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09.06.2016

15:45 Uhr

Nach Tel-Aviv-Angriff

Israel verschärft Sicherheitsmaßnahmen

Nach den Anschlägen in Tel Aviv kassiert die Regierung in Israel mehr als 80.000 Einreisegenehmigungen für Palästinenser, Arbeitserlaubnisse erlöschen. Premier Netanjahu hat weitere Sicherheitsmaßnahmen angekündigt.

Zum Gedenken an die Opfer zünden zwei Israelis Kerzen vor dem Ort des Anschlags an. AFP; Files; Francois Guillot

Tatort

Zum Gedenken an die Opfer zünden zwei Israelis Kerzen vor dem Ort des Anschlags an.

Tel AvivAls Reaktion auf den Anschlag in Tel Aviv hat das israelische Militär am Donnerstag mehr als 80.000 Einreisegenehmigungen für Palästinenser zurückgezogen. Die Papiere waren ausgegeben worden, damit die Palästinenser im Fastenmonat Ramadan Verwandte in Israel besuchen können. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte zudem weitere Sicherheitsmaßnahmen an. Israel werde jene finden, die mit den Angreifern kooperiert hätten, sagte der Regierungschef bei einem Besuch am Tatort. „Wir werden entschlossen und intelligent handeln, um den Terrorismus zu bekämpfen.“

Am Mittwochabend hatten zwei Männer aus dem Westjordanland in Tel Aviv um sich geschossen und vier Menschen getötet. Sieben Menschen wurden verletzt, darunter einer der Angreifer. Tatort war eine Gegend mit beliebten Cafes und Restaurants in unmittelbarer Nähe des Verteidigungsministeriums und des Armee-Hauptquartiers. Die beiden Täter wurden festgenommen. Sie sollen aus einem Dorf bei Hebron stammen. Sie waren Berichten zufolge in Anzug und Krawatte gekleidet und gaben sich als Gäste eines Restaurants bevor sie automatische Waffen hervorzogen und begannen, um sich zu schießen.

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Radikale Palästinenser-Gruppen wie die Hamas äußerten sich positiv über das Attentat. „Es ist klar, dass sie sich Zeit nahmen, den Angriff zu planen, zu üben und ihr Ziel auszuwählen“, sagte Barak Ben-Zur, ein früherer Ermittler des Staatsschutzes Schin Bet. Sie hätten offenbar auch Unterstützung erhalten. „Wir wissen allerdings nicht sicher, wer ihre Unterstützer sind.“

Die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas

Zweitgröße Palästinenserorganisation

Die radikal-islamische Hamas ist die zweitgrößte Palästinenserorganisation. Die 1987 gegründete Gruppe bestreitet das Existenzrecht Israels und fordert die gewaltsame Errichtung eines islamischen Palästinas vom Mittelmeer bis zum Jordan. Ihr militärischer Arm, die Kassam-Brigaden, hat in der Vergangenheit Dutzende tödliche Anschläge auf Israelis verübt.

Hamas im Gazastreifen

Seit 2007 herrscht die Hamas im palästinensischen Gazastreifen. Damals vertrieb sie die gemäßigtere Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gewaltsam aus dem Küstenstreifen.

17.000 Raketen

Seither haben die militanten Palästinenser mehr als 17.000 Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert, wie die israelische Armee sagt. Die Fatah herrscht seit 2007 nur noch in den nicht von Israel verwalteten Teilen des Westjordanlandes. Es gibt jedoch auch im Westjordanland aktive Hamas-Zellen.


Einstufung als Terrororganisation

Die Hamas und ihre Milizen werden unter anderem von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Strategiewechsel

Nach 2007 änderte die Hamas ihre Strategie und zeigte grundsätzlich Bereitschaft zu einer langfristigen Waffenruhe mit Israel. Diese ist jedoch nicht in Sicht. Bis zu einer solchen Vereinbarung setzt die auch im Sozialbereich engagierte Organisation weiter auf den „bewaffneten Widerstand“.

Zunächst wurde der Heimatort der Angreifer, Yatta, abgeriegelt. Außerdem wurden die Arbeitserlaubnisse von 204 Verwandten der Täter für ungültig erklärt. Die Armee teilte später mit, sie werde noch am Donnerstag zwei zusätzliche Bataillone in das Westjordanland verlegen. Ein Bataillon umfasst in der israelischen Armee etwa 300 Soldaten. Seit Oktober hatte es monatelang fast täglich Angriffe von Palästinensern auf Israelis gegeben. Zuletzt war es jedoch seltener zu solchen Attacken gekommen.

Ob die nun verhängten Einreisenbeschränkungen die Lage beruhigen, bleibt offen. Früher hatten solche Maßnahmen ebenso wie die Sperrung des Geländes der Al-Aksa-Moschee im Zentrum Jerusalems eher zu einer Aufheizung der Stimmung geführt.

Von

rtr

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