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31.01.2011

06:47 Uhr

Nach schweren Unruhen

Ägyptens Revolution nimmt eine nächtliche Atempause

Trotz Ausgangssperre waren auch in dieser Nacht wieder ägyptische Bürger auf den Straßen Kairos. Doch im Gegensatz zu den Vortagen ist es weitgehend ruhig geblieben. Ganz anders sieht das in den Wohnvierteln aus, wo Bürgerwehren gegen Plünderer aufmarschiert sind. Ägyptens angezählter Präsident Husni Mubarak versucht indes mit Gesprächsangeboten an der Macht zu bleiben.

HB KAIRO. Auch in der Nacht zum Montag haben Demonstranten auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo ihren Protest gegen das Regime von Präsident Husni Mubarak fortgesetzt. Eine Korrespondentin des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira berichtete am frühen Morgen, dass einige hundert Menschen trotz geltender Ausgangssperre auf dem vom Militär gesicherten Platz ausgeharrt hätten. Ihre Zahl habe im Laufe der Nacht abgenommen; alles sei friedlich. Ansonsten seien die Straßen im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt weitgehend menschenleer.

In den Wohnvierteln Kairos, aus denen sich die Polizei weitgehend zurückgezogen hatte, versuchten weiterhin Bürgerwehren, Plünderer fernzuhalten. Auch Schüssen waren von dort zu hören. Allerdings seien auch in diesen Stadtgebieten in der Nacht mehr Militärfahrzeuge zu sehen gewesen als in den Nächten zuvor, berichteten Augenzeugen.

Nach Angaben der ägyptischen Staatsmedien will die Polizei am heutigen Montag in der Stadt wieder Präsenz zeigen. Einige Polizisten waren bereits am Sonntagabend wieder auf den Straßen zu sehen. Die Ausgangssperre wird unterdessen ausgeweitet: Sie beginnt nun bereits um 15.00 Uhr Ortszeit am Nachmittag und endet um 8.00 Uhr morgens

Ägyptens Präsident Husni Mubarak hat angesichts der Massenproteste seinen neuen Ministerpräsidenten Ahmad Schafik mit politischen Reformen beauftragt. „Ich verlange von Ihnen, das Vertrauen in unsere Wirtschaft wieder herzustellen“, sagte Mubarak am Samstag laut einem im Fernsehen vorgelesenen Brief an Schafik. Die staatlichen Subventionen sollten erhalten bleiben, die Inflation unter Kontrolle gebracht und Arbeitsplätze geschaffen werden. Darüber hinaus seien Schritte notwendig, um politische Reformen in der Verfassung und Gesetzgebung zu erzielen.

Der Staatschef sprach sich auch für einen „Dialog mit allen Parteien“ aus. Die staatliche Nachrichtenagentur Mena berichtete zudem, dass Mubarak in einem Telefongespräch mit US-Präsident Obama über politische Reformen gesprochen habe. Der seit 30 Jahren herrschende Mubarak gehört zu den wichtigsten Partnern der USA im Nahen Osten und gilt als stabile Stütze der Bemühungen um Frieden mit Israel.

Nach fünf Tagen Massendemonstrationen hatte sich die Lage in Ägypten am Wochenende zunächst etwas beruhigt. Das Militär bewachte Banken, Regierungsgebäude und große Kreuzungen. Mehr als hundert Menschen kamen bei den Protesten ums Leben, die meisten davon nach Informationen von Krankenhäusern, Rettungsdiensten und Augenzeugen am Freitag.

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