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19.05.2011

14:45 Uhr

Nach Strauss-Kahn-Rücktritt

Türkei rüttelt an EU-Vorrecht auf IWF-Chefposten

Für die Europäer steht fest: neuer IWF-Chef soll wieder ein Europäer werden. Doch die Schwellenländer stellen sich quer und pochen darauf, erstmals aus ihren Reihen den Chef der mächtigen Finanzinstitution zu stellen.

Türkischer Finanzminister Mehmet Simsek. Quelle: Reuters

Türkischer Finanzminister Mehmet Simsek.

Batman/Brüssel/BerlinDie Türkei macht massiv Front gegen europäische Überlegungen den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) wieder mit einem Europäer zu besetzen. "Europa ernennt den Chef des Internationalen Währungsfonds. Das muss sich ändern", sagte Finanzminister Mehmet Simsek am Donnerstag in Batman. "Die Schwerkraft der Welt verschiebt sich vom Westen in den Osten." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die EU-Kommission hatten sich zuvor bereits für eine europäische Lösung stark gemacht.

In der Debatte über die Nachfolge des zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn wird auch der Türke Kemal Dervis genannt. Dervis ist derzeit Vizepräsident der Washingtoner Denkfabrik Brookings Institution.

Simsek hatte sich zuletzt offensiv selbst als Nachfolger von Strauss-Kahn ins Gespräch gebracht. "Wenn ein Türke Chef des IWF würde, wäre das die natürliche Wahl", hatte der 44-Jährige in einem Interview mit dem Fernsehsender Kanal 24 erklärt. "Ich habe überhaupt keine Defizite in den Bereichen Erfahrung oder Expertise", fügte er ohne falsche Bescheidenheit hinzu.

Die Türkei ist mit ihrer Haltung nicht allein. Auch aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien pochen darauf, dass erstmals ein Vertreter eines Schwellenlandes die Führung des IWF übernimmt. Seit der IWF-Reform im vergangenen Herbst haben Schwellenländer aufgrund ihres gestiegenen Gewichts in der Weltwirtschaft mehr Einfluss beim Währungsfonds.

Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums in Peking sagte mit Blick auf den IWF-Chefposten, es sollten die Grundsätze der "Gerechtigkeit, Transparenz und Leistung" gelten. "Grundsätzlich glauben wir, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer in den Spitzenpositionen vertreten sein sollten."

Der IWF ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der Währungsfonds eine wichtige Rolle.

Die Chronologie des Strauss-Kahn-Skandals

Samstag 14. Mai

Strauss-Kahn wird in New York festgenommen. Nach der später veröffentlichten Anklageschrift soll der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) in seiner Hotelsuite versucht haben, ein 32-jähriges Zimmermädchen zu vergewaltigen. Es war zum Aufräumen gekommen.

Sonntag 15. Mai

Die Frau identifiziert Strauss-Kahn, wie Medien berichten.

Montag 16. Mai

Eine New Yorker Richterin entscheidet, dass Strauss-Kahn vorerst in Haft bleibt. Sie begründet dies mit Fluchtgefahr. Eine Kaution von einer Million Dollar lehnt sie ab. Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last: „Sexuelle Belästigung ersten Grades“, dafür drohen 25 Jahre Haft. Hinzu kommt „versuchte Vergewaltigung ersten Grades“, dafür könnten 15 Jahre verhängt werden. Ferner geht es zweimal um „sexuellen Missbrauch“, „Freiheitsberaubung“ und „unsittliches Berühren“. Erste Berichte über ein Alibi des 62-Jährigen tauchen auf. Nach unbestätigten Meldungen französischer Medien war der IWF-Chef zur mutmaßlichen Tatzeit gar nicht im Hotel, sondern traf seine Tochter. Er habe seine Hotel-Rechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sei dann Essen gegangen. Eine regierungsnahe französische Website veröffentlicht angebliche Polizeiprotokolle und diplomatische Berichte. Danach hat die Polizei DNA-Spuren, vermutlich Sperma, sichergestellt. Auf Strauss-Kahns Oberkörper seien Kratzspuren zu sehen gewesen. Die New Yorker Justiz prüft, ob der IWF-Chef schon einmal eine Frau angegriffen hat. Ein früherer Fall außerhalb der USA gleiche in groben Zügen dem aktuellen Vorwurf.

