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12.10.2015

20:22 Uhr

Nach russischen Luftangriffen

Syrien treibt Offensive gegen Rebellen voran

Seit knapp zwei Wochen unterstützt Russland den syrischen Präsidenten Assad mit Luftangriffen. Dessen Armee marschiert nun auf Rebellenstützpunkte vor. Russland flog nach eigenen Angaben 53 Angriffe binnen 24 Stunden.

Das russische Militär fliegt Angriffe auf syrische Rebellenstützpunkte, um Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen. dpa

Russische Bomber über Syrien.

Das russische Militär fliegt Angriffe auf syrische Rebellenstützpunkte, um Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen.

BeirutMit russischer Luftunterstützung treibt Syrien seine Offensive gegen Rebellen im Westen des Landes voran. Die syrische Armee meldete am Montag die Einnahme mehrerer Dörfer, und auch oppositionsnahe Aktivisten bestätigten den Vormarsch von Regierungstruppen und der mit ihnen verbündeten Hisbollah-Miliz. Das russische Militär flog nach eigenen Angaben binnen 24 Stunden 53 Luftangriffe.

Russland hatte das Bombardement Ende September begonnen - explizit mit dem Ziel den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu stützen. Die Nato sieht das äußerst kritisch. Generalsekretär Jens Stoltenberg warf Russland vor, damit den syrischen Bürgerkrieg zu verlängern. Stattdessen solle Moskau dem gemeinsamen Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat beitreten. Die Verletzung des türkischen Luftraums durch russische Flugzeuge nannte Stoltenberg inakzeptabel. Die Nato sei auch besorgt über das Aufrüsten Russlands in Syrien.

Die syrische Armee hatte vorige Woche eine Bodenoffensive gestartet und versucht nun vor allem, ländliche Gebiete der Provinz Hama und der Sahl-al-Ghab-Ebene wieder unter ihre Kontrolle zu bringen und Rebellen zu vertreiben. Die Ebene liegt zwischen der von Aufständischen kontrollierten Provinz Idlib und der Regierungshochburg Latakia und ist deshalb von strategischer Bedeutung.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von 30 Angriffen russischer Jets auf den Ort Kfar Nabude. Gleichzeitig seien syrische Soldaten und Hisbollah-Kämpfer von Süden in das Dorf eingerückt. Nach Angaben von Aktivisten vor Ort lieferten sich Aufständische Gefechte mit den Truppen. Das syrische Militär erklärte aber, man habe den Ort unter Kontrolle, ebenso wie mehrere weitere Dörfer in der Nähe. Die Rebellen eroberten nach Angaben von Aktivisten ihrerseits ein Dorf im Süden von Idlib. Die tatsächliche Lage vor Ort ist kaum zu klären.

Das russische Verteidigungsministerium betonte, die 53 Angriffe hätten IS-Zielen in den Provinzen Homs und Hama sowie Idlib und Latakia gegolten und Kommandozentralen, Munition, Treibstofflager und Trainingscamps zerstört. Der IS ist in Hama allerdings kaum vertreten. Der Westen wirft Russland vor, auch Rebellen ins Visier zu nehmen, die nichts mit dem IS zu tun haben. Moskau versichert, es würden nur „Terroristen“ angegriffen.

IS-Terror in Syrien

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Russland hatte vergangene Woche auch bekannt gemacht, dass Marschflugkörper von Schiffen im Kaspischen Meer auf Ziele in den fast 1500 Kilometer entfernten syrischen Provinzen Rakka und Aleppo abgefeuert wurden. Deshalb veröffentlichte die europäische Luftfahrtbehörde Easa am Freitag eine Warnung an Fluggesellschaften und Behörden wegen möglicher Gefahren im iranischen und irakischen Luftraum.

„Bevor sie Syrien erreichen, müssen solche Raketen notwendigerweise den Luftraum über dem Kaspischen Meer, Iran und Irak unterhalb der Flugrouten queren“, heißt es in der Mitteilung der Easa. Es gebe zwar derzeit keine speziellen Empfehlungen, doch wolle man die Nutzer des Luftraums informieren.

Von

ap

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