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21.11.2015

17:32 Uhr

Nach Terroranschlag

Mali sucht Komplizen der Täter

Nach dem Geiseldrama in Malis Hauptstadt sucht die Regierung mit Hochdruck nach Komplizen der Täter. Vizekanzler Gabriel sagte Frankreich unterdessen Unterstützung beim Militär-Einsatz in Mali zu.

Ein Militärfahrzeug vor dem Radisson Blu in Mali AFP

Mali

Ein Militärfahrzeug vor dem Radisson Blu in Mali

BamakoNach dem Anschlag islamistischer Terroristen auf ein Luxushotel im westafrikanischen Mali fahndet die Regierung in Bamako nach Komplizen. Man nehme an, dass die beiden Terroristen, die bei dem Anschlag am Freitag ums Leben kamen, nicht allein gehandelt hätten, sagte ein Sprecher des Ministeriums für Innere Sicherheit der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Bei der Geiselnahme seien 21 Menschen - einschließlich der beiden Angreifer - getötet worden, bestätigte Präsident Ibrahim Boubacar Keïta am Samstag im nationalen Fernsehen. Viele der Todesopfer sind Ausländer.

„Wir können nicht mit Sicherheit sagen, wer hinter dem Anschlag steckt. Unsere Nachforschungen sind in vollem Gang“, sagte Minister für Innere Sicherheit, Salif Traore, bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Bamako. Berichten zufolge bekannten sich zwei mit dem Terrornetz Al-Kaida verbundene Islamistengruppen zu dem Anschlag. Frankreichs Regierung vermutet hinter dem Terrorangriff den einäugigen Al-Kaida-Veteranen Mokhtar Belmokhtar, der bereits vor Monaten von der libyschen Regierung für tot erklärt worden war und als Anführer des Terrornetzwerks im nördlichen Afrika gilt.

Terrorüberfälle auf Hotels

Somalia November 2015

Terroristen haben wie jetzt in Malis Hauptstadt Bamako in den vergangenen Jahren mehrfach Hotels angegriffen, zuletzt in Somalia: Terroristen richten in Mogadischu ein Blutbad in einem bei Politikern und Geschäftsleuten beliebten Hotel an. Mindestens 17 Menschen werden getötet. (Quelle: dpa)

Mali August 2015

Bei einer Geiselnahme in mehreren Hotels in Sévaré kommen 13 Menschen ums Leben, darunter 5 UN-Mitarbeiter.

Tunesien Juni 2015

Bei einem Anschlag auf ein Touristenhotel im Mittelmeer-Badeort Sousse werden 38 Menschen getötet.

Afghanistan März 2014

Bei einem Taliban-Angriff auf das Luxushotel Serena in Kabul sterben insgesamt 13 Menschen.

Afghanistan Juni 2012

Beim Angriff von Taliban auf ein Ausflugshotel in Kargah bei Kabul werden mindestens 26 Menschen getötet.

Mali November 2011

Bewaffnete stürmen in der Stadt Hombori ein Hotel und entführen zwei Franzosen und halten sie jahrelang gefangen.

Afghanistan Juni 2011

Taliban stürmen ein Luxushotel in Kabul. Die Internationale Schutztruppe Isaf schlägt den Angriff nieder. Alle neun Angreifer, neun Zivilisten und zwei Polizisten kommen ums Leben.

Pakistan Juni 2011

In Peshawar explodiert zunächst in einem Hotel ein kleiner Sprengsatz. Als sich Menschen in der Straße versammeln, sprengt sich ein Mann in die Luft. Mindestens 35 Menschen sterben.

Irak Januar 2010

Vor drei Hotels in Bagdad explodieren nahezu zeitgleich Autobomben. Mindestens 38 Menschen sterben.

Somalia Dezember 2009

Drei somalische Minister und 21 weitere Menschen werden bei einem Anschlag in einem Hotel in Mogadischu getötet.

Indonesien Juli 2009

Bei Bombenexplosionen im Ritz Carlton und im Marriott in Jakarta sterben mindestens neun Menschen.

Pakistan Juni 2009

Bei einem Anschlag auf das Luxushotel Pearl Continental in Peshawar sterben mindestens 18 Menschen.

Indien November 2008

In Mumbai werden bei einer Terrorserie mindestens 171 Menschen getötet. Terroristen greifen auch die Hotels Taj Mahal und Oberoi Trident an und nehmen dort zahlreiche Geiseln.

