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02.08.2014

16:23 Uhr

Nach Soldaten-Entführung

Diplomatische Gaza-Lösung rückt in Ferne

Auf der Suche nach einem vermissten Soldaten durchkämmt Israels Armee den südlichen Gazastreifen. Das Kidnapping versetzt den Vermittlern einen schweren Rückschlag - in Israel hält man die Diplomatie für gescheitert.

Die Kämpfe im Gazastreifen gehen weiter: Die Waffenruhe hatte keine zwei Stunden gehalten. Reuters

Die Kämpfe im Gazastreifen gehen weiter: Die Waffenruhe hatte keine zwei Stunden gehalten.

JerusalemNach der Entführung eines israelischen Soldaten im Gazastreifen wird eine diplomatische Lösung für den Gaza-Konflikt immer schwieriger. „Mit der Hamas über einen Waffenstillstand zu reden, hat keinen Sinn“, sagte ein hoher israelischer Regierungsbeamter am Samstag der Zeitung „Haaretz“. Vorerst werde auch keine israelische Delegation nach Kairo reisen, um an Gesprächen über eine Feuerpause teilzunehmen. Möglicherweise beendet Israel nach den Worten des Regierungsmitarbeiters den Militäreinsatz sogar, ohne überhaupt eine Waffenruhe zu vereinbaren.

Ob der entführte 23 Jahre alte Leutnant Hadar Goldin überhaupt noch am Leben ist, blieb unklar. Die israelische Armee suchte am Samstag mit einem massiven Militäreinsatz weiter nach dem Vermissten. Militante Mitglieder der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas hatten den Leutnant am Freitag nahe der im Süden gelegenen Stadt Rafah verschleppt.

Zahlen und Fakten zum Gaza-Streifen

Größe und Bevölkerungsdichte

1,8 Millionen Menschen auf 360 Quadratkilometern

Junge Bevölkerung

43,2 Prozent der Bewohner in Gaza sind jünger als 15 Jahre (in Deutschland 14 Prozent, Quelle: statistisches Bundesamt). Nur 2,6 Prozent sind älter als 65 (in Deutschland 21 Prozent).

Arbeitslosigkeit

Laut IWF liegt die Arbeitslosigkeit im Gaza-Streifen bei 40 Prozent. Zum Vergleich: In Israel sind es 6,2 Prozent.

Legaler Übergang?

Es gibt nur einen legalen Übergang für Waren: den Grenzposten Kerem Shalom im Süden des Gaza-Streifens nach Israel.

 

Nahrungsmittelhilfe

Laut BBC erhalten 80 Prozent der Bevölkerung irgendeine Form von Nahrungsmittelhilfe, zum Beispiel durch die Uno.

Leitungswasser

Nur 5,5 Prozent des Leitungswassers genügen den Trinkwasserstandards der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Elektrizität

Es gibt nur ein Kraftwerk im Gaza-Streifen, es produziert Strom für circa ein Drittel der Bevölkerung. Mangels Kraftstoff fällt es jedoch regelmäßig aus. Bereits vor Kriegsbeginn hatten die Bewohner Gazas so nur circa acht Stunden Strom pro Tag. Seit den Angriffen auf das Kraftwerk am 29. Juli sind es, wenn überhaupt, noch zwei Stunden Strom pro Tag.

Abwasser

Durch die mangelnde Stromversorgung kann das Abwasser nicht ausreichend behandelt werden. Laut BBC werden daher pro Tag etwa 90 Millionen unbehandeltes Wasser ins Mittelmeer gepumpt.

Seine Einheit hatte an der Zerstörung eines nach Israel reichenden Angriffstunnels gearbeitet, als sie von dem Hamas-Kommando überrascht wurde. Ganze Truppenformationen durchkämmten am Samstag Häuser und verdächtige Orte, berichtete „Haaretz“. Massives Artilleriefeuer unterstützte die Suche.

Das Schicksal des Israelis bleibt weiter ungewiss. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Al-Kassam-Brigaden, bestritt am Samstagmorgen, den Soldaten in seine Gewalt gebracht zu haben. „Wir haben den Kontakt zu den an dem Überfall beteiligten Kämpfern verloren, und wir vermuten, dass sie alle bei dem (nachfolgenden israelischen) Bombardement getötet wurden“, hieß es in einer Mitteilung. Dabei sei wohl auch der Soldat ums Leben gekommen.

Der israelischen Armee zufolge ereignete sich der Angriff anderthalb Stunden nach Beginn einer dreitägigen humanitären Waffenruhe, die die Vereinten Nationen (UN) und die USA zwischen Israel und militanten Palästinensern vermittelt hatten. Israel erklärte daraufhin die Waffenruhe für gescheitert und verstärkte seine Angriffe.

Ein ranghohes Hamas-Mitglied widersprach dieser Darstellung. Die Entführung sei vor Beginn der Waffenruhe passiert, sagte Mussa Abu Marsuk, der Vize-Auslandschef der Organisation, der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

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