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10.04.2013

19:54 Uhr

Nach Raketenverlegung

Südkoreas Geheimdienst erhöht Aufklärung im Norden

Nordkorea bleibt unberechenbar. Südkorea verstärkt aus Angst vor einer Mittelstreckenrakete aus dem Nachbarland seine Aufklärung. Chinesische Veranstalter stoppen Reisen nach Nordkorea.

Der südkoreanische Außenminister Yun Byung Se befürchtet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Starts einer Mittelstreckenrakete sehr hoch sei. dpa

Der südkoreanische Außenminister Yun Byung Se befürchtet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Starts einer Mittelstreckenrakete sehr hoch sei.

Seoul/PekingWegen einer vermuteten Raketenverlegung in Nordkorea verstärkt Südkorea seine geheimdienstliche Aufklärung des Nachbarlandes. Außenminister Yun Byung Se sagte am Mittwoch in Seoul, die Wahrscheinlichkeit eines Starts einer Mittelstreckenrakete sei sehr hoch. Seine Regierung habe Nordkoreas Verbündeten China und Russland ersucht, auf die Führung in Pjöngjang einzuwirken, um die seit Wochen zunehmenden Spannungen abzubauen. Nordkorea hat Südkorea und den USA mit Krieg gedroht.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte einen namentlich nicht genannten hohen Armeeangehörigen mit den Worten, es gebe klare Hinweise darauf, dass Nordkorea parallel Kurz- und Langstreckenraketen abfeuern könnte. Darunter seien Musudan-Raketen, die mutmaßlich eine Reichweite von 3000 bis 3500 Kilometern haben. Südkoreas Außenminister Yun sagte, die Musudan-Raketen könnten jederzeit starten, und es liege an Nordkorea, wie weit sie flögen.

Die Raketen könnten auch Japan erreichen. In der Hauptstadt Tokio ließ die Regierung daher Patriot-Abfangsysteme in Stellung bringen. In Washington erklärte ein Regierungsmitglied, man gehe davon aus, dass Nordkorea zwei Raketen an die Ostküste verlagert habe und für einen Abschuss vorbereite. Ähnlich äußerte sich das US-Militär.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Nordkorea hatte den USA auch mit einem Atomschlag gedroht. Die weitreichenden Raketen könnten möglicherweise US-Stützpunkte im Pazifik erreichen. Allerdings ist weder klar, ob sie mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, noch ob sie präzise genug sind, um eine US-Basis in großer Entfernung zu treffen.

Nordkorea hatte die in Südkorea lebenden Ausländer aufgefordert, das Land zu verlassen, um nicht in einen Krieg hineingezogen zu werden. Die Europäische Union ließ der Führung in Pjöngjang aber mitteilen, dass ihre Mitgliedsstaaten derzeit keinen Anlass für eine Evakuierung ihrer Botschaften sähen.

Angesichts der Kriegsdrohungen stoppten einigen chinesische Veranstalter Reisen ins Nachbarland. Die Behörden in der nordöstlichen Region Dandong hätten dies angeordnet, sagte die Sprecherin eines Reiseunternehmens. Das Außenministerium in Peking erklärte dagegen, die Unternehmen hätten die Entscheidung selbst getroffen. Der Grenzverkehr zu Nordkorea verlaufe normal.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seit einem Atomtest von Nordkorea Ende Februar eskaliert. Die USA haben mit der Verlegung von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen in die Region reagiert. Experten rechnen zudem mit einem weiteren Atom- oder Raketentest. Anlass könnten mehrere Jahrestage in den kommenden Tagen sein: der Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung, der 20. Jahrestag der Machtübernahme durch dessen Sohn Kim Jong Il und der formelle Amtsantritt von Kim Jong Un, der seinem 2011 verstorbenen Vater Kim Jong Il folgte. Kim Il Sungs Geburtstag am 15. April wird üblicherweise mit einer Militärparade begangen.

In Berlin rief Bundesaußenminister Guido Westerwelle alle Staaten zu Geschlossenheit auf: "Es ist wichtig, dass die internationale Gemeinschaft zusammensteht und auch eindeutig auf Pjöngjang einwirkt, dass der Pfad der Eskalation verlassen wird." Das Spiel mit dem Feuer müsse ein Ende haben. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte in Moskau, in dem Konflikt gebe es keine Differenzen zwischen Russland und den USA. Gleichwohl warnte er, dass weitere Militärmanöver in der Region die Spannungen verschärfen könnten. US-Außenminister John Kerry wurde noch in dieser Woche in Südkorea erwartet.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

11.04.2013, 11:40 Uhr

Ein, die Aussage eines Artikel – vertiefender Kommentar – ob zustimmend oder konträr zu weiterführenden Internetmedien Blogs/Foren/Statistiken/pdf sind keine Werbung. Werbung gilt Produkten/Erzeugern. Totschlagargumente der Gesinnungsdik....
...


*Der Zauberlehrling:*
...
Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder.
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav gertoffen!
Seht er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei! (?)
...
(Goethe)

Aufklärung tut weh!

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