktik“ gegen die Polizei vor. Diese tue aber nicht mehr als ihre Pflicht, den gegen Adams erhobenen Vorwürfen nachzugehen.

Adams war verdächtigt worden, an der Entführung und der Ermordung einer zehnfachen Mutter 1972 beteiligt gewesen zu sein. Er bestreitet das. Die Tat geht auf das Konto der früheren Untergrundorganisation IRA, zu deren Führungszirkel Adams damals gehörte. Die Partei Sinn Fein galt als politische Vertretung der IRA.

Der Mord gehört zu den berüchtigtsten in der Geschichte des Nordirland-Konflikts. Die damals 37 Jahre alte Witwe war vor den Augen ihrer Kinder entführt worden. Die IRA hielt sie für eine Informantin der britischen Armee. Sie wurde erschossen und an einem geheimen Ort vergraben. Erst im Jahr 2003 wurden ihre sterblichen Überreste an der irischen Küste gefunden.

Von

dpa

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