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21.01.2006

16:20 Uhr

Nach Rugovas Tod

Kosovo-Verhandlungen in der Schwebe

Der Vorkämpfer für die Unabhängigkeit des Kosovo ist tot. Nun befängt viele Kosovo-Albaner die Angst, auch ihr Traum von der Freiheit sei gestorben. Der Beginn der für die kommenden Tage geplanten Verhandlungen über die Zukunft der Unruheregion wurde verschoben.

Ibrahim Rugova bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Dezember. Foto: AP

Ibrahim Rugova bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Dezember. Foto: AP

HB PRISTINA. Der langjährige Führer der Kosovo-Albaner, der die albanische Delegation leiten sollte, genoss sowohl unter seinen Landsleuten als auch international großes Ansehen. Die anderen Politiker werden nur schwer die Lücke füllen können. Sie seien untereinander zerstritten und hätten nicht die übegreifende Autorität Rugovas, warnten Beobachter am Samstag in Pristina. Das bewog auch den Chef der UN-Verwaltung, Soeren Jessen-Petersen, die Albanerführer umgehend zur Einigkeit in diesem für die Provinz „entscheidenden“ Augenblick aufzurufen. Die Politiker und das Volk müssten zusammenhalten und „Reife und Weisheit“ zeigen, warnte Jessen-Petersen.

Die unter internationaler Vermittlung geplanten Gespräche der Kosovo-Albaner und der serbischen Regierung sollten schon am kommenden Mittwoch in Wien beginnen. Ohne einen Leiter der Albaner- Delegation ist der Beginn ungewiss. Daher wurde der Termin auf Februar verschoben. Dies teilte die Sprecherin des Chefunterhändlers der Vereinten Nationen am Samstag mit. Die Gespräche in Wien würden wegen der Trauerzeit vertagt, sagte Hua Jiag.

Mindestens drei Politiker haben die Absicht durchblicken lassen, Rugova zu ersetzen. Formell müsste der amtierende Präsident, der Parlamentsvorsitzende, Nexhat Daci, die Delegation leiten. Auch Lutfi Haziri, der wie Daci der Rugova-Partei LDK angehört, ist als Delegationsleiter im Gespräch. Die LDK beansprucht, als stärkste Partei im Parlament, diese Position für sich.

Das könnte ihnen aber der frühere Kommandant der Rebellenarmee UCK, Hashim Thaci, der auch die Demokratische Partei Kosovos führt, strittig machen. Er kann auf die Unterstützung anderer extremerer Parteien und Gruppen setzen, die im Gegensatz zu Rugova nur den bewaffneten Kampf als Weg in die Unabhängigkeit ansahen.

Rugovas Tod könnten auch die ohnehin instabile Lage im Kosovo gefährden, warnten Vertreter der Kosovo-Serben, die den Präsidenten und seine gewaltfreie Politik geschätzt hatten. Rugova sei ein „kluger“ Anführer der „Separatisten“ gewesen, sagte Momcilo Trajkovic, einer der Serbenführer. Er habe die Serben „überlistet“ und die Lösung des Kosovo-Konflikts internationalisiert.

Gerade deswegen müsse die internationale Gemeinschaft sich aktiv um eine „gerechte“ Lösung des jahrzehntelangen Streits bemühen, fordern die Serben. Gerecht bedeutet nach serbischer Lesart, dass die zu 90 Prozent von Albanern bewohnte Provinz keine staatliche Unabhängigkeit erhalten soll. Das ist aber für alle Kosovo-Albaner, ungeachtet aller politischen Divergenzen unannehmbar.

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