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10.07.2016

21:56 Uhr

Nach tödlichen Messerattacken

Israel kündigt Millioneninvestition für jüdische Siedlungen an

Erst vor wenigen Tagen hat Israels Premier Netanjahu den Bau von Hunderten neuer Wohnungen in den besetzten Gebieten genehmigt. Nun will er zwei jüdische Siedlungen im Westjordanland fördern – mit 12 Millionen Euro.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will jüdische Siedlungen mit Millionenhilfen unterstützen. dpa

Israelischer Ministerpräsident

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will jüdische Siedlungen mit Millionenhilfen unterstützen.

JerusalemIsrael will nach den jüngsten tödlichen Angriffen auf Israelis im Westjordanland zwei jüdische Siedlungen mit einer Investition in Millionenhöhe stärken. Die Regierung wolle den dortigen Einwohnern helfen, die „heroisch dem grausamen Terrorismus“ die Stirn böten, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag. Mit umgerechnet knapp 12 Millionen Euro sollen die Siedlung Kirjat Arba mit 7000 Israelis und die jüdischen Bewohner der palästinensischen Stadt Hebron unterstützt werden.

Nur Tage zuvor hatte Netanjahu zum Ärger der USA und anderer westlicher Staaten den Bau von Hunderten neuer Wohnungen in den seit 1967 von Israel besetzten Gebieten – Westjordanland und Ostjerusalem – angekündigt. Dies sei eine Antwort der Regierung auf die jüngste Serie tödlicher Angriffe von Palästinensern auf jüdische Siedler, hieß es.

Ende Juni hatte ein palästinensischer Jugendlicher eine 13-jährige Israelin in der Siedlung Kirjat Arba in ihrem Bett erstochen, bevor Sicherheitsleute ihn töteten. Der Vorfall hatte für besondere Empörung gesorgt. Auch danach kam es zu weiteren Angriffen durch Palästinenser. Seit der neuaufgeflammten Gewalt im vergangenen September töteten Palästinenser 34 Israelis und zwei US-Touristen. Im selben Zeitraum kamen mindestens 200 Palästinenser durch Schüsse israelischer Soldaten ums Leben, wie die israelische Armee mitteilt. Die meisten seien Angreifer gewesen, heißt es.

Die „Hügeljugend“ im Westjordanland

Was ist die „Hügeljugend“?

Bei der „Hügeljugend“ handelt es sich um jüdische Siedler im Teenager- und jungen Erwachsenenalter. Viele sind Minderjährige, die ihr Elternhaus in „etablierten“ Siedlungen in den von Israel besetzten Palästinensergebieten verlassen und auf nahe gelegenen Hügeln neue Außenposten errichtet haben.

Was macht die „Hügeljugend“?

Militanten Mitgliedern der „Hügeljugend“ werden die sogenannten „Preisschild“-Angriffe auf palästinensischen Besitz zugeschrieben – etwa Brandanschläge auf Moscheen oder Autos sowie anti-muslimische Schmierereien. Diese geschehen häufig als Rache für palästinensische Attacken oder nach Einsätzen der israelischen Armee gegen Siedler.

Wie viele Mitglieder hat die „Hügeljugend“?

Die „Hügeljugend“ hat mehrere hundert Mitglieder, die Schätzungen gehen bis zu 1000. Insgesamt leben im Westjordanland und Ost-Jerusalem nach Schätzungen der Menschenrechtsorganisation Betselem etwa 550.000 israelische Siedler. Es gibt im Westjordanland 125 Siedlungen, dazu kommen rund 100 nicht genehmigte „wilde Siedlungen“.

Von

ap

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