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14.01.2011

17:00 Uhr

Nach Regierungsauflösung

Präsident Ben Ali tritt zurück und verlässt Tunesien

Nach tagelangen blutigen Protesten in Tunesien hat der autoritäre Langzeit-Präsident Zine el Abidine Ben Ali die Regierung aufgelöst und ist als Regierungschef zurückgetreten. Das Militär hat den Flughafen abgeriegelt und den Luftraum gesperrt. Es gilt der Ausnahmezustand.

Der Volksaufstand in Tunesien zeigt Wirkung dpa

Der Volksaufstand in Tunesien zeigt Wirkung

HB TUNIS. Tunesiens Präsident Zine el-Abidine Ben Ali hat nach einem Bericht des TV-Senders Al-Dschasira das Land verlassen ist als Regierungschef zurückgetreten. Die Amtsgeschäfte übernehme vorübergehend der Parlamentspräsident. Zuvor hatte Ben Ali die Regierung aufgelöst und Neuwahlen angekündigt. Das gab das tunesische Staatsfernsehen bekannt. Neuwahlen solle es in den nächsten sechs Monaten geben. Doch Ruhe kehrt im Norden Afrikas noch nicht ein.

Nach der Verhängung des Ausnahmezustands in Tunesien hat das Militär am Freitagabend den Flughafen der Hauptstadt abgeriegelt. Ein Mitarbeiter des Flughafens in einem Vorort von Tunis berichtete, die Armee umstelle das gesamte Flughafengelände. Die französische Fluggesellschaft Air France stoppte vorübergehend alle Flüge nach Tunis. Die Lufthansa hatte zuvor schon ihre jeweils zwei Flüge von und nach Tunis gestrichen.

Bereits gestern Abend hatte der seit 1987 regierende autoritäre Präsident angekündigt, keine sechste Amtszeit anzustreben. Trotzdem wollten die Proteste gegen ihn nicht verstummen. Vor dem Innenministerium in Tunis versammelten sich rund 8 000 Demonstranten, die den sofortigen Rücktritt des Präsidenten forderten.

In der Nacht wurden Ärzten und Augenzeugen zufolge bei Unruhen in Tunis und der Stadt Ras Jebel zwölf Menschen getötet. Der Reiseverantstalter Thomas Cook hat inzwischen begonnen, deutsche Urlauber auszufliegen und sagte alle Tunesienreisen bis einschließlich Montag ab.

Urlauber seien zwar bislang nicht direkt betroffen, die Sicherheitslage in dem Land sei jedoch sehr angespannt, sagte Cook-Deutschland-Chef Peter Fankhauser. Der größere Konkurrent TUI Deutschland entschied, seine rund 1 000 deutschen Gäste vorerst in Tunesien zu lassen. Der Tourismus sorgt in Tunesien für elf Prozent der Deviseneinnahmen des Landes. Auch die anderen großen Anbieter warten ab.

Das Auswärtige Amt hat nach der Verhängung des Ausnahmezustands in Tunesien am Freitagabend seine Reisehinweise für das nordafrikanische Land aktualisiert. Es rät darin weiterhin „von nicht unbedingt erforderlichen Reisen“ nach Tunesien ab. Den Urlaubern, die sich derzeit in Tunesien aufhalten, empfehle das Ministerium, in den Hotels zu bleiben, sagte Schäfer. Dort sei es für sie im Augenblick am sichersten. Nach Angaben des DRV halten sich derzeit 6 000 bis 8 000 Gäste deutscher Reiseveranstalter in Tunesien auf.

In Tunis waren am Abend Demonstranten auf Laternenmasten geklettert und drängten sich auf den Dächern der Häuser. Auf der wichtigsten Verkehrsstraße waren Sprechchöre zu hören: "Ben Ali, verschwinde!" und "Ben Ali, danke, aber es reicht!" Die Polizei setzte gegen mehrere hundert, Steine werfende Jugendliche Tränengas ein. Auch Schüsse waren zu hören.

In Sidi Bouzid, wo die wochenlangen Proteste gegen hohe Arbeitslosigkeit und Armut vor einem Monat begannen, forderten ebenfalls Tausende einen sofortigen Amtsverzicht Ben Alis. Unklar blieb zunächst, ob die Unruhen sich vor der Anweisung des Präsidenten ereigneten, den Einsatz von Schusswaffen gegen Demonstranten zu stoppen.

Zugleich hatte Ben Ali angekündigt, die Preise für Zucker, Milch und Brot zu senken. Die Presse solle frei berichten können und das Internet keiner Zensur mehr unterliegen. Kurz nach der Rede waren seit Wochen blockierte Webseiten wie das Videoportal YouTube wieder erreichbar.

Kommentare (3)

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Ist das die neue politische Idee

14.01.2011, 19:57 Uhr

1. Land ausbeuten und unterdrücken
2. Schätze sichern am besten in der Schweiz
3. Regierung auflösen
4. Ausnahmezustand verkünden
5. Das Chaos nach der Chaostheorie aus sicherem
Abstand betrachten
6. Nach Abebben des bürgerkrieges, alte Kontakte
aktivieren und eine Marionette, die mir und
meiner Familie sowie meiner erschaffenen
Struktur weitere Macht und Reichtum sichert ins
Amt bringen.

PickaBall

14.01.2011, 22:10 Uhr

VERTiKALE Hierarchien versus HORiZONTALE Hierarchien

Vertikale Hierarchien haben ihr Ablaufdatum erreicht, wenn sich das Establishment die Dinge auf Kosten der Allgemeinheit ZU SEHR RiCHTET.

Ethik ist nicht nur gesellschaftlich verankert, sondern auch zum Teil genetisch, sodass trotz individuell unterschiedlichem Verständnis DiE MASSE den Schwellenwert festlegt.

Sinken die Sitten unter diesen Wert - nimmt kollektive Empörung und Widerstand zu.

Steigendes Misstrauen und Ungerechtigkeit lässt VERTiKALE Hierarchien an Autorität verlieren und letztendlich zusammenbrechen.

Das Web begünstigt HORiZONTALE Hierarchien, da es NiCHT schon ZU bEGiNN einer Revolution eine GALiONSFiGUR braucht.

Durch Mundpropaganda (ä. viralem Marketing) erfolgt die Weitergabe von informationen und interpretationen hauptsächlich an Vertraute und bekannte.

Diese unzähligen Distributoren fungieren nicht als Führer - sie sind daher nicht angreifbar, korrumpierbar und manipulierbar.

Die MASSE ENTSCHEiDET, welchen der konkurrierenden Distributoren sie folgt und dessen interpretationen zustimmt. (Schwarmintelligenz)

Schwärme treffen quantitative Entscheidungen, die auf einem primitiven TRAiL & ERROR Prinzip beruhen.

Wenn Neuland betreten wird, WEiSS KEiNER wo es langgeht - das KOLLEKTiVE MORALVERSTÄNDNiS ist dabei der KOMPASS.

Mitunter dauert es einige Zeit, bis der richtige Führer die bühne betritt.

An ihren FRÜCHTEN sollt ihr sie erkennen.

(bibelspruch - ein baum der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen)

Adenauer

14.01.2011, 23:36 Uhr

Es wird spannend, ob es freie Wahlen geben wird und ob daraus eine islamische Partei als Sieger hervorgehen wird. Ali war ja scheins ein Zögling Paris.

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