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04.04.2014

14:12 Uhr

Nach Preiserhöhung

Ukraine setzt wieder verstärkt auf Kohlekraft

Russland erhöht den Preis für Gaslieferungen an die Ukraine um 80 Prozent. Bislang deckt die Ukraine etwa 60 Prozent ihres Gasbedarfs durch russische Lieferanten. Die Lücke soll durch Kohlekraftwerke geschlossen werden.

Russland dreht den Hahn zu: Alle Gas-Rabatte für die Ukraine sind gestrichen. Damit werden nun 485 Dollar (rund 350 Euro) pro tausend Kubikmeter Erdgas fällig. dpa

Russland dreht den Hahn zu: Alle Gas-Rabatte für die Ukraine sind gestrichen. Damit werden nun 485 Dollar (rund 350 Euro) pro tausend Kubikmeter Erdgas fällig.

KiewNach der Streichung sämtlicher Gasrabatte durch den Hauptlieferanten Russland will die Ukraine ihren Energiebedarf wieder verstärkt durch Kohleverbrennung decken. Das Energieministerium in Kiew erklärte am Freitag, die „politisch motivierte“ Preiserhöhung durch Moskau solle so weit wie möglich durch heimische Kohlekraftwerke kompensiert werden. Bei einer Kabinettssitzung sei darüber beraten worden, den Energieplan für das laufende Jahr entsprechend anzupassen. Nach Regierungsangaben laufen außerdem Gespräche mit Energieversorgern in Polen, Ungarn und der Slowakei über einen Bezug begrenzter Gasmengen aus dem Westen.

Wegen des Konflikts um die Krim-Halbinsel und fortdauernden politischen Spannungen mit Kiew hatte Russland den Preis für Gaslieferungen an die Ukraine binnen drei Tagen um 80 Prozent erhöht. Am Donnerstag verkündete Ministerpräsident Dmitri Medwedew das Ende einer 2010 vereinbarten Rabattregelung. Damit werden nun 485 Dollar (rund 350 Euro) pro tausend Kubikmeter Erdgas fällig - im europaweiten Vergleich ein Spitzenwert.

Krim-Krise alarmiert osteuropäische Länder

Polen

Polen hat sich als Nachbar der Ukraine früh an die Spitze der Initiativen gegen Russland gestellt. Präsident Bronislaw Komorowski forderte wegen des russischen Eingreifens in der Ukraine „Konsultationen gemäß Artikel 4 des Nato-Vertrages“. Dieser regelt das Vorgehen, wenn ein Mitgliedstaat die Unversehrtheit des Nato-Gebiets oder die Sicherheit bedroht sieht. Die Sicherheit Polens sei zwar nicht direkt bedroht, Russland habe aber zweifellos das Völkerrecht gebrochen, sagte Komorowski.

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski verurteilte die „Verletzung der ukrainischen Grenze“: „Weder Polen noch die Welt kann das tolerieren. Denn wir wissen, dass das Raubtier durch das Fressen immer noch mehr Appetit bekommt. Für die freie Welt ist es wichtig, sich dessen bewusst zu sein.“

Tschechien

Die Mitte-Links-Regierung in Prag verurteilte die „schleichende Besetzung“ der Schwarzmeer-Halbinsel Krim als einen Akt der Aggression. Er erinnere an den Sowjet-Einmarsch in Prag 1968. Der russische Botschafter wurde ins Außenamt zitiert, der nationale Sicherheitsrat kam zusammen. Auf EU-Ebene plädiert Tschechien für ein härteres Vorgehen gegen Russland und fordert einen sofortigen Stopp der Verhandlungen über Visa-Erleichterungen. Wirtschaftliche Sanktionen lehnt Ministerpräsident Bohuslav Sobotka indes ab, weil sie beide Seiten treffen würden.

