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29.12.2013

16:39 Uhr

Nach Sanktionsdrohungen

Iran installiert 1000 neue Zentrifugen

Im Atomstreit mit dem Iran gab es zuletzt harsche Töne aus dem US-Senat. Als Antwort installiert der Iran neue Zentrifugen – die aber noch nicht in Betrieb genommen werden. Die Verhandlungen mit dem Westen gehen weiter.

Präsident Hassan Ruhani will die Gespräche mit dem Westen vorantreiben. AFP

Präsident Hassan Ruhani will die Gespräche mit dem Westen vorantreiben.

TeheranVor dem Hintergrund von Sanktionsdrohungen aus den USA hat der Iran 1000 neue Zentrifugen zur Urananreicherung installiert. Wegen der laufenden Atomverhandlungen würden die Gerätschaften jedoch zunächst nicht genutzt, sagte der iranische Atomchef Ali-Akbar Salehi am Sonntag nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA. Der Iran hatte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA über die Entwicklung einer neuen Generation von Zentrifugen informiert, die in den Anreicherungsanlagen Natans und Fordo eingesetzt werden sollen.

Das politische Ringen um eine Lösung des Atomstreits scheint davon aber nicht bedroht. So macht die politische Elite in Teheran weiter Druck. „Die Verhandlungen sollten auf jeden Fall fortgesetzt werden, und unsere Unterhändler haben die volle Unterstützung, alle Probleme auszuräumen“, sagte Ali Akbar Welajati, der außenpolitische Berater von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei. Laut Welajati könnten auch Gespräche mit jeder Vetomacht einzeln, einschließlich den USA, nützlich für den Erfolg der Verhandlungen sein.

Die iranischen Atomanlagen

Schwerwasserreaktor in Arak

Eine zentrale Rolle im Atomstreit spielt der geplante Schwerwasserreaktor in Arak, rund 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Solche Reaktoren werden mit gewöhnlichem, nicht angereichertem Uran befeuert und mit sogenanntem schwerem Wasser, einer molekularen Variante, gekühlt. Schwerwasserreaktoren sondern als Nebenprodukt mehr Plutonium ab als Reaktoren, die mit gewöhnlichem Wasser gekühlt werden. Plutonium wiederum kann für die Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden.

Der Bau des Reaktors in Arak begann 2004 und ist fast fertig. Ein Datum für die Inbetriebnahme ist jedoch noch nicht bekannt. Der Iran gibt an, die Anlage für die Herstellung von Isotopen für medizinische und industrielle Zwecke nutzen zu wollen. Die UN-Inspektoren haben die Anlage bereits besichtigt. Vor knapp zwei Wochen sagte die Regierung ihnen überdies zu, weitere Kontrollen zu ermöglichen.

Urananreicherungsanlage in Natans

Der Iran betreibt zwei bedeutende Urananreicherungsanlagen. Die älteste und größte befindet sich in Natans, rund 260 Kilometer südwestlich von Teheran. Die Schutzmaßnahmen sind aufwendig: Die Zentrifugen stehen unter der Erde und die Anlage wird von mehreren Luftabwehrgeschützen verteidigt. Seit 2006 drehen sich die Zentrifugen und reichern Uran an. Insgesamt soll der Iran nach UN-Angaben 18.000 Zentrifugen besitzen

Urananreicherungsanlage in Fordo

Die zweite Anlage liegt in Fordo, im bergigen Süden der Hauptstadt Teheran. Die Regierung hielt die Urananreicherungsanlage lange geheim. Erst 2009 wurde ihre Existenz durch ausländische Geheimdienste bekannt. Das Gelände wird von den elitären Revolutionsgarden geschützt. Die UN-Inspektoren haben beide Anlagen in Natans und in Fordo bereits besucht und Systeme für eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung eingerichtet. Der Iran will aber nach eigenen Angaben zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung bauen. Details zu den Plänen sind jedoch noch nicht bekannt.

Reaktor Buschehr

Das Kraftwerk Buschehr befindet sich im Südwesten des Landes an der Küste des Persischen Golfs. Das Projekt hatte schon vor der islamischen Revolution 1979 mit deutscher Beteiligung begonnen, später wurde es mit russischer Unterstützung weiter betrieben. 2011 wurde Buschehr als erstes iranisches Atomkraftwerk ans Netz angeschlossen.

Reaktor Teheran

Der wichtigste Forschungsreaktor steht in der iranischen Hauptstadt. Dort werden vor allem Isotope für medizinische Zwecke produziert. Die UN-Experten haben Zugang zu der Anlage.

Reaktoren in Planung

In den kommenden 20 Jahren plant der Iran den Bau mehrerer neuer Reaktoren. Wenige Details sind bekannt. Der meistdiskutierte Vorschlag ist ein Reaktor zur Energiegewinnung in Darchowin in der südwestlichen Provinz Chusestan. Er soll ausschließlich mit iranischer Technologie konstruiert werden. Der Iran hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) versprochen, seine Pläne zu erläutern.

Uranmine Saghand

Die bedeutendste Uranmine des Landes liegt in Saghand in der zentralen Provinz Jasd. Dort lagern die größten iranischen Vorkommen. Die Inspektoren dürfen die Mine betreten.

Uranmine Gachin

Eine kleinere Uranmine liegt am Persischen Golf. Ganz in der Nähe gibt es eine Raffinerie in Bandar Abbas. Seit 2006 wurden hier kleine Mengen von sogenanntem Yellowcake hergestellt. Dabei handelt es sich um ein gelbes, pulverförmiges Material aus Uranverbindungen, aus dem Brennstäbe hergestellt werden.

Uranmine Ardakan

Rund 500 Kilometer südlich von Teheran ist eine Raffinerie zur Produktion von Yellowcake geplant. Sie ist noch nicht in Betrieb.

Militäranlage Parchin

In Parchin südöstlich von Teheran befindet sich ein Militärgelände, auf dem konventionelle Waffen getestet werden. Die IAEA vermutet, dass dort eine unterirdische Anlage existiert, in der Zünder für Atomsprengköpfe getestet worden sein sollen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Zwar konnten die Inspektoren den Stützpunkt 2005 besuchen, seither verlangt die IAEA aber erneut Zugang, den sie aber bislang nicht bekam.

Der Westen verdächtigt das islamische Land, Atomwaffen erlangen zu wollen. Teheran sagt, sein Atomprogramm diene friedlichen Zwecken. Im November hatten die fünf Uno-Vetomächte USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland mit dem Iran vereinbart, dass Teheran in den nächsten sechs Monaten Teile des Programms einfriert. Dafür sollten Sanktionen gelockert werden.

Die deutsche Außenpolitik tut sich nach Darstellung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ weiter schwer mit einer Annäherung an Teheran. Während einige europäische Länder sich der neuen iranischen Regierung gegenüber öffneten, sei ein baldiges Treffen mit Präsident Hassan Ruhani in Berlin nicht geplant. Dies gelte als verfrüht, zitiert der „Spiegel“ Regierungskreise. Bislang habe der Iran außer Ankündigungen nichts geliefert, verlautete demnach aus dem Umfeld der Regierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wolle auch die israelische Regierung beruhigen, die der diplomatischen Offensive des Irans äußerst kritisch gegenübersteht.

Die Atomverhandlungen zwischen dem Iran und den fünf Vetomächten und Deutschland werden am Montag auf Expertenebene in Genf fortgesetzt. Dabei soll es erneut um die Umsetzung des Abkommens vom November gehen. Iran pocht auf ein schnelles Ende der Sanktionen, die die Wirtschaft des Landes in eine ernsthafte Krise geführt haben.

Von

dpa

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