Der Einsatz der Spezialkräfte im Radisson Blu Hotel sei mittlerweile abgeschlossen, sagte der malische Minister. Das Gelände um das Hotel bleibe aber abgesperrt, während das Justizministerium versuche, die Leichen zu identifizieren.

Nach Angaben des Moskauer Außenministeriums wurden auch sechs Russen getötet. Die Opfer seien Mitarbeiter der Frachtfluglinie Wolga-Dnjepr gewesen, teilte die Gebietsverwaltung von Uljanowsk an der Wolga mit. Dort hat die Fluglinie ihren Sitz. Sechs andere Russen seien befreit worden. Der belgische Außenminister Didier Reynders teilte über Twitter mit, dass unter den Toten auch zwei Belgier seien. Außerdem sollen mindestens drei Chinesen und eine US-Bürgerin umgekommen sein.

Nach Angaben des Hotelbetreibers Rezidor befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs 170 Menschen in dem 190-Zimmer-Hotelgebäude, das später von malischen Sicherheitskräften und ausländischen Spezialeinheiten gestürmt wurde. Nach Angaben des Justizministeriums wurden 105 Geiseln bereit. Rund 40 Menschen konnten während des Angriffs unversehrt fliehen. Nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier blieben die vier Deutschen, die sich in dem Hotel aufgehalten hatten, unverletzt. Auch türkische, indische und französische Staatsbürger waren zur Zeit des Überfalls dort.

Malis Regierung verhängte in der Nacht zum Samstag den Ausnahmezustand. Er gilt zehn Tage lang für das gesamte Staatsgebiet. Am Montag soll zudem eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen werden.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Terroranschlag am Samstag. „Die Grausamkeit festigt nur unsere Entschlossenheit, diese Herausforderung anzunehmen“, sagte Obama in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur am Rande des Gipfeltreffens der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean). Französische und amerikanische Truppen, die in Mali Ausbildungsprogramme durchführten, hätten die einheimischen Sicherheitskräfte unterstützt, sagte Obama. „Wir stehen an der Seite der Menschen in Mali, die ihr Land von Terroristen säubern und die Demokratie stärken wollen“, sagte er.

Der unruhige Krisenstaat Mali

Lebenserwartung

Das westafrikanische Mali mit seinen knapp 17 Millionen Einwohnern gehört zu den ärmsten Ländern der Welt (Rang 176 von 187 laut Uno-Entwicklungsindex). Die durchschnittliche Lebenserwartung in dem westafrikanische Wüstenstaat liegt der Weltbank zufolge bei 55 Jahren (Deutschland: 81).

Nach dem Putsch

Seit einem Militärputsch vor dreieinhalb Jahren lassen radikale Islamisten und separatistische Tuareg-Rebellen das Land nicht zur Ruhe kommen. Nach dem Putsch hatten Islamisten den dünn besiedelten Norden Malis eingenommen. Erst mit Eingreifen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich konnten sie wieder zurückgedrängt werden.

Truppen

Seit 2013 versuchen die Vereinten Nationen mit einer gut 11.000 Mann starken Blauhelmtruppe dort für Ordnung zu sorgen. Für die UN-Stabilisierungsmission Minusma ist auch die Bundeswehr mit mehr als 200 Soldaten in Mali im Einsatz, vor allem im Süden. In der Hauptstadt Bamako sind aktuell zudem rund 50 deutsche Soldaten als Teil der European Training Mission in Mali (EUTM Mali) stationiert. Weiterhin sorgen aber Islamisten und kriminelle Banden für eine angespannte Sicherheitslage und verwickeln die Regierungstruppen immer wieder in Kämpfe.

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sagte Frankreich am Samstag die Unterstützung der deutschen Regierung beim militärischen Einsatz in Mali zu. „Natürlich werden wir Frankreich helfen“, sagte Gabriel nach einer Begegnung mit Frankreichs Staatspräsident François Hollande in Paris. Wenn die Franzosen Entlastung in Mali wollten, „dann werden wir sie natürlich auch dabei unterstützen“, sagte er der ARD. Bislang gebe es noch keine konkreten Anforderungen. Er erwarte aber, dass die Regierung in Paris dies in den nächsten Tagen konkretisieren werde.

Der Anschlag dürfte die Debatte über das Bundeswehr-Engagement in Mali anheizen. Aktuell sind rund 200 deutsche Soldaten als Teil einer EU-Mission an der Ausbildung der malischen Armee beteiligt. Die Bundesregierung erwägt, den Einsatz auf den unruhigen Norden auszuweiten.

Von

dpa

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