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25.05.2017

13:46 Uhr

Nach Terroranschlag in Manchester

Britische Polizei stoppt Zusammenarbeit mit USA

Woher stammen die geheimen Informationen? US-Medien berichten detailliert über den Terroranschlag in Manchester. Britische Ermittler verdächtigen die Geheimdienste - und verweigern nun die Zusammenarbeit.

Die Veröffentlichung geheimer Informationen stört die Arbeit der Ermittler.

Polizisten in Manchester

Die Veröffentlichung geheimer Informationen stört die Arbeit der Ermittler.

LondonNach dem Selbstmordanschlag von Manchester sind geheime Ermittlungsergebnisse an die Öffentlichkeit geraten. Die britische Polizei warf den US-Geheimdiensten vor, Fotos von Teilen der verwendeten Bombe und den Namen des mutmaßlichen Attentäters an die Medien durchgestochen und damit die Ermittlungen in Gefahr gebracht zu haben.

Premierministerin Theresa May wollte das Thema bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Brüssel zur Sprache bringen. Britische Offizielle seien wütend über die Veröffentlichungen, berichtete der „Guardian“. Es habe Interventionen auf allen Ebenen der Regierung gegeben. Nach einem BBC-Bericht wird die Polizei von Manchester zudem keine Informationen über den Terroranschlag mehr an die USA liefern.

Terror aus dem eigenen Land

„Homegrown Terrorism“

Stammt ein Attentäter aus dem angegriffenen Land – so wie beim jüngsten islamistischen Terroranschlag in Großbritannien – spricht man von „homegrown terrorism“. Übersetzt bedeutet der englischsprachige Begriff: „selbstgezüchteter Terrorismus“ oder „hausgemachter Terrorismus“.

Im Westen sozialisiert

Es kann sich bei den Tätern um Kinder von Einwanderern handeln, die über Jahrzehnte in Ländern mit westlicher Staats- und Gesellschaftsordnung sozialisiert wurden – oder um Staatsbürger, die zum Islam übertraten und sich immer weiter radikalisierten.

Radikalisierung im Netz

Die Täter kennen sich besonders gut mit der Sprache, den Regeln und der Umgebung in den Zielländern aus. Eine Radikalisierung geschieht häufig über Internetpropaganda. Gibt es eine praktische „Ausbildung“ zum Terroristen, findet sie oft in Trainingslagern im Ausland statt.

Viele Fälle in Europa

Zu den „homegrown“-Terroristen zählen etwa einige der Angreifer bei der Anschlagsserie in Paris im November 2015 unter anderem auf den Club „Bataclan“. Auch die Attacke auf die Londoner U-Bahn 2005 und die Bombenanschläge auf Pendlerzüge in Madrid 2004 werden in der Regel dem „homegrown“-Terrorismus zugerechnet.

Auch Deutschland ist betroffen

In Deutschland wird die 2007 gefasste Sauerland-Gruppe dazugezählt, die Anschläge auf Diskotheken und Flughäfen plante. Ebenso wuchsen etwa die IS-Sympathisantin Safia S., die Angreifer auf einen Sikh-Tempel in Essen und der Attentäter vom Frankfurter Flughafen, Arid Uka, in Deutschland auf.

In Großbritannien wird vermutet, dass US-Geheimdienstquellen forensische Aufnahmen vom Tatort in der Manchester Arena der „New York Times“ zugespielt haben. Die Fotos zeigen offensichtlich einen Zünder, Metallmuttern und Schrauben sowie einen blauen Rucksack, in dem die Bombe gewesen sein könnte. Bereits am Dienstag veröffentlichten US-Medien den Namen des Attentäters. Bei dem Anschlag auf ein Popkonzert am Montag starben 22 Menschen.

Die Nationale Britische Anti-Terrorpolizei erklärte, die undichten Stellen unterhöhlten die Ermittlungen. Man schätze die wichtigen Beziehungen zu Geheimdiensten, Polizei und Sicherheitspartnern weltweit hoch ein. „Wenn dieses Vertrauen gebrochen wir untergräbt das diese Beziehungen und untergräbt unsere Ermittlungen und das Vertrauen der Opfer, Zeugen und ihrer Familien“, sagte ein Sprecher. Der Schaden sei noch größer, wenn mögliche Beweise mitten in einer großen Anti-Terror-Ermittlung unerlaubt veröffentlicht würden.

Kurzzeitige Terrorangst erfasste Manchester, als im Stadtteil Hulme am Donnerstag ein verdächtiges Paket gesichtet wurde. Polizisten und Soldaten sowie ein Bombenentschärfungskommando wurden umgehend herbeigerufen. Nach gut einer Stunde hieß es aber, dass von dem Paket keine Gefahr ausgehe und dass die Sperrung der Gegend wieder aufgehoben werde. Zuvor hatte die Polizei bei einer Razzia in dem Manchester Viertel Moss Side in der Nacht bereits eine kontrollierte Explosion ausgelöst.

Die britische Premierministerin Theresa May sagte, bei den Ermittlungen seien auf jeden Fall Fortschritte gemacht worden. Die Terrorwarnstufe bleibe aber weiter auf der höchsten Stufe. Das bedeutet, dass ein neuer Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte. Die Bevölkerung solle wachsam sein.

Kommentare (1)

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Herr Tomas Maidan

25.05.2017, 14:03 Uhr

Trump ist schlichtweg zu allen illoyal. Er ist ein Mafiosi, der sich jederzeit aus allen Verpflichtungen herauswindet. Er hat bereits in der Vergangenheit mit russischen und amerikanischen Verbrechern jede Menge krumme Geschäfte gemacht. Wieso sollte er in der Politik anders handeln?

http://www.heute.de/zdfzoom-dokumentation-gefaehrliche-verbindungen-trump-und-seine-geschaeftspartner-47232790.html

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