Dienstag 17. Mai

Strauss-Kahn soll nach Angaben eines New Yorker Boulevardblattes die Möglichkeit von „einvernehmlichem Sex“ eingeräumt haben. Er genießt nach Angaben des IWF keine diplomatische Immunität. Das Zimmermädchen will gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds aussagen, sagt ihr Anwalt dem Sender CNN. Sie arbeite bereits mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. In seiner Gefängniszelle bleibt der IWF-Chef wegen angeblicher Selbstmordgefahr rund um die Uhr unter Beobachtung.

Mittwoch 18. Mai

Die Lage für Strauss-Kahn wird immer prekärer. US-Finanzminister Geithner fordert offen eine Übergangslösung für die Führung des Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor der Grand Jury aus. Der Fernsehsender CNN berichtet, dass die 32-Jährige abgeschirmt in New York vernommen wird. Die Grand Jury hat letztlich zu entscheiden, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Die „New York Post“ meldet, Strauss-Kahns mutmaßliches Opfer habe möglicherweise Aids.

Donnerstag 19. Mai

Strauss-Kahn zieht die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Außerdem kommt er gegen eine Kaution von rund einer Millionen Dollar in bar frei. Er bleibt unter Hausarrest und muss eine elektronische Fußfessel tragen.

Montag, 23. Mai

Strauss-Kahn streitet in einer E-Mail an seine ehemaligen IWF-Kollegen alle Vorwürfe der versuchten Vergewaltigung vehement ab. "Ich bin zuversichtlich, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird und ich entlastet werde", schreibt er in dem veröffentlichten Brief. Gleichzeitig kommen neue Indizien ans Licht. Auf der Kleidung des Zimmermädchens und dem Teppich des Hotelzimmers befanden sich Spermaspuren.

Dienstag, 24. Mai

Die Spermaspuren auf dem Kleid des Zimmermädchen stimmen mit der DNA von Strauss-Kahn überein, berichten mehrere Medien. Die Anwälte des Ex-IWF Chefs äußern sich zunächst nicht dazu.

Donnerstag, 26. Mai

Strauss-Kahn hat eine neue Bleibe in New-York: Das Apartment soll im Stadtteil Tribeca liegen. Dort steht er bis zum Beginn des Prozess unter Hausarrest.

Freitag, 1. Juli

Wende im Fall Dominique Strauss-Kahn: Offensichtlich ist die Glaubwürdigkeit der Frau, die dem ehemaligen IWF-Chef versuchte Vergewaltigung vorwirft, erschüttert. Nach Haft und verschärftem Hausarrest ist Strauss-Kahn wieder auf freiem Fuß. Doch er darf die USA vorerst nicht verlassen.

Kommentare (5)

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EU_und_die_Tuerkei

19.05.2011, 15:35 Uhr

Aha.
Einserseits sich als europäisches Land 'deklarieren'
(z.B. erstrebte EU-Mitgliedschaft - wohl nur um das noch-nichtislamistische Europa von innen zu zersetzen oder unbedingt immer mitspielen / mitmachen-wollen in europäischen Fussball- usw. -Wettbewerben)
und nun plötzlich das wahre Gesicht zeigen: Nämlich Nahost-Moslems zu sein mit eben exakt denselben Werten und Getue.
Hoffentlich merkt das Appeasement-Europa nun allmählich, dass Wien 1683 nur ein kleiner Sieg war in einer endlosen Geschichte des zu bekämpfenden Vormachtstrebens dieser Türken.

Che

19.05.2011, 15:43 Uhr

Shalom i Spiritui Sancto Vatikan,Got Bless the USA.
Ja,das habe ich mir schon gedacht,die mir bekannten Antonym Opfer sind:Bill Clinton,Yasser Arafat,Ariel Scharon,Johannes Paul II und nun auch Dominique Strauss-Kahn,(Deutsch-Türkische executioner-Freundschaft).
Vom Schizoiden,Schwulen,Viren,Poison-gas,Gestapo-Sekten-Antonym Betroffen:Yes,We Can.Never Forget.Never Forgive.
In this sense:Got Bless Barack Obama and his family!!!

apollo

19.05.2011, 18:30 Uhr

Der Deutsch-Türke Kemal Dervis ist wirklich ein Topkandidat als neuer IMF-Boss: http://de.wikipedia.org/wiki/Kemal_Dervi%C5%9F

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