Baltikum

Nach der russischen Aggression in der Ukraine wächst auch die Sorge in den drei kleinen Baltenstaaten Estland, Lettland und Litauen. Unmittelbar nach Beginn der Krim-Krise riefen sie ihre Nationalen Sicherheitsräte ein und verurteilten in scharfer Tonlage das Vorgehen Moskaus. Führende Politiker kritisierten auch die Reaktion der internationalen Gemeinschaft im Ukraine-Konflikt mitunter als „zögerlich“, „zu langsam“ und „feige“.

In allen drei Ländern diskutiert die Öffentlichkeit, inwieweit der Westen tatsächlich bereit wäre einzugreifen, sollte Russland etwa zum Schutz der starken russischen Minderheiten in Estland und Lettland ins Baltikum einmarschieren. Dabei überwiegt die Überzeugung, dass das militärische Machtstreben des Kremls an den Grenzen der drei EU- und Nato-Länder haltmachen würde. „Wir sind bereit, uns selbst zu verteidigen, und wir werden von der Nato geschützt“, sagte Litauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite bei einer Visite auf dem litauischen Militärflugplatz in Zokniai. Dort werden die USA auf gemeinsame Bitte der drei Länder zusätzliche Kampfjets für die Nato-Mission zur Sicherung des baltischen Luftraums stationieren.

Slowakei

Die Slowakei befindet sich als direktes Nachbarland der Ukraine in einer Zwickmühle. Einerseits verurteilte Regierungschef Robert Fico den russischen „Bruch des Völkerrechts“ und betonte mehrfach, sein Land werde alle Maßnahmen der EU gegen Russland mittragen. Auch an einer OSZE-Inspektionsgruppe in der Ukraine beteiligt sich die Slowakei. Andererseits würden Wirtschaftssanktionen auch die Slowakei selbst treffen. Nicht nur wegen ihrer Abhängigkeit von russischen Gasimporten, sondern auch weil der russische Markt für slowakische Firmen - allen voran Volkswagen Slovakia als größter Exporteur – immer wichtiger wird.

Bulgarien

Bulgarien fürchtet wegen des Ukraine-Konflikts um seine Energielieferungen aus Russland. Ein Krisenstab wurde einberufen, um die Risiken zu erörtern. Das EU-Land ist im Energiebereich noch immer fast komplett von Russland abhängig. Die Regierung der Sozialisten wollte wohl deswegen eine Stellungnahme zum Ukraine-Konflikt abwarten und sehen, was der EU-Sondergipfel beschließt. Der bürgerliche Staatschef Rossen Plewneliew verurteilte dagegen die „Anwendung militärischer Gewalt zur Okkupation von fremden Staatsgebieten“. In der Ukraine leben mehr als 200 000 ethnische Bulgaren, die auf den Gebrauch der Muttersprache bestehen.

Bislang deckte die Ukraine etwa 60 Prozent ihres Gasbedarfs mithilfe russischer Lieferanten. Den überwiegenden Teil des vergangenen Jahrhunderts war das Land von Strom aus Kohlekraftwerken abhängig - einer maßgeblichen Quelle für Luftverschmutzung, wie sie inzwischen auch die aufstrebende Wirtschaftsmacht China erlebt. In der Gesamtbilanz werden nach Schätzung der Internationalen Energie-Agentur aktuell etwa 30 Prozent des Energiebedarfs der Ukraine mit Kohle und 40 Prozent durch Erdgas abgedeckt.

Von

afp

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

04.04.2014, 16:27 Uhr

Zitat : In der Gesamtbilanz werden nach Schätzung der Internationalen Energie-Agentur aktuell etwa 30 Prozent des Energiebedarfs der Ukraine mit Kohle und 40 Prozent durch Erdgas abgedeckt.

- Zur Gesamtbilanz gehört aber auch noch dazu, dass die Ukraine 15 marode Kernkraftwerke betreibt, bei denen man komplett von den Russen abhängig ist !

Die Ukraine will selbständig und unabhängig sein ! Da muss das Land sich auch an die Weltmarktpreise gewöhnen...so einfach ist das !

Warum sollen Russen einem Land, das die Russen mit Atombomben ausrotten würde ( Julia Kalashnikova ), Rabatte gewähren ?

Da müßten die ja nicht ganz bei Trost sein !

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