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23.05.2017

12:26 Uhr

Nach Terror in Manchester

May dürfte mit Slogan der „starken und stabilen Führung“ punkten

VonKatharina Slodczyk

Nach dem Selbstmordanschlag in Manchester könnte die Wahlkampfkampagne der britischen Premierministerin Theresa May einen Schub bekommen – auch wenn das zynisch klingt. Denn jetzt brauchen die Bürger vor allem Stabilität.

Die britische Premierministerin dürfte gestärkt aus der Wahlkampfpause hervorgehen. Reuters

Theresa May

Die britische Premierministerin dürfte gestärkt aus der Wahlkampfpause hervorgehen.

LondonIn Zeiten der Not besinnen sich Menschen auf das, was sie kennen. Nach dem Terroranschlag in Manchester, bei dem nach Polizeiangaben 22 Menschen uns Leben gekommen sind, darunter auch Kinder und Jugendliche, und rund 60 verletzt wurden, könnte die Wahlkampfkampagne von Premierministerin Theresa May einen neuen Schub bekommen – so zynisch das auch klingen mag. Diese war zuletzt wegen ihrer umstritten Pläne zur Reform der Pflege im Alter, ins Stocken geraten.

Nach dem Anschlag in einer Konzerthalle in Manchester haben Politiker sich aber erst mal eine Wahlkampfpause verordnet. May sagte bei einer Ansprache, dass Polizei wahrscheinlich die Identität des Täters kenne, aber noch keine Details nennen wolle. Zudem werde noch ermittelt, ob der Täter ganz allein handelte oder als Teil eines Netzwerks. May sagte, dies sei die schlimmste Attacke, die Manchester je erlebt hat. Es sei eine besonders feige Attacke, weil es gerade junge Menschen traf.

Viele der 59 Verletzten in Manchester sind May zufolge schwer verletzt und schweben teils noch in Lebensgefahr, darunter Kinder und Jugendliche. Das Bedrohungsszenario bleibe nach dem Anschlag in Manchester gleich. Ein Anschlag sei weiterhin sehr wahrscheinlich, sagte May. Vor Großbritannien lägen nun schwierige Tage. Das ganze Land halte zu den Menschen in Manchester und gedenke der Toten und Verletzten. „Unsere Werte, unser Lebensstil werden immer gewinnen.“

Zuvor hatte Premierministerin May hat eine Krisensitzung einberufen und Opfern und Angehörigen des Anschlags ihr Mitgefühl ausgesprochen: „Wir sind dabei, alle Einzelheiten dessen, was von der Polizei als entsetzlicher Terroranschlag behandelt wird, herauszuarbeiten. All unsere Gedanken sind bei den Opfern und den Familien von allen, die betroffen sind.“

Labour-Chef Corbyn schrieb über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Furchtbarer Vorfall in Manchester. Meine Gedanken sind bei den Betroffenen und unseren großartigen Rettungsdiensten.“ Dies dürfte der wohl verheerendste Terroranschlag seit den Anschlägen im Sommer 2005 in London sein. Damals sind mehr als 50 Menschen getötet worden. Ende März dieses Jahres gab es bei einem Angriff im Londoner Regierungsviertel vier Tote und mehr als 50 Verletzte.

+++ Live-Blog Manchester+++: Behörden haben Attentäter identifiziert

+++ Live-Blog Manchester+++

Behörden haben Attentäter identifiziert

Bei dem Selbstmordattentat auf einem Konzert in Manchester sind laut Polizei mindestens 22 Menschen gestorben. Britische Behörden haben den Attentäter inzwischen identifiziert. Die Ereignisse zum Nachlesen im Live-Blog.

In Manchester handelte es sich nach Angaben der Polizei um einen Selbstmordanschlag. Ein Mann habe einen eigens gebauten Sprengsatz am Körper getragen und am späten Montagabend im Eingangsbereich der Konzerthalle zur Detonation gebracht. Der Täter sei ebenfalls unter den Opfern, so die Polizei.

Die britischen Parteien entschieden sich, den Wahlkampf aus Respekt vorübergehend auszusetzen. Trotzdem haben einige Unterstützer der konservativen Tory-Partei den Vorfall in Manchester bereits zu Gunsten von May zu nutzen versucht. So schrieb ein Twitter-Nutzer, der Vorfall sei gut für May. Ein anderer schrieb, man müsse sich jetzt mal Corbyn als Regierungschef vorstellen und unterstrich seine Aussage mithilfe eines weinenden Smileys.

Wenn sich der erste Schock gelegt hat und die Politiker ihren Wahlkampf wieder aufnehmen, erwarten Beobachter, dass May erneut mit ihrem Argument der „starken und stabilen Führung“ zu punkten versuchen wird.

Sie präsentiert sich als verlässliche Regierungschefin, die das Land durch unsichere Zeiten und aus der EU führt. Dafür will sie eine stabile Mehrheit. Deshalb hat sie Neuwahlen für den 8. Juni ausgerufen. Oppositionschef Jeremy Corbyn sehen etliche Wähler dagegen als „unsicheren Kantonisten“, weil er teilweise extreme Positionen vertritt und bei einigen Themen eine klare Festlegung vermeidet. Mit ihrem Slogan der „starken und stabilen Führung“ kam May in den vergangenen Wochen gut an. In Umfragen hatte sie teilweise einen Vorsprung von mehr als 20 Prozentpunkten gegenüber Corbyn.

Doch dieser ist in den vergangenen Tagen deutlich gesunken. Denn sie hat bei der Veröffentlichung ihres Wahlprogramms am vergangenen Donnerstag einen bei älteren Briten äußerst unpopulären Schritt verkündet. Sie wollte Rentner stärker bei den Ausgaben für die Pflege im Alter zur Kasse bitten. Am Montag ruderte sie zurück.

Kommentare (3)

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Frau Lana Ebsel

23.05.2017, 10:54 Uhr

Da kann sich Schulz von der SPD noch einmal überlegen, ob es reicht, lediglich populistisch zu tönen, "Die SPD tut was für die Sicherheit der Bürger und stellt mehr Polizisten ein!", aber gleichzeitig der Polizei jegliche Mittel zur Verbrechensbekämpfung aus ideologischen Gründen zu verweigern.

Herr Günther Schemutat

23.05.2017, 11:09 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Tante Mila

23.05.2017, 11:30 Uhr

EIgentlich reichlich unverstndlich diese Argumentation - oder ist etwa dieser Anschlag nicht unter "starken Führung" dieser Regierung passiert?

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