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02.05.2014

16:10 Uhr

Nach Todesspritzen-Skandal

Hinrichtungen in Oklahoma auf dem Prüfstand

Nach dem grausamen Tod des US-Häftlings Clayton Lockett fordern der Strafvollzugschef in Oklahoma und die Uno nun die Aussetzung aller Hinrichtungen. Lockett wurde eine noch nicht erprobte Giftmischung verabreicht.

Hinrichtungsdrama in den USA

„Er lag offensichtlich in Todesqualen“

Hinrichtungsdrama in den USA: „Er lag offensichtlich in Todesqualen“

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WashingtonNach der qualvollen Hinrichtung eines Häftlings in Oklahoma hat der Strafvollzugschef des US-Bundesstaats gefordert, alle Exekutionen bis auf Weiteres auszusetzen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an Oklahomas Gouverneurin schrieb Robert Patton, die Hinrichtungsprozeduren müssten vollständig überprüft werden. Ihm zufolge wurde am Morgen der Hinrichtung mit einer Elektroschockpistole auf den Häftling Clayton Lockett gefeuert, der sich weigerte, seine Zelle zu verlassen.

In dem Schreiben an Gouverneurin Mary Fallin, die als entschiedene Befürworterin der Todesstrafe bekannt ist, sprach sich der Strafvollzugschef für eine "externe Untersuchung" der Hinrichtung Locketts vom Dienstag aus. Patton beschrieb auch, dass Lockett sich am Vorabend seiner Hinrichtung selbst in den rechten Arm geschnitten hatte..

Hinrichtungen weltweit 2013

China

Mehr als 1000 (unbestätigte Anzahl)

Quelle: Amnesty International

Iran

369 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Irak

169 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Saudi-Arabien

79 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

USA

39

Somalia

34 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Sudan

21 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Jemen

13 (Amnesty geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Hingerichteten höher ist)

Am Dienstagmorgen wurde Lockett dann unter Einsatz einer Elektroschockpistole gewaltsam aus seiner Zelle geholt, um ihn zur Vorbereitung der Hinrichtung zu röntgen, wie es in dem Brief weiter hieß. Die Giftspritze sei ihm letztlich in die Leiste verabreicht worden, da es an Armen und Beinen keine geeignete Stelle gegeben habe. Rechtsanwältin Madeline Cohen, deren Mandant Charles Warner zwei Stunden nach Lockett hätte hingerichtet werden sollen, meinte dazu, das Gift sei nicht in Locketts Venen, sondern in sein Fleisch injiziert worden.

Locketts Exekution wurde laut der Gefängnisverwaltung nach wenigen Minuten abgebrochen, weil es Probleme mit der Giftinjektion gab und die Mittel nicht in den Blutkreislauf des Todeskandidaten gelangten. Medienberichten zufolge rang Lockett daraufhin nach Luft, bäumte sich auf und wand sich im Todeskampf vor Schmerzen. 43 Minuten nach Verabreichung der nicht erprobten Giftmischung erlitt Lockett schließlich einen Herzinfarkt.

Wegen der Probleme bei Lockett wurde Warners Exekution um zwei Wochen verschoben. Warners Anwältin Cohen warf den Behörden vor, Lockett „zu Tode gefoltert" zu haben. Sie forderte eine Untersuchung und eine Obduktion. Zugleich erneuerte sie die Forderung nach "vollständigen Informationen" über Zusammensetzung und Herkunft der Substanzen der Giftmischung.

Kommentare (8)

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02.05.2014, 16:10 Uhr

Die Todesstrafe ist eine ungeheuerliche Anmaßung und gehört in JEDEM Land, das für sich in Anspruch nimmt, auch nur in Ansätzen als zivilisiert zu gelten abgeschafft!!!
Wir Menschen haben jedes Recht (und sogar die Pflicht), uns und andere zu schützen. Aber nicht so!
Da gibt's genug andere Möglichkeiten!

Account gelöscht!

02.05.2014, 16:38 Uhr

Würde die Todesstrafe abschreckend wirken, gäbe es keine Verbrechen mehr auf die die Todesstrafe steht.

Account gelöscht!

02.05.2014, 17:03 Uhr

Die USA als scheinheiliger moralischer Zeigefinger der Welt muss sich nicht nur an ihrem fragwürdigen Straf- und Rechtssystem messen lassen. Schon in der Bibel steht: An ihren Werken werdet Ihr sie erkennen!

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