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11.08.2015

11:12 Uhr

Nach tödlichen Schüssen

Assad-Cousin offenbar festgenommen

Weil ein Autofahrer ihn in einem Stau nicht vorbeifahren ließ, soll ein Cousin des syrischen Machthabers Assad den Offizier auf offener Straße erschossen haben. Jetzt wurde Suleiman Hilal al-Assad offenbar festgenommen.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad soll einem Bericht zufolge der Angehörigen des Opfers zugesichert haben, den Täter zu bestrafen. Die Sachlage ist von unabhängigen Beobachtern derzeit kaum zu überprüfen. AFP

Baschar al-Assad

Der syrische Präsident Baschar al-Assad soll einem Bericht zufolge der Angehörigen des Opfers zugesichert haben, den Täter zu bestrafen. Die Sachlage ist von unabhängigen Beobachtern derzeit kaum zu überprüfen.

DamaskusNach den tödlichen Schüssen auf einen ranghohen Offizier in Syrien ist ein Cousin von Präsident Baschar al-Assad einem staatlichen Medienbericht zufolge festgenommen worden. „Suleiman Hilal al-Assad wurde festgenommen und den zuständigen Behörden übergeben“, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Montag.

Zuvor hatten Angehörige des Opfers bereits erklärt, Präsident Assad habe die Bestrafung seines Cousins in Aussicht gestellt.

Suleiman al-Assad soll den Luftwaffenoberst Hassan al-Scheich in der Hafenstadt Lattakia offenbar wegen eines Streits im Straßenverkehr erschossen haben. Sana machte am Montag keine weiteren Angaben zur Festnahme Assads. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf örtliche Quellen stützt, berichtete indes, Suleiman al-Assad sei auf der Straße zwischen Lattakia und Kardaha, dem Herkunftsort der Familie Assad, festgesetzt worden.

Sechs Gründe, warum der Bürgerkrieg in Syrien noch nicht beendet ist

Einmischung von außen

Das Regime von Baschar al-Assad hat mit Russland und dem schiitischen Iran mächtige Verbündete im Ausland. Teheran unterstützt Damaskus mit Geld und Kämpfern. Zudem kämpft die libanesische Schiiten-Miliz an der Seite Assads. Aber auch die Rebellen erhalten Geld und Waffen aus dem Ausland, unter anderem aus Saudi-Arabien. So wurde die Krise zu einem regionalen Konflikt. (Quelle: dpa)

Assads Unnachgiebigkeit

Der Präsident sagte am Anfang der Proteste Reformen zu - die nie kamen. Stattdessen brandmarkt sein Regime sämtliche Gegner als „Terroristen“, auch moderatere Oppositionelle. Viele Kritiker des Regimes sitzen in Gefängnissen. Im Kampf ums Überleben setzt die Armee zudem immer wieder sogenannte Fassbomben ein - Metallbehälter, die mit Sprengstoff und Metall gefüllt sind.

Zerstrittene Opposition

Den Regimegegnern ist es bis heute nicht gelungen, sich zu einen und eine gemeinsame Führung zu bilden. Die Exil-Opposition in Istanbul wird zwar international anerkannt, zeigt sich aber immer wieder zerstritten und hat in Syrien kaum Einfluss. Auch mit der Inlandsopposition aus Damaskus konnte sie sich noch immer nicht auf konkrete gemeinsame Ziele einigen.

Konfessionalismus

Längst ist der Bürgerkrieg auch zu einem Konflikt zwischen den Konfessionen geworden. Das Regime wird von Alawiten kontrolliert, einer Nebenlinie des schiitischen Islams. Die Alawiten befürchten blutige Rache, sollte Assad stürzen. Auch viele Christen sehen den Präsidenten als ihren Schutzpatron. In den Reihen der Rebellen kämpfen dagegen vor allem Sunniten.

Politik des Westens

Die USA und Europa lehnen eine militärische Intervention gegen das Assad-Regime ab. US-Präsident Barack Obama drohte zwar für den Fall des Einsatzes von Chemiewaffen durch das Regime in Syrien mit einem Eingreifen, nahm dann aber doch davon Abstand. Der Westen steht politisch zwar an der Seite der moderateren Rebellen, unterstützt diese aber kaum mit Waffen.


Stärke der Extremisten

Als die Krise in Syrien eskalierte, dehnte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus dem Irak ins Nachbarland aus. Jetzt kontrolliert sie dort ein Drittel der Fläche. Andere Teile Syriens stehen unter Herrschaft der Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Moderate Kräfte sind auf dem Rückzug. Die von den USA unterstützte Harakat Hasm löste sich kürzlich auf.

Die Angaben der Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die Witwe des Opfers, Mayssa Ghanem, sagte der regierungsnahen Zeitung „Al-Watan“ vom Montag, sie habe ein „Versprechen von Präsident Assad erhalten, den Täter zu bestrafen, egal wer er ist“. Dieses Versprechen sei ihr von „offiziellen Delegationen“ überbracht worden, die nach Lattakia gekommen seien, um ihr Beileid auszusprechen.

In der Küstenstadt, einer Bastion der Assad-Regierung, hatten am Wochenende mehr als tausend Menschen gegen die Erschießung von Hassan al-Scheich demonstriert. Der Offizier war laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte von Suleiman al-Assad am Donnerstagabend nach einem Streit auf offener Straße erschossen worden.

Er soll nach Angaben eines Bruders des Opfers „kaltblütig“ getötet worden sein, weil er den Täter in einem Stau nicht vorbeigelassen habe.

Von

afp

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