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26.08.2012

12:34 Uhr

Nach Samaras-Besuch

Eiszeit zwischen Berlin und Athen vorbei

Guter Anfang, aber mehr auch nicht. Merkel und Hollande haben den griechischen Premier Samaras immerhin angehört, ihm aber keinen Schuldenaufschub zugesagt. Die griechische Opposition bemäkelt das Ergebnis.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras. dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras.

AthenDie griechische Presse hat am Wochenende eine mehrheitlich positive Bilanz der Reise des Ministerpräsidenten Antonis Samaras nach Berlin und Paris gezogen. Sie stellt jedoch klar, dass es bei der Herkules-Aufgabe, Griechenland in letzter Minute vom Euro-Tod zu bewahren, jetzt erst richtig los gehe. Erheblich kritischer werten die Oppositionsparteien die Reise.

„Macht (eure Aufgaben) und dann werden wir weiter reden“, habe Bundeskanzlerin Angela Merkel Samaras gesagt, titelte die Sonntagszeitung „To Vima“. Samaras habe alle mit dem Eingeständnis seines Fehlers überrascht, als Oppositionspolitiker den Sparpakt abgelehnt zu haben. Zudem sei er nicht als Bittsteller aufgetreten. Griechenland werde alle Schulden zurückzahlen. Jetzt sei wichtig, dass Opposition und Gewerkschaften nicht mit Streiks und sozialen Unruhen alles zunichte machten, meint „To Vima“.

Die konservative Zeitung „Kathimerini“ stellt die Bürger auf weitere Opfer ein. Die Belastungen würden hart und würden bald kommen. „Alle Maßnahmen bis Oktober - Samaras ist entschlossen“, titelt das Blatt.

Bereits am Samstag hatte die Presse auf den Besuch in Berlin positiv reagiert. „Guter Anfang - Das Eis ist gebrochen“, titelte die Athener Zeitung der politischen Mitte „Ta Nea“. Berlin und Athen hätten zumindest über alle Fragen gesprochen. Die konservative „Kathimerini“ analysierte: „Es gibt nun einen Spalt in der Berliner Mauer.“ Jetzt seien mutige Taten „dringend notwendig“ wie die Schließung oder der Verkauf eines großen defizitären Staatskonzerns.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Freitag in Berlin Ministerpräsident Antonis Samaras zugesichert, Deutschland wolle Griechenland im Euro-Raum behalten. Sie zeigte sich überzeugt, dass Samaras die Probleme lösen woll. Konkrete Hilfen oder einen Aufschub für Athen sagte sie aber nicht zu. Stattdessen forderte Merkel, Griechenland müsse den Worten nun Taten folgen lassen. Ähnlich - wenn auch nach Einschätzung des griechischen Fernsehens in einer etwas herzlicheren Atmosphäre - verliefen die Gespräche mit dem französischen Präsidenten François Hollande in Paris.

Bei den rechten und linken griechischen Oppositionsparteien stieß der Rundgang Berlin-Paris auf Kritik. „Der Ministerpräsident gibt alles und bekommt dafür nichts“, erklärte das Linksbündnis Syriza. Die rechten Unabhängigen Griechen warfen Samaras vor, nicht nachdrücklich genug für eine Fristverlängerung eingetreten zu sein. Die rechtsradikale Goldene Morgenröte kritisierte, Merkel agiere wie eine „Zinswucherin“ und Samaras schweige zu den Tausenden Griechen, die aus Verzweiflung den Tod suchten. Die Kommunistische Partei rief gar zum Aufstand auf.

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Die Oppositionspresse schloss sich der Kritik an. Ganz auf Parteilinie meinte die Syriza-Zeitung „Avgi“: „Samaras hat alles gegeben und nichts bekommen.“ Merkel habe nur „Mitleid mit der Bevölkerung“ gezeigt und danach die Fortsetzung des Sparprogramms gefordert. Die kommunistische „Rizospastis“ propagierte - wie zuvor die Parteiführung - den „Aufstand“ gegen den Sparpakt und rief am Sonntag zu einem „Generalstreik“ in den kommenden Wochen auf.


Von

dpa

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

26.08.2012, 12:57 Uhr

Wie kann das bloß angehen.
Nichts hat sich an der griechischen Politik geändert.
Ob die beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden können, ist genauso fraglich wie vorher. Denn die Opposition, vor allem die Macht der Gewerkschaften, ist groß. Dies zeigt ja auch der vorliegende Artikel deutlich.
Die Umfragen in Deutschland ergaben, dass die Deutschen mehrheitlich ein Ende der Hilfspolitik sowie den Austritt der Griechen aus dem Euro wünschen. Die Unions- und FDP-Politiker haben – angeblich, wie man auch aus diesem Artikel erkennen kann – dem Samaras auch kein Entgegenkommen gezeigt.
Und nun kommt die ARD und erzählt uns, dass die Deutschen auf einmal NICHT mehr mehrheitlich den Austritt möchten.
Nun möchten sie plötzlich, dass Griechenland im Euro bleibt. (??)
Woher will die ARD das wissen?
Welche Umfrage hat dies ergeben?
Das riecht nach kräftiger Manipulation.

Account gelöscht!

26.08.2012, 13:05 Uhr

wenn die GR noch viel palöaver machn können sie sich der Türkei anschliessen

KarmA

26.08.2012, 13:10 Uhr

Na bitte geht doch,
auch die Griechen beweisen wieder ihr Einsichtigkeit und sind weiterhin glücklich, bald ein ehrenhaftes, rechtschaffendes Leben zu haben.

Ich sehe glückliche Griechen, die ihren Esel zum Acker treiben und glückliche, stolze griechische Fischer, die mit ihren Paddelbooten zum Fischfang auslaufen.

Gebt den Griechen ihre Drachme und ihren Stolz zurück

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