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23.08.2013

12:48 Uhr

Nach Raketenangriff

Israelische Flugzeuge greifen Lager im Libanon an

Unruhige Zeiten für Israels Armee: Nach den jüngsten Angriffen aus Ägypten schlagen erstmals auch wieder Raketen aus dem Libanon im Land ein. Die Luftwaffe attackiert im Gegenzug ein Ziel nahe Beirut.

Israelische Kampfflugzeuge haben ein Lager der Palästinenser angegriffen. AFP

Israelische Kampfflugzeuge haben ein Lager der Palästinenser angegriffen.

Beirut/Tel AvivIsrael hat mit einem Luftangriff südlich von Beirut auf eine Salve von Katjuscha-Raketen aus dem Libanon reagiert. Israelische Kampfflugzeuge hätten in der Nacht den Stützpunkt einer radikalen Palästinensergruppe südlich von Beirut angegriffen, meldete die Polizei am Freitag in der libanesischen Hauptstadt. Die israelische Armee teilte mit, es handele sich um die Reaktion auf den Raketenangriff vom Vortag. Es war das erste Mal seit fast zwei Jahren, dass Raketen aus dem Libanon in Israel einschlugen.

Die Luftwaffe habe eine „Terrorstätte“ in Naame zwischen Beirut und Sidon angegriffen und direkte Treffer verzeichnet, teilte die Armee mit. Ziel des israelischen Luftangriffs war nach libanesischen Angaben ein Stützpunkt der Volksfront zur Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC).

Die Gruppe um Ahmed Dschibril unterhält enge Beziehungen zum Iran sowie zur libanesischen Hisbollah und wird vom Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad unterstützt. Die Regierung in Damaskus steht derzeit wegen mutmaßlicher Giftgasangriffe unter Druck. Kurz bevor die Raketen auf Israel abgefeuert wurden, hatte sie behauptet, Israel sei Teil einer Verschwörung gegen Syrien.

Hürden auf dem Weg zum Nahost-Frieden

Siedler

Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem gibt es im Westjordanland 125 von Israel genehmigte Siedlungen. Hinzu kommen etwa 100 „wilde“ Siedlungen, die nach israelischem Recht zwar illegal sind, aber dennoch vom Staat unterstützt werden. Mit dem Siedlungsbau hat sich Israel immer wieder über das Völkerrecht hinweggesetzt.

Grenzen

Die Palästinenser wollen ihren Staat in den 1967 von Israel besetzten Gebieten Westjordanland, Gazastreifen und Ost-Jerusalem einrichten. Aus dem Gazastreifen hat sich Israel bereits 2005 zurückgezogen. Israel will aber seine großen Siedlungsblöcke im Westjordanland ebenso behalten wie eine Militärpräsenz im Jordantal an der Grenze zu Jordanien. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat seine Bereitschaft zum Gebietsaustausch signalisiert.

Jerusalem

Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders heftig umstritten. Jerusalem gilt den Muslimen als drittheiligste Stätte. Israel beharrt darauf, Jerusalem sei seine „ewige und unteilbare“ Hauptstadt. Dagegen beanspruchen die Palästinenser den von Israel annektierten Ostteil Jerusalems als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Dort liegt aber die Klagemauer, der heiligste Ort für Juden.

Sicherheit

Bei Selbstmordanschlägen palästinensischer Terroristen sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Israelis getötet worden. Die radikalislamische Hamas schoss aus dem Gazastreifen Tausende Kleinraketen auf israelische Grenzstädte. Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei.

Flüchtlinge

Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNRWA in den Palästinensergebieten sowie in Israels Nachbarländern etwa 5,3 Millionen registrierte Palästinenser, unter ihnen 4,9 Millionen Flüchtlinge und deren Nachkommen. Sie sollen nach dem Willen Israels kein Recht auf Rückkehr nach Israel erhalten. Die Palästinenser beharren offiziell auf ihrem „Rückkehrrecht“ nach Israel, was die Juden dort zur Minderheit machen würde.

Wasser

Schon seit Jahrzehnten wird vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist.

Nach Angaben aus dem Umfeld der Palästina-Volksfront richtete der israelische Angriff keinen Schaden an, auch wurde niemand verletzt. Vertreter der Gruppe sagten libanesischen Medien, die Volksfront habe mit dem Angriff auf Israel nichts zu tun.

Eine Gruppierung namens Abdullah-Assam-Brigaden bekannte sich über den Kurznachrichtendienst Twitter zu der Tat. Sie ist nach einem palästinensischen Islamistenprediger benannt, der als Mentor des getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden galt. Sie hatte sich in den vergangenen Jahren schon mehrmals zu Raketenangriffen auf Israel bekannt, zuletzt im November 2011. Es handelt sich um eine kleinere Gruppierung, deren Mitglieder häufig in palästinensischen Flüchtlingslagern im Süden des Libanons leben.

Am Donnerstag waren vier Raketen des Typs Katjuscha, die von libanesischem Gebiet aus abgefeuert wurden, in Israel eingeschlagen. Die israelische Raketenabwehr „Eisenkuppel“ fing zwischen den Küstenstädten Akko und Naharia eine Rakete in der Luft ab. Zwei Geschosse schlugen in Ortschaften im Norden des Landes ein und richteten dort Sachschaden an. Mitte August war Israel zuletzt mit einer Rakete von der ägyptischen Halbinsel Sinai angegriffen worden.

Von

dpa

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