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20.07.2015

09:11 Uhr

Nach über 50 Jahren Eiszeit

Botschaften in USA und Kuba öffnen wieder

Es ist ein Meilenstein für die USA und Kuba. Im jeweils anderen Land werden wieder Botschaften eröffnet – einige Republikaner schäumen vor Ärger. Die ideologische Kluft zwischen den USA und Kuba und Differenzen bleiben.

Historischer Moment nach 50 Jahren

Erste Botschaften eröffnen in Washington und Havanna

Historischer Moment nach 50 Jahren: Erste Botschaften eröffnen in Washington und Havanna

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WashingtonHistorischer Moment nach jahrzehntelanger diplomatischer Eiszeit: Kuba und die USA eröffnen wieder Botschaften im jeweils anderen Land. Am Montagmorgen wollte die kubanische Regierung in ihrer Vertretung in Washington zu einer Zeremonie mit 500 Gästen laden. Zum ersten Mal seit dem Bruch 1961 zwischen beiden Ländern soll dann auch die kubanische Flagge an dem Gebäude in den USA wehen.

In der kubanischen Hauptstadt Havanna wird die diplomatische Mission der USA nach Mitternacht ebenfalls formal zur Botschaft. Doch die US-Flagge soll erst bei einer offiziellen Zeremonie im August mit Außenminister John Kerry gehisst werden. USA und Kuba hatten am 17. Dezember 2014 bekanntgegeben, dass sie nach mehr als 50 Jahren der Eiszeit wieder volle diplomatische Beziehungen aufnehmen wollen.

Seit Ende der 70er Jahre unterhielten sie im jeweils anderen Land Missionen, die diplomatisch in der Verantwortung der Schweiz stehen und nicht den gleichen Status wie Botschaften haben. Trotz der Rückkehr zu vollem diplomatischen Status müssen sich beide Länder über vieles noch einig werden.

Ungeklärt ist etwa die Frage der Entschädigung für auf Kuba beschlagnahmten amerikanischen Besitz, aber auch ein möglicher Schadenersatz für die Folgen des seit 53 Jahren geltenden US-Wirtschaftsembargos gegen Kuba. Überhaupt pocht Havanna auf ein Ende des Handelsembargos. Washington wünscht sich hingegen eine Verbesserung der Menschenrechtslage und mehr Demokratie auf der Karibikinsel.

„Es ist ein historischer Moment“, sagte der langjährige kubanische Diplomat Carlos Alzugaray mit Blick auf die Wiedereröffnung der Botschaften dennoch. Es werde weiterhin Differenzen zwischen beiden Ländern geben, zwischen denen eine tiefe ideologische Kluft herrscht. „Doch die Art, wie die Konflikte behandelt werden, hat sich völlig geändert“, sagte er.

Die Isolationspolitik gegen Kuba ist gescheitert, US-Präsident Barack Obama läutet eine neue Ära ein. Obama wurde 1961 geboren. Im selben Jahr kappten die USA auf einem Höhepunkt des Kalten Krieges die diplomatischen Beziehungen zur sozialistischen Karibik-Insel Kuba. Mehr als ein halbes Jahrhundert später hat Obama als US-Präsident dieser Ära der Feindschaft und Funkstille zwischen Nachbarn zumindest politisch ein Ende gesetzt.

Die Kubaner durften erstmals seit 54 Jahren an ihrer Vertretung in der 16. Straße Nordwest, die in Richtung Weißes Haus führt, die rot-weiß-blaue Flagge hissen. Trotz dieses Signals verrät anderes an diesem Tag, dass es noch Knackpunkte gibt: So ist ein US-Handelsembargo in wesentlichen Teilen weiter in Kraft. Und für die US-Botschaft in Havanna wurde noch kein Botschafter bestimmt. Oppositionelle Republikaner im Kongress haben gedroht, die Ernennung zu blockieren.

Für Obama stand die Neuausrichtung der Kuba-Politik schon mit Beginn seiner ersten Amtszeit 2009 auf der Agenda. So hob er Reisebeschränkungen für Exil-Kubaner auf. Rund zwei Millionen von ihnen leben in den USA. Viele haben die arme Zuckerrohr-Insel, die lange von Revolutionsführer Fidel Castro (88) dominiert wurde, wegen der Einparteienherrschaft, wegen Unfreiheit und Verletzung der Menschenrechte verlassen – oft Richtung Florida